Sie trotzten dem Wetter, teilten den Neckar und jubelten am Matschufer: Am Samstag ließen sich Zuschauer und Ruderer ihre Sprint-Regatta vom Herbst nicht verderben.
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Ira Knabbe
Tübingen. Das Neckarufer ist matschig. Viele Füße haben das Gras in den vom Regen aufgeweichten Boden getreten. Auf Höhe des Stauwehrs in der Gartenstraße stehen über 150 ruderbegeisterte Zuschauer und recken ihre Hälse. Der Startschuss fällt, drei lange Boote beginnen 350 Meter flussabwärts das Wasser zu durchpflügen.
Darin sitzen jeweils acht Männer. Sie ziehen alle im gleich Rhythmus an ihren Riemen (Ruder eines Achter-Boots), die Gefährte scheinen die Wasseroberfläche kaum noch zu berühren, so schnell sind sie. Die am Ufer Gebliebenen schreien sich die Kehle aus dem Leib. Begleitet von lauten Anfeuerungsrufen rauscht der Achter des Ulmer Ruderclubs Donau mit Weltmeister Urs Käufer nach nur 54,6 Sekunden ins Ziel, die Signalhupe ertönt – und der Donau-Club hat seinen „Fidelia“-Wanderpokal-Titel erfolgreich verteidigt.
„Die Nähe zwischen Athleten und Zuschauern ist bei unserer Regatta sehr groß“, sagte Stefan Lottholz vom Tübinger Ruderverein Fidelia (TRV). Vorbereitung und Einsetzen der Boote, Warmfahren, Wettkampf und Siegerehrung – alles ist mit nur wenigen Metern Abstand zu sehen. Damit die 38 Rennen von über 120 Sportlern aus Vereinen, Hochschulen und Firmen reibungslos ablaufen, hat Lottholz mehrere Urlaubstage für die Vorbereitung geopfert. Ein zehnköpfiges Team hat die Planung gemacht, rund 60 Fidelia-Mitglieder haben am Samstag Getränke verkauft, Listen ausgehängt, Technik und Stände auf- und abgebaut.
Auch wenn immer wieder schwere Tropfen vom Himmel fielen – die Ruderer störte das nicht. „Kälte wäre viel schlimmer“, erklärte Lottholz, der in seiner Jugend mehrere nationale Meistertitel auf dem Wasser holte. Deshalb hat der Tübinger Ruderverein dieses Jahr eine Woche früher zu seiner Regatta eingeladen – in der Hoffnung auf warmes Wetter. „Leider konnten unsere Freunde aus Cambridge zu dem neuen Termin nicht kommen“, erzählte der 49-Jährige. Weil in England noch Semesterferien sind, reiste der Uni-Achter diesmal nicht an. Dafür war der Ruderverein Neptun Konstanz zum ersten Mal Gast bei der Einladungsregatta der Tübinger. „Hier ist eine schöne Atmosphäre“, sagte Neptun-Vorstand Kurt Prosen, „dass nicht alles so technisch durchorganisiert ist, gefällt mir.“
Auch die neu angebotene Master-Klasse nutzten die Konstanzer im Doppel-Vierer Frauen und Männer. Darin starten alle Ruderer, die älter als 27 Jahre sind. „Das ist ein Trend auf nationalen und internationalen Regatten“, sagte Lottholz, „denn die Älteren wollen nicht aufhören, können aber nicht mit den ganz Jungen mithalten.“
Matthias Härle hatte am Samstag einen der wenigen dauerhaft trockenen Plätze: Unter einem Pavillon betreute der Jugendvorsitzende des TVR Interessierte auf zwei Ruder-Ergometern. „Wer hier einen Kilometer zurücklegt, spendet damit zwei Euro an die SOS-Kinderdörfer Deutschland“, erklärte er. Die Initiative des Deutschen Ruderverbands wurde beim Herbstsprint gut angenommen: 112 Leute setzten sich auf die Maschinen, die eigentlich zum Training verwendet werden, und legten über 130 Kilometer zurück.
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Teams, Wettbewerbe, Hintergründe
Der Tübinger Herbstsprint ist eine Einladungsregatta. Es nehmen nur Vereine, Hochschulen und Firmen teil, die der Veranstalter Tübinger Ruderverein Fidelia eingeladen hat. Im „Attempto-Cup“ starten Hochschulen, um den „Fidelia“-Wanderpokal fahren Rudervereine – Firmen starten in einem eigenen Firmen-Rennen. Rudervereine, die am Neckar liegen, wetteifern um den „Neckarpokal“. Die Rennen werden in unterschiedlichen Bootsklassen gefahren.