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Spezialitäten und Athleten

Rekordverdächtige Besucherzahlen bei Stadtlauf und Umbrisch-Provenzalischem Markt

Auf zehntausend Quadrat-metern Marktfläche wurde es am Wochenende wieder einmal eng in der Altstadt: Der Umbrisch-Provenzalische Markt lockte zusammen mit dem Stadtlauf 40 000 in die Stadt.

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Eike Freese
Voll voll: Insgesamt rund 150000 Altstadt-Gäste sah der Umbrisch-Provenzalische Markt, 40000 ... Voll voll: Insgesamt rund 150000 Altstadt-Gäste sah der Umbrisch-Provenzalische Markt, 40000 allein am Sonntag mit dem Stadtlauf als weiterer Attraktion. Bild: Groebe

Tübingen. Rund 150 000 Besucher an den vier Markttagen sorgten dafür, dass in der Tübinger Innenstadt zum Teil gar nichts mehr ging – außer Shoppen und Schlemmen. Um französische und italienische Spezialitäten zu genießen, bummelten allein am Sonntag rund 40 000 Besucher durch die Altstadt – bei angenehmen Temperaturen und ununterbrochenem Sonnenschein. Oder, wie es Rainer Kaltenmark vom Tübinger Ordnungsamt für das Organisationsteam ausdrückte: „Beim Wetter hatten wir mehr Glück als Verstand.“

Großes Lob von Italienern und Franzosen

Von den rund 80 Ständen wurden 20 aus Perugia, 30 aus Aix-en-Provence beschickt. Die Gasthändler aus Italien und Frankreich waren voll des Lobes über die Tübinger Kundschaft. „Für uns sind die Tage einfach wunderbar gelaufen“, berichtete Leonardo Spulcia aus Perugia. Der Italiener verkaufte mit seinen Kollegen vor allem am Samstag richtig viel: Pecorino, Trüffelkäse, Parmigiano und Spezialitäten aus seiner Heimat. „Es muss nicht immer alles direkt aus Perugia kommen“, fand Spulcia. „Hauptsache, es sind leckere italienische Spezialitäten.“

Auch Michel Bessiere aus Aix-en-Provence hatte nur Positives zu vermelden. „Bei uns war Freitag der umsatzstärkste Tag“, so Bessiere, der direkt am Marktplatz Schönes und Nützliches aus Olivenholz verkaufte. „Die Deutschen kaufen eher das Nützliche. Wir haben auch oft Lampen oder ähnliches im Angebot – aber hier verkaufen wir Schüsseln, Zahnstocherbehälter oder Küchenbretter.“ Bessiere, der mit seinen Produkten zum sechsten Mal am Neckar Station machte, sieht den Umbrisch-Provenzalischen Markt bereits nicht mehr ausschließlich als Arbeit. „Ich kam über eine Aixer Kunsthandwerker-Gemeinschaft zum ersten Mal hierher. Inzwischen verbinden wir die Arbeit hier immer mit einem kleinen Urlaub und haben mit den Jahren einige Freundschaften geschlossen.“

Bei der Aufstellung der rund 10 000 Quadratmeter Marktfläche lernt die Stadt jedes Jahr dazu. „Wir versuchen, dass möglichst viele Altstadtgeschäfte vom Markt profitieren“, so Rainer Kaltenmark. So hätten sich etwa im vergangenen Jahr in Haag- und Pfleghofgasse noch Autos gestaut und damit für Verdruss bei den dortigen Läden gesorgt, die nicht wie erhofft von den Kundenströmen profitieren konnten.

Stadtlauf als Publikumsmagnet

Der Publikumsandrang war in diesem Jahr vor allem am Sonntag rekordverdächtig: Die Tübinger Geschäfte waren verkaufsoffen und der Stadtlauf lockte zusätzlich Tausende von Sportfreunden in die Innenstadt. Die kamen wegen Stars wie Annika Frank, Simret Restle, Patrick Kimeli, Titus Kosgei oder Kiprop Tuwei – und vor allem, um Lokalmatador Arne Gabius und Publikumsliebling Dieter Baumann zu sehen.

Gut 1700 Sportler liefen in den beiden Hauptläufen, weitere rund 1000 Jugendliche hatten zuvor in Schülerläufen ihr Können gezeigt. Gerade im B-Lauf der Erwachsenen mit seinen gut 1000 Teilnehmern gab es Sehenswertes abseits der sportlichen Leistungen: So lief eine Gesandtschaft der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen in voller Einsatzmontur und Flagge. Die Zuschauer jubelten mit lautstarken „Dieter, Dieter“-Rufen Olympiasieger Baumann zu oder feuerten mit Schildern wie „Günther – ab heute Ü50!“ andere Leistungsträger an. Simret Restle, Siegerin des Frauenrennens, zeigte in der Öffentlichkeit des Stadtlaufes ein Shirt mit der Aufschrift „Free Birtukan Mideksa“: Wie zahlreiche Tübinger Afrikaner engagiert sich die Kasselerin für die äthiopische Oppositionelle, die seit zwei Jahren in ihrer Heimat eingekerkert ist (das TAGBLATT berichtet am Dienstag).

Ein Erfolg – auch für die stationären Händler

Ein „großartiger Tag“ sei dies, sagte uns gestern am Spätnachmittag Hans-Peter Schwarz vom Handel- und Gewerbeverein. Schwarz, der sich als Markt-Macher zuletzt besonders darum kümmerte, dass die Publikums- und Umsatzströme so fließen, dass Tübingens ortsfester Einzelhandel davon profitiert, sieht sich seinem Ziel nahe: „So ein Ergebnis macht Mut, das baut auf.“ Tatsächlich bestürmten die Besucher am sonnigen Nachmittag Freiluftgaststätten und -verkaufsstellen aller Art. Vor Eisdielen und Geldautomaten standen Wartende in Dreierreihen. Möglicherweise sei das Wetter für die Bekleidungsbranche – wo schon herbstliche Töne und Modelle die Auslagen bestimmten – zu gut gewesen, schränkte der HGV-Mann seine Prognose ein. Zuverlässige Aussagen zum Umsatz gab es noch nicht.

20.09.2010 - 08:00 Uhr | geändert: 20.09.2010 - 08:19 Uhr

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