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Tunnel-Baustelle ohne Umleitung

Sanierung soll Hirschau und Bühl nicht unnötig belasten

Während der Sanierung des Schlossbergtunnels und der Brücken davor weist das Regierungspräsidium keine Umleitungen aus. Dennoch hofft die Behörde, etwa 20 Prozent der Fahrzeuge aus dem Tunnel zu bringen.

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Sabine Lohr

Tübingen. Von Mitte März an müssen sich Autofahrer in Tübingen vor allem im Berufsverkehr auf lange Staus einstellen. Von da an wird der Schlossbergtunnel saniert und der komplette Verkehr gegenläufig durch nur eine Röhre geführt. Zunächst werden die Hegelstraße von der Auffahrt von der B 28a an und die Röhre Richtung Herrenberg gesperrt. Im nächsten Jahr kommen dann die zweite Röhre und die Brücken dran, über die der Verkehr Richtung Reutlingen fährt.

Geschäftsmodell der Zukunft in der Europastraße. Geschäftsmodell der Zukunft in der Europastraße. Zeichnung: Buchegger

Mit Umleitungsstrecken tat sich das Regierungspräsidium aber schwer, denn alle Umwege führen durch ohnehin schon vom Verkehr belastete Dörfer, wie Martin Ciolek, Leiter des Referats Straßenbau Nord, gestern bei einer Pressekonferenz sagte. Untersucht wurden drei Möglichkeiten: Man könnte die Autos, die von Unterjesingen her nach Tübingen kommen, über Hirschau umleiten. Die von der Autobahn kommen, könnten statt bei Herrenberg erst bei Rottenburg abfahren und dann über Kiebingen und Bühl nach Tübingen gelangen. Oder sie könnten in Böblingen abfahren und über Holzgerlingen und Bebenhausen nach Tübingen kommen. Doch sowohl Hirschau und Bühl als auch Holzgerlingen klagen jetzt schon über den Verkehr im Ort. Vor allem morgens zwischen 7 und 8.30 Uhr und abends zwischen 17 und 19 Uhr bilden sich oft lange Staus.

Würden Umleitungen ausgeschildert, würden vor allem auswärtige Autofahrer diese auch außerhalb der Stoßzeiten nutzen, was die Dörfer unnötig belaste. „Wir können deshalb keine Umleitungen anbieten“, sagte Ciolek. Es werden lediglich Schilder aufgestellt, die auf die Baustelle in Tübingen hinweisen. „Wir hoffen, 8000 oder 9000 Autos zu verdrängen“, sagte Ciolek. Zur Zeit fahren täglich 39 000 Fahrzeuge durch die beiden Tunnelröhren.

Salzwasser griff Stahlträger an

Außer den Schildern will das Amt in Zusammenarbeit mit der Stadt verschiedene Ampelschaltungen umstellen, zum Beispiel in der Herrenberger Straße und in der Westbahnhofstraße. „Wir werden das auch ständig beobachten und nachbessern, wo es sinnvoll erscheint“, versprach Ciolek.

Und auch die Stadt legte gestern mit einem Versprechen nach: Die anderen Bauvorhaben in der Stadt würden „auf den Prüfstand“ gestellt. Wie berichtet plant die Stadt, ebenfalls im Frühling mit dem Umbau der Poststraße zu beginnen. Außerdem soll an der B 28 an der Rosentalstraße beim Aldi ein Kreisverkehr angelegt werden. Am Montag, 28. Januar, wird der Planungsausschuss über die Rückstellungen diskutieren. Die Sanierung des Schlossbergtunnels nannte Projekt- und Bauleiter Maik Thumm „dringlich und unaufschiebbar“. Nach den Bränden im Gotthardtunnel 2001 und im Fréjus-Tunnel 2005 hat der Bund ein neues Sicherheitskonzept für Tunnel aufgelegt. Bis auf den Schlossbergtunnel sind inzwischen alle Tunnel im Regierungsbezirk saniert und brandtechnisch auf den neuesten Stand gebracht worden.

Nun ist der Tübinger Tunnel dran. Er bekommt unter anderem eine neue Innenverkleidung: Die alte besteht aus mit Kunststoff gefüllten Alu-Elementen. Bei einem Brand würden hochgiftige Gase entstehen. Außerdem wird die Sicherheitstechnik erneuert. Unter anderem auch die Sprenkleranlage, die bisher im Winter dafür sorgen sollte, dass sich keine Eisschicht auf der Fahrbahn bildet. Das hat aber nicht immer funktioniert: Vor einem Jahr mussten Arbeiter mit Pickeln und Schaufeln das Glatteis beseitigen.

Dazu kommt, dass der 35 Jahre alte Tunnel und die Brücken inzwischen schlicht alt geworden sind. „Hinter der Tunnelverkleidung sieht es aus wie in einer Tropfsteinhöhle“, sagte Thumm. Zur Anschauung hatte er Kalkstücke mitgebracht: bröselige, wie Blätterteig wirkende Stücke des Sinters, der sich wegen der massiven Wassereinbrüche gebildet hat.

Wasser ist auch der Grund, weshalb die Brücken saniert werden müssen. Weil 35 Jahre lang jeden Winter Salzwasser auf die Brücken gesprüht wurde, erodieren jetzt die Stahlträger. Bei der Neckarhaldenbrücke in der Hegelstraße sei die Standsicherheit gefährdet. „Da müssten wir jetzt die Belastung reduzieren“, sagte Thumm. Das Salzwasser hat auch die Abdichtungen unter den Fahrbahnen angegriffen, so dass Wasser durchdringt und den Stahl erodieren lässt.

Der Verlauf der Bauarbeiten und einige Zahlen
Mitte März wird zunächst einmal markiert, wo der Verkehr während der Bauzeit laufen wird. Dazu muss die linke Spur Richtung Herrenberg gesperrt werden. Im April werden die komplette Straße und Tunnelröhre Richtung Herrenberg dicht gemacht. Zunächst werden die Brücken Richtung Reutlingen saniert, von September bis November dann die Tunnelröhre. Wegen der Temperaturen wird im Winter nicht gebaut: Bis März 2014 sind beide Tunnelröhren offen. Im nächsten Jahr geht es auf der anderen Seite weiter – mit dem gleichen Ablauf. Insgesamt werden 1,5 Kilometer Straße saniert, eine Asphaltfläche von 32 000 Quadratmetern. Allein im Tunnel sind es 11 000 Quadratmeter. Kosten wird alles zusammen rund 6,5 Millionen Euro.


25.01.2013 - 11:30 Uhr | geändert: 25.01.2013 - 17:27 Uhr

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