[X]
 per eMail empfehlen


   

Der Arzt kommt mit dem Motorrad

Studentengruppe unterstützt Projekte in Uganda und Ruanda

Die Tübinger Studenteninitiative Youmanity unterstützt soziale Projekte in Uganda und Ruanda. Heute und morgen informieren die Mitglieder über ihre Arbeit und sammeln Sachspenden am Marktplatz, am Holzmarkt und am Nonnenhaus.

Anzeige


Julia Gläser
Verena Rossa Verena Rossa

Tübingen. Was bringt es, Bedürftigen immer nur Geld zu geben? Das fragen sich die beiden Youmanity-Mitglieder Verena Rossa und Robert Wunderlich oft. „Wir wollen Menschen helfen, sich selbst zu helfen“, sagt die Medizinstudentin Verena Rossa, die schon in der Gründungsphase zu Youmanity kam. „Wir wollen niemanden abhängig machen, sondern den Menschen die Möglichkeit geben, selbst einen Teil zu ihrem Glück beizutragen.“

Robert Wunderlich Robert Wunderlich

Youmanity ist eine Initiative der Stiftung des deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, die in diesem Jahr von Prof. Bernd Domres gegründet wurde. Die 15 aktiven Mitglieder von Youmanity treffen sich wöchentlich in Kilchberg, in der Bahnhofstraße 1. Je nach Bedarf gibt es zusätzliche Treffen der fünf Arbeitsgruppen.

Die Einwohner des Dorfs Kisinga (Uganda) – auch sie würden vom Projekt „Doc on Bike“ ... Die Einwohner des Dorfs Kisinga (Uganda) – auch sie würden vom Projekt „Doc on Bike“ profitieren.Bild: Youmanity

„Im ersten Jahr nahmen wir an vielen Vorträgen und Weiterbildungen teil“, sagt Robert Wunderlich, der von Anfang an dabei ist und ebenfalls Medizin studiert. „Wir wollten erstmal ein Basiswissen schaffen, um dann gezielt unsere Projekte durchzuführen.“ Bei der Studentengruppe ist es egal, welches Fach man studiert, in welchem Semester man ist, ob man in Praxissemestern schon Erfahrungen sammeln konnte oder noch nicht viel Vorwissen hat. „Wichtig ist nur, dass man Spaß an humanitären Themen und der Arbeit mit Gleichgesinnten hat“, sagt Rossa.

Derzeit unterstützt Youmanity zwei Projekte in Afrika: Living Hope, bei dem es um eine Schule in Uganda geht, und ein Straßenkinder-Projekt in Ruanda. Aus Spenden finanzierte die Studentengruppe, dass das Schulgebäude in Uganda einen festen Boden aus Beton bekam. „Davor hatten die Kinder ständig Maden an den Füßen“, sagt Wunderlich. Außerdem sollen weitere Renovierungsarbeiten und der Ausbau der Schule mitfinanziert, Schüler und Lehrer beraten werden.

Noch in der Planungsphase ist ein weiteres Projekt in Uganda: Doc on Bike – ein mobiler Arzt, der mit dem Motorrad selbst die entlegensten Gegenden erreichen kann, um die Dorfbewohner medizinisch zu versorgen. Robert Wunderlich, der schon in Uganda war, wird daher gemeinsam mit einem weiteren Youmanity-Mitglied nach Uganda fliegen, um sich vor Ort ein Bild zu machen. „Die Anschaffungskosten und das Arztgehalt der ersten drei Monate finanzieren wir gemeinsam mit einem anderen Hilfsverein. Danach soll sich das Projekt selbst finanzieren“, sagt Wunderlich. Dazu wird ein sogenanntes Mikroversicherungssystem eingeführt, das die Studentengruppe selbst entwickelt hat. „Die Familien zahlen einen geringen Beitrag und bei Bedarf kommt der Arzt auf Rädern“, erklärt Verena Rossa.

Finanziert werden die Projekte aus Geldspenden und dem Online-Verkauf von Sachspenden. „Auch ohne Werbung haben wir bisher schon viele Sachspenden bekommen und weiter verkaufen können“, sagt Verena Rossa. Abgegeben haben die Spender schon Laptops, Verstärker, Büchersammlungen und eine handgeschnitzte afrikanische Tafel. „Einmal haben wir ein 90 Jahre altes Porzellanservice bekommen“, sagt Robert Wunderlich. „Das haben wir an ein Antiquariat verkauft, da die Angebote in Ebay weit unter Wert lagen.“

Im Mai plant Youmanity eine Filmvorführung in der alten Anatomie. Titel des Dokumentarfilms: „Die vierte Revolution“ – mit dem Ziel, die Versorgung der ganzen Welt durch alternative Energien zu gewährleisten. Zur Verfügung gestellt wird die Dokumentation vom Verein Sonnenenergie Neckar Alb, der Youmanity bereits eine Solaranlage stiften wollte. „Leider konnten wir die Anlage vorerst noch nicht annehmen“, sagt Rossa. „Wir wollen erst Kräfte vor Ort schulen, damit die Solaranlage auch genutzt werden kann.“ Denn nur das entspreche auch den Richtlinien von Youmanity. Was bringe es, wenn man beispielsweise einen Kernspintomografen an den Jemen spende, der jedoch nur im Keller stehe, weil keiner weiß, wie man solch ein Gerät benutzt.

Ziel ist außerdem, viele Youmanity-Gruppen in ganz Deutschland zu gründen. Der Gedanke soll sich mithilfe der Sommerakademie verbreiten, die von der Studentengruppe jährlich veranstaltet wird.

In Tübingen sucht Youmanity nach neuen Mitgliedern und möchte interdisziplinär werden. „Da wir bisher kaum Werbung gemacht haben, sind wir hauptsächlich bei den Medizinern bekannt“, sagt Rossa. „Für unsere Arbeit braucht man eher selten medizinisches Fachwissen.“

Bilder: Metz

11.02.2011 - 07:30 Uhr | geändert: 11.02.2011 - 07:51 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln (hier klicken)

Anzeige

Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Coole Streetwear - Mode von Carhartt gibt es bei Def-shop