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40 Jahre Naturpark Schönbuch (4): Mountainbike-Szene nutzt den Wald als Sportpark

Schanzen und surfen auf schmalen Pfaden

Der Schönbuch ist längst auch eine Sportarena. Läufer trainieren für einen Marathon, Radfahrer machen mächtig Strecke. Und eine Gruppe hat die Hänge und die kleinen Pfade entdeckt: die Mountainbiker. Das Problem ist nur: Eigentlich ist das Radfahren auf schmalen und unbefestigten Waldwegen verboten.

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WOLFGANG ALBERS

Nennen wir sie mal Tim und Mark. Die beiden sind sozusagen Illegale. Als solche im Naturpark sofort erkennbar: zwei durchtrainierte Sportler, mit Helm und Radlerrucksack – und vor allem mit Rädern, die dickstollige Reifen, Federgabeln, Scheibenbremsen, aber keinen Gepäckträger, Lichter, Klingel, Stützen haben. Räder, die kompromisslos auf das Fahren im Gelände ausgelegt sind – Mountainbikes eben.

Legaler Trail: Zwischen Dettenhausen und Lustnau ist eine Runde von den Tourismusförderern im ... Legaler Trail: Zwischen Dettenhausen und Lustnau ist eine Runde von den Tourismusförderern im Landratsamt ausgetüftelt worden. Sie ist 35 Kilometer lang mit 741 Höhenmetern und schließt in einer Variante auch die steile Abfahrt am alten Lustnauer Sportplatz mit ein. Die Karte und eine genaue Tourenbeschreibung gibt es unter www.tagblatt.de/schoenbuchtipps. Karte: www.magicmaps.de, Landesvermessungsamt Baden-Württemberg

Mountainbiken ist ein junger Sport, erst in den 70er Jahren wurden die ersten Räder für Pfade, die über Wurzeln, Steine, Erde, Schotter rauf und runter führen, zusammengeschraubt. Mittlerweile ist das längst ein Massensport. Tausende, schätzt Mark, sind es in der Region, die wild sind auf Ausritte abseits der zahmen Wege. Nur wo? Da ziehen 156 Quadratkilometer voller Höhen und Schluchten, mit kilometerlangen schmalen Wegen und ständig wechselnder Szenerie die Mountainbiker geradezu magisch an: der Schönbuch.

Artikelbild: 40 Jahre Naturpark Schönbuch werden gefeiert

Nur: Eigentlich dürfen die da gar nicht rein. Jedenfalls nicht dorthin, wo es für Mountainbiker erst interessant wird. Das Waldgesetz erlaubt Fahrradfahren nur auf Wegen, die mindestens zwei Meter breit sind. Das sind Wanderautobahnen, gerne noch geteert und mit minimalen Steigungen. Da kann man auch mit dem Hollandrad entlang gondeln und braucht kein vollgefedertes Spezialrad (Fully) mit hydraulischen Dämpfungen, Karbonrahmen oder ähnlichen Feinheiten.

Wo es für Mountainbiker interessant wird, ist das Radfahren im Wald normalerweise verboten. Bild: ... Wo es für Mountainbiker interessant wird, ist das Radfahren im Wald normalerweise verboten. Bild: Albers

Wie für den Abhang, den die beiden beim alten Lustnauer Sportplatz ansteuern. Einst war hier ein Trampelpfad zur Grillstelle runter. Jetzt ist das eine glatte, abschüssige Bahn, wie die Landebahn einer Skischanze. Der Vergleich passt, weil oben eine Schanze gebaut ist, aus Felsbrocken und zurechtgesägten Baumstämmen. „Da haben die mit schwerem Werkzeug geschafft“, nickt Mark anerkennend, während Tim gleich mal den Abhang runterfegt.

Ohne Sprung über die Schanze. Dafür müsste er einen Integralhelm, Protektoren, Knie- und Armschutz haben. „Ganz so extrem ist eh nicht mein Ding“, sagt er.

Hier trifft sich die Szene der Downhiller, die Hänge runterkurven und runterschanzen wie die Freerider im Tiefschnee. Ganz junge Leute sind das, sagt Tim, zwischen 13 und Anfang 20 Jahre alt. Sie haben ihren Treff in einem Bike-Laden und stellen ihre Rides auch ins Internet – allerdings als Wandervorschläge getarnt. Etwas Subversives haftet der ganzen MTB-Gemeinde an. Es ist nicht schwer, Mountainbiker ausfindig zu machen – aber auf die Frage, ob sie zu Auskünften für die Zeitung bereit sind, winken viele entsetzt ab: Bloß nicht zu viel Publizität für dieses Thema!

