Polizei überprüfte mit Ordnungs- und Jugendamt Trink-Treffpunkte
Sachbeschädigungen und Prügeleien nahmen im vergangenen Jahr im Kreis zu. Am Wochenende überprüften die Behörden trinkende Jugendliche – weitere Kontrollen sollen folgen.
Jonas Bleeser
Umfrageergebnis
Die Polizei will gemeinsam mit Ordnungs- und Jugendamt verstärkt Jugendliche kontrollieren, die in der Öffentlichkeit Alkohol trinken. Was halten Sie davon?
70%
30%
Bitte wählen Sie eine Option
Kreis Tübingen. Die Kälte war ihnen egal: In der Nacht zum Samstag feierten dutzende junger Leute am Tübinger Europaplatz. Viele hatten Sixpacks Bier dabei, Wodka-Flaschen kreisten. Unter dem Partyvolk waren auch Jugendliche – und die wurden an diesem Abend von der Polizei kontrolliert.
Zehn Polizisten, darunter auch Kripo-Beamte und Jugendsachbearbeiter, sowie drei Leute vom städtischen Ordnungsdienst und eine Jugendamts-Mitarbeiterin waren unterwegs. Sie werden zukünftig noch durch Bereitschaftspolizisten verstärkt. Die Behörden wollen häufiger an Brennpunkten auftauchen, an denen Jugendliche „vorglühen“, beispielsweise in der Südstadt und am Depot-Gelände. Aber auch in Mössingen und Rottenburg, je nachdem, was gerade an Veranstaltungen läuft. Dabei soll nicht nur auf Abschreckung gesetzt werden. Vertreter des Jugendamtes sind dabei, um konkrete Hilfen anzubieten.
Falls die denn gewünscht werden. Bei den Nachtschwärmern stieß die Aktion vergangenes Wochenende auf eher wenig Verständnis. „Wir sind nicht überrascht, dass viele Alkohol dabei haben“, sagte Polizeisprecher Ewald Raidt. Sorgen macht ihm jedoch die Ablehnung, die den Beamten entgegenschlägt: „Zu zweit kontrollieren die Kollegen keine Gruppe, die Stimmung ist häufig sehr aggressiv.“ Gepöbelt würde ohnehin, den Sinn der Kontrollen sähen viele nicht ein.
Volltrunken an der Steinlachallee
In der Nacht zum vergangenen Samstag stellten die Streifen viele Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen fest. Kurz vor 23 Uhr trafen sie in der Tübinger Steinlachallee auf einen 16-Jährigen, der so stark betrunken war, dass er mit Verdacht auf Alkoholvergiftung in eine Klinik eingeliefert wurde. Wenig später fielen Jugendliche in der Südstadt auf, die mit hochprozentigem Alkohol unterwegs waren. Die angebrochene Flasche wurde von den Ordnungshütern entsorgt. Der städtische Ordnungsdienst musste in der Südstadt mehrfach wegen Lärmbelästigungen einschreiten. Die Eltern der angetroffenen Jugendlichen sollen nun einen so genannten Elternbrief bekommen.
Durch die Einsätze sollen Aggressionen, Gewalt, unkontrollierter Alkoholkonsum, aber auch Ordnungsstörungen im Ansatz unterbunden werden. Auch das nächtliche Alkoholverkaufsverbot wurde überprüft: Wer Jugendlichen Alkohol verkauft, gegen den will die Polizei mit Bußgeldern vorgehen. „Uns wär’ es am liebsten, die Tankstellen hätten keine Konzession“, so Raidt.
Dass auch im Kreis Tübingen Handlungsbedarf besteht, zeigt die Kriminalstatistik: Sie weist landkreisweit bei so genannten Aggressionsdelikten (dazu zählen Raub, Körperverletzung und Sachbeschädigung) für das zurückliegende Jahr einen Anstieg um 14,8 Prozent von 884 auf 1115 Fälle aus. Mit 484 (2008: 383) Fällen ist besonders in der Stadt Tübingen eine Zunahme um 26,4 Prozent festzustellen.
Vor allem in der Stadt gibt es mehr Aggression
Als Brennpunkt hat sich in Tübingen die Südstadt und hier vor allem der erweiterte Bereich um das Depot-Areal herauskristallisiert. Von den 116 Einsätzen, die die Polizei in der von ihr so bezeichneten „Vergnügungs-Szene“ in Tübingen erfasst hat, betrafen 86 Vorkommnisse diese Gegend. In den meisten Fällen waren die Täter betrunken.