Tübingen und Reutlingen müssen auf Druck der EU schnell für bessere Luft sorgen. Ein Ansatzpunkt ist, die Umweltzonen in beiden Städten zu vergrößern.
Anzeige
Ute Kaiser
Tübingen. Tübingen und Reutlingen gehören zu den 15 Kommunen im Land, die beim Stickstoffdioxid die Grenzwerte überschreiten. Stephan Czarnecki vom Tübinger Regierungspräsidium (RP) deutete schon beim Informationsabend zur Luftreinhaltung am Mittwoch an, dass Tempolimits allein nicht ausreichen (wir berichteten).
Die Fachleute vom RP arbeiten derzeit an der Fortschreibung des Luftreinhalteplans und der Ausweitung der Umweltzonen in Tübingen und Reutlingen. Wie weit die reichen, wird das RP voraussichtlich Mitte dieses Jahres öffentlich vorstellen. Es sollen dort nur noch Autos mit grüner Plakette fahren dürfen, und die Bundesstraßen sollen einbezogen werden.
Die EU drückt aufs Tempo. Doch alle Beteiligten – vom Bund über das Land bis hin zu den Kommunen – stehen vor dem Dilemma, dass es „nichts gibt, mit dem ganz schnell niedrigere Grenzwerte zu erreichen sind“, so Czarnecki. Einzig eine drastische Drosselung des Verkehrs, weil er an den Problemstellen der Hauptverursacher ist.
Sollte allerdings an neuralgischen Punkten wie etwa der Mühlstraße in Tübingen oder der Lederstraße in Reutlingen der Verkehr reduziert werden, sucht er sich Wege durch die Wohngebiete. Das kollidiert mit Zielen wie der Verkehrssicherheit und dem Lärmschutz, die die Zuständigen vom RP ebenfalls beachten müssen.
Bessere Technik bringt keine schnelle Lösung
„Es gibt zu viel Verkehr an Stellen, wo Menschen leben.“ Und: „Die Fahrzeugflotte ist zu schlecht“, sagt Czarnecki. Sprich: Autos, Busse und Laster stoßen zu viele Schadstoffe aus. Die strenge Euro-Norm 6 erfüllten nur einige Modelle der Oberklasse. Auf bessere Abgastechnik zu bauen, ist daher aus Sicht von Tübingens OB Boris Palmer keine Lösung: „Da verlieren wir mindestens ein Jahrzehnt“, sagte er gestern auf Anfrage. Auch die viel diskutierte und heiß umstrittene City-Maut bietet keine Perspektive. „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage“, so der OB.
Was bleibt? Die Stadt kann nur den Umstieg auf den Öffentlichen Nahverkehr in Tübingen voranbringen. Dazu braucht es allerdings Anreize. Für Palmer kommt da „nur der ticketfreie Nahverkehr infrage“ – also der unentgeltliche. Ihn fordern die Aktivisten von „TüBus – umsonst“ schon länger.
Außerdem plädiert Palmer dafür, den Einbahnstraßenring um den Alten Botanischen Garten aufzuheben. Dann würde, wie er schon bei der Veranstaltung zu Tempolimits und Luftreinhaltung am Mittwoch sagte, rund ein Viertel des Autoverkehrs in der Innenstadt wegfallen. Wer beispielsweise das Parkhaus „Altstadt-Mitte“ am Stadtgraben verlassen wolle, kann dann nach links abbiegen und muss nicht mehr den großen Kringel um den Park fahren. Palmer ist sich „absolut sicher, dass das mehr bringt als Tempo 30“.
(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.
Bildergalerien und Videos
Lehrberuf Bootsbauer
Fußball und Feiern in Ergenzingen
Wurmlinger Pfingstritt 2013
42. Internationales U19-Jugendfußballturnier in Ergenzingen
Heutzutage wäre es kaum denkbar, dass jemand einen Barren mitten auf die Wiese stellt und damit die Leute begeistert. Im Jahr 1888 ist aber genau das in Lustnau geschehen. Es war der Anfang des Turn- und Sportvereins Lustnau. Am Montag feiert er seinen 125. Geburtstag.