Denn manchmal gibt es fast schon einen Kleinkrieg. Kaum ist so eine Schanze gebaut, hackt und sägt der Forst sie wieder auseinander. Und es gibt immer mal wieder Streit mit Wanderern oder Förstern. „Langsam ranfahren, lächeln, grüßen“ ist Marks Ritual bei Begegnungen, und damit ist er bisher gut gefahren. Tim dagegen wurde von einem Förster (allerdings nicht im Schönbuch) fast schon mal mit einer Schaufel vom Rad geschlagen.

Die beiden fahren jetzt ins Kirnbachtal und biegen in einen steilen Schotterweg ein. Das Vorderrad ist nur schwer geradeaus zu halten und tendiert dazu, vorne hochzugehen. An den Stufen des Olgahains tragen die beiden ihre Räder hoch – kennen aber auch Kollegen, die hier eifrig Treppenfahren trainieren. Oben stoßen die beiden auf den Hauptwanderweg 5 des Albvereins. Ein schmaler Pfad, der sich durch die Bäume windet, ein mäßiges Gefälle hat und eher frei von Wurzeln oder Felsen ist. So frei, dass irgendjemand wieder eine Schanze, von der man gut vier Meter springen kann, eingebaut hat: mit Steinen eine Rampe zu einem Baumstumpf gelegt, das Ganze mit Erde verputzt. Da guckt sogar schon irgendein Grünzeug aus den Ritzen. „Also ganz naturverträglich“, sagt Mark.

Die beiden nehmen jetzt Fahrt auf. Stellen sich auf die Pedale, beugen die Arme leicht, legen in Kurven das Rad raus und den Körper nach innen – und tanzen mit dem Rad bis nach Bebenhausen. „Ein ziemlich flowiger Trail“, schwärmt Mark. „Da kann man wunderbar hinuntersurfen.“ Und das mit Speed: Tempo 35 kriegen die beiden schon auf den Tacho, wenn sie es laufen lassen. Nur als der Wanderweg eine Forststraße kreuzt, manövrieren die beiden vorsichtig über einen Graben, in dem das Rad steckenbleiben kann, wenn’s dumm läuft. Mark hat hier schon viele über den Lenker fliegen sehen: „Bis in den Wald jenseits der Straße.“

Den HW 5 guckt sich die Mountainbike-Szene besonders gern als Trail aus, vor allem am Hang des Schönbuchs über dem Ammertal. Also geben Tim und Mark Gas und cruisen Richtung Westen, ganz legal, durch das Goldersbachtal und das Kayher Tal. Eine ganze Gruppe Mountainbiker prescht in die Gegenrichtung – die breiten Wege werden gerne zum Konditionsbolzen genommen.

So dahinzugleiten gefällt Tim: „Dann trepple ich vor mich hin und lass meine Gedanken hängen.“ Das meditative After-Work-Programm auf dem Bike klappt aber nicht überall: „Ich will mitten in der Natur sein. Fahrrad fahren neben Autos und Abgasen hasse ich.“ Deshalb der Schönbuch. Und deshalb Mountainbike: „Weil es reizt, auch mal an die körperlichen und fahrerischen Grenzen zu gehen.“ Und dann fasziniert noch die Technik: „Bei einem Mountainbike steckt viel dahinter, und es ist eine völlig umweltschonende Technik.“ „Fast jeder Mountainbiker ist auch ein Schrauber,“ nickt Mark bestätigend.

Am Mönchberger Sportplatz biegen die beiden wieder in den HW 5. Der ist anfangs noch gut ausgefahren, wird aber zusehends schmäler, abschüssiger, schiefer. Die ersten Gräben tun sich auf. Man kann sie manchmal umfahren – „chickenway“ heißt dieser Notausgang unter Mountainbikern. Steil rauf, steil runter, Moraststellen, dicke Prügel quer auf dem Weg, Bodenfurchen – Mark und Tim müssen ganz schön mit den Rädern tanzen. Die Körperbeherrschung hat Mark schon seit der Kindheit drauf: „Da sind wir mit dem Klapprad und dem Bonanza-Rad rumgekurvt.“

Weil es schon spät am Abend und an einem Wochentag ist, sind die beiden allein auf der Piste. „An einem Wochenende würde ich hier nicht fahren“, sagt Mark. Er will Konflikten mit Wanderern aus dem Weg gehen.

Leer ist auch das Gelände einer der ultimativen Mutproben im Schönbuch. An den Erdwällen der Burg Müneck ziehen sich lauter steile Pisten in einen Kessel, wo man auch noch durch ein schmales Tor aus Bäumen durchpfeifen muss. Tim heizt durch – das ist was für Adrenalin-Junkies. Geradezu soft ist dann der Ausklang: Der HW 5 zieht sich als Panoramaweg oberhalb der Weinberge von Entringen hin, weit gehen die Ausblicke über das Ammertal. Da werden die Jungs auf den Mountainbikes, die es so oft krachen lassen, ganz entspannt, stoppen, schauen – und genießen auch einmal einen ganz ruhigen Moment.

