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Martin Burchard schuf mobilen Jakobus-Altar

Predigt fürs Auge

Die ersten Aufträge gingen bereits ein. Am Mittwoch stellte der Tübinger Künstler und Schreiner Martin Burchard seinen mobilen „Jakobus-Altar“ in der Jakobuskirche vor.

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Christiane Hoyer
Artikelbild: Predigt fürs Auge Zusammenklappbar mit Stauraum für Bibeln, Kerzen und Altarschmuck: Die kleinste Version des Altars auf Rollen (rechts) hat Martin Burchard mit der Innenarchitektin Marlis Ohlbrock entworfen. Bild: Metz

Tübingen. Der 52-Jährige hat sich in den vergangenen Jahren auf christliche Kunst spezialisiert. Zuletzt machte er mit seinen meterhohen Installationen „Weiterweg“ im Fränkischen Wald von sich reden. Die Idee eines mobil einsetzbaren Altars in Pflegeeinrichtungen hatte der gelernte Schreiner bereits vor zehn Jahren. Gemeinsam mit der Tübinger Innenarchitektin Marlis Ohlbrock besuchte er Pflegeheime und entwarf Altar-Modelle.

In den Pflegeheimen gebe es immer mehr Menschen, die nicht mehr selbst in einen Andachtsraum gehen könnten, und umgekehrt fehle vielen modernen Häusern oft der Platz für einen separaten Andachtsraum, beschreibt Burchard den Bedarf. Dem Bedürfnis nach „ganzheitlicher Begleitung“ vor allem dementiell erkrankter Menschen, kommt Burchards pragmatische Altar-Lösung durchaus entgegen.

In drei verschiedenen Größen hat er bei der Schreinerei Dittus in Ammerbuch-Altingen (dort absolvierte Burchard selbst seine Lehre) einen Altar bauen lassen, der sich flexibel einsetzen lässt. Der Altartisch in Größe L kann so nach vorne gerollt werden, dass sich der katholische Pfarrer dahinter stellen kann – in seinem Rücken die Höhen verstellbare Retabel mit einem abstrakten Bild von Burchard, das die Nutzer jederzeit gegen andere Bilder austauschen können. Beim kleinsten Altar-Modell passt selbst das Bild zusammengeklappt in den Rolltisch. Es kann in jedes Zimmer gebracht werden, ist somit auch für Segnungen eines Sterbenden geeignet.

Rund 2000 Arbeitsstunden hat Burchard, der selbst aktives Mitglied in der evangelischen Jakobusgemeinde ist, in die Anfertigung seiner mobilen Altäre gesteckt – ein Teil davon mit finanzieller Unterstützung von vier (Heim-)Stiftungen. Etwa 540 Stunden bekam er von ihnen finanziert – vor allem die Diakonie hat das Projekt unterstützt und am Mittwoch mit einer Feier in der Jakobuskirche gewürdigt. Der Altarbauer Burchard hat den Jakobus-Altar inzwischen beim Deutschen Patentamt registrieren lassen. Die Schreinerei Dittus erhält in Zukunft die Lizenz fürs Altarbauen. Jedes Stück, so Burchard, ist „hochwertiger Präzisionsmöbelbau“.

Martin Burchard hat nach einer Lebenskrise im Alter von 36 Jahren zur Kunst und Religion gefunden. „Vorher hatte ich mit der Kirche nichts am Hut. Ich weiß deshalb, wie abschreckend christliche Kunst sein kann.“ Mit seinem Jakobus-Altar wollte Burchard eine „Predigt fürs Auge“ in zeitgemäßer Formensprache schaffen (Informationen im Internet: www.jakobusaltar.de).

26.06.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 10.08.2009 - 16:14 Uhr

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