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Catering-Unternehmen geht das Geld aus

Schulmensen sollen trotz Insolvenzen weiterlaufen

Erst traf es die Bio-Catering Marbachshöhe GmbH, jetzt auch die Vital-Catering GmbH: Beide Unternehmen sind zahlungsunfähig. Für drei Schulmensen in Tübingen soll das aber keine Folgen haben.

Ute Kaiser
Artikelbild: Schulmensen sollen trotz Insolvenzen weiterlaufen

Tübingen. „Wir sehen keinen Grund und keine rechtliche Möglichkeit, aus dem Vertrag auszusteigen“, sagt Tübingens Erster Bürgermeister Michael Lucke auf Anfrage zum aktuellen Stand. Beide rechtlich getrennten Unternehmen, in denen jeweils der Bio-Caterer Dr. Harald Hoppe Geschäftsführer ist, hätten erklärt, dass sie den Vertrag erfüllen würden. Er läuft noch ein Jahr und gilt für die Schülermensen in der Uhlandstraße sowie in der Hügelschule und der Dorfackerschule.

Zu Beginn firmierte das Unternehmen aus dem nordhessischen Kassel noch als Dr. Hoppe Bio-Catering. Die neue Konstruktion ist komplizierter. Bio-Catering Marbachshöhe kocht und beliefert unter der Marke „biond“ bundesweit rund 40 Schulen, Kindertagesstätten, Betriebe und Großhändler. Die Mitarbeiter/innen der Vita-Catering versorgen die Schüler/innen vor Ort mit diesem Essen. Durch Preiserhöhungen und Nachforderungen der Bio-Catering ist auch die Vital-Catering in die Insolvenz geraten.

Eltern, die im Voraus fürs Essen bezahlen müssen, sorgen sich um ihr Geld. Dazu gibt es keinen Anlass, erklärt Heinrich Kallenberg von der zuständigen städtischen Fachabteilung. Die Bezahlchips und das Guthaben würden durch eine „Drittfirma treuhänderisch verwaltet“. Sie gibt nur die Beträge für das tatsächlich ausgegebene Essen weiter.

Ein deutlich höheres Risiko hatten die Lieferanten. Lastschriften kamen wieder an sie zurück. Stefan Grüter vom Obstgut Bläsiberg, der nach der ersten Insolvenz entgegen seiner ursprünglichen Absicht nochmal drei Wochen lang Waren geliefert hatte, stößt sich an der „Wettbewerbsverzerrung von auswärts“ und daran, dass er als Betroffener nicht informiert worden ist. „Das Ding läuft völlig daneben und bringt nichts für die Region“, so sein Urteil.

Rechtsanwältin Jutta Rüdlin von der Kanzlei Henningsmeier in Melsungen kann die Verärgerung verstehen. Sie ist seit dem 9. Juli vorläufige Insolvenzverwalterin der überschuldeten Vital-Catering. „Alles, was jetzt bestellt wird, wird bezahlt“, sagt sie. Sowohl die Vital-Catering als auch die Bio-Catering GmbH, für die am 1. Juni das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet wurde, sollen saniert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will Rüdlin eng mit ihrer für die Bio-Catering zuständigen Kollegin Sandra Mitter von der Kanzlei Leonhardt, Westhelle und Partner in Kassel zusammenarbeiten.

Rüdlin will „den laufenden Betrieb sichern, um nach den Ferien wieder zu starten“. Nach ihrer „ersten Einschätzung“ glaubt sie, dass ein Investor wesentliche Teile des Unternehmens erwerben wird“. Interessenten seien vorhanden.

„In Tübingen gab es keine insolvenzbedingten Kündigungen, und sie sind auch nicht beabsichtigt“, sagt die Rechtsanwältin aus Melsungen. In Gewerkschaftskreisen war anderes zu hören. Allerdings ließ sich das bisher nicht verifizieren.

In den großen Ferien will die Stadtverwaltung prüfen, so Lucke, „ob es ein tragfähiges Konzept gibt“, die drei Schulmensen mit den bisherigen Firmen weiter zu betreiben. Die Zahl der Konkurrenten sei „nicht sehr groß“, sagte der Schulbürgermeister.

Ein möglicher Anbieter hat sich in Weilheim angesiedelt: die Klinikums-Tochtergesellschaft UDO. Die Großküche hatte sich schon vor drei Jahren um den Schulmensa-Auftrag beworben, unterlag aber dem Konkurrenten aus Kassel. Sollte die Stadt je einen neuen Partner suchen, so UDO-Geschäftsführer Rolf Adis auf Anfrage, „würden wir Interesse signalisieren“. Von der Produktion her seien 700 Essen pro Schultag „kein Problem“.Archivbild

29.07.2010 - 07:30 Uhr | geändert: 29.07.2010 - 18:31 Uhr
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