Mountainbike-Route des Landratsamtes
Start ist der PR Parkplatz an der B27 bei Kirchentellinsfurt. Wir fahren 500 m in Richtung Hofgut Einsiedel und biegen links ab. Nach 700 m halten wir uns rechts, vor der Freifläche des Einsiedels links und fahren weiter bis zum Roten Tor. Wir folgen dem Weg, überqueren die Lindenallee und halten uns rechts. Nach ca. 800 m biegen wir links, weitere 150 m nach rechts ab. Am Moosplattenweg halten wir uns rechts und fahren talabwärts, die 2. Möglichkeit nach links (Reichenbachtal). Das Tal verlassen wir kurz vor der Hochfläche von Rübgarten scharf nach links, fahren bis zur Erddeponie Walddorfhäslach und biegen rechts ab. Nach 150 m geht es links, weiter über die Eschachhau Allee und die B 464. Von dort geht es immer geradeaus ins Schaichtal hinunter und dann links der Schaich entlang Richtung Dettenhausen. Wir folgen nicht dem Hauptfahrweg nach rechts, sondern steigen leicht links hinauf bis zum Waldausgang, dann Richtung Ort und biegen nach 500 m links zu den Sportanlagen ab, wo bewirtet wird. Auf dem Hohenzollernradweg fahren wir parallel zur Kreisstraße 6912 bis kurz vor die Eckbergkreuzung und biegen davor rechts ab. Wir folgen diesem Weg ca. 2 km bis links ein Erdweg zur B 464 führt, überqueren diese und erreichen das Rotwildgatter. Nach 800 m fahren wir auf ein Steilstück rechts ab, erste Kreuzung links und dann bis nach rechts der Wolfsgrubenweg abzweigt. Diesem folgen wir 2 km, erreichen das Einsiedlersträßchen und halten uns hier rechts bis zum Wanderparkplatz „Pfeifferstein“. Dahinter biegen wir links ab und steigen 1 km auf. Danach den ersten Waldweg rechts abbiegen, das Kirnbachtal hinab, bis wir eine Abzweigung nach links nehmen und dem Olgahainweg bis zu einer Linkskurve folgen. Hier haben wir zwei Alternativen:
1. Wir folgen dem Weg 1 km, fahren den 2. befestigten Waldweg nach rechts steil ins Kirnbachtal hinab, wieder rechts und dann links über die Brücke. Dahinter geht es rechts hinauf auf die Pfrondorfer Ebene. Am Waldrand angekommen halten wir uns rechts. 2. 200 m hinter der Kurve zweigt scharf rechts ein Erdweg zum Kirnbachparkplatz ab. Für geübte Fahrer! Wir fahren wenige Meter bachaufwärts, um dann gleich nach rechts über eine Brücke den Kirnbach zu queren. Wir fahren nun 400 m in Richtung Tübingen, an der Sonntagsstelle vorbei bis ein steiler, befestigter Weg nach links abzweigt. An der breiten Straße fahren wir links Richtung Steinbruch, biegen davor nach rechts und folgen dem Weg bis zum Pfrondorfer Waldrand. Am Waldrand treffen sich beide Alternativen. Wir halten uns rechts, folgen dem Waldrand bis links eine Teerstraße über die K6911 in Richtung Reitanlagen führt. Nach 250 m erreichen wir den Wald, biegen rechts ab und fahren nach einer kurzen Abfahrt links auf einen hier beginnenden Waldweg, der nach 1,5 km endet. An der Wendeplatte beginnt ein Erdweg bis ins Neckartal. Dort halten wir uns links und fahren in Richtung Kirchentellinsfurt, erreichen die Kreisstraße 6911 (Pfrondorfer Steige), der wir auf dem Radweg bis zu unserem Ausgangspunkt folgen. Der Mountainbike Knigge
Mountainbiker nehmen Rücksicht auf Andere, sind stets bremsbereit, rechnen jederzeit mit Gegenverkehr und machen sich rechtzeitig bemerkbar. Sie nähern sich Reitern langsam, vermeiden Fahrten bei Dämmerung und akzeptieren Sperrungen. Biker fahren nur auf mit Schotter befestigten Wegen - sofern sie über 2m breit sind. Sie meiden die wenigen schmalen Wanderpfade, Erdwege und Rückgassen.


11.08.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 15.08.2012 - 10:27 Uhr

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