[X]
 per eMail empfehlen


   

Der Tübinger Chris Kühn will Landes-Chef der Grünen werden

Politik braucht Visionen

Opposition ist kein Mist, glaubt Chris Kühn. Sondern sie biete die Chance, „ein gesellschaftliches Projekt zu formulieren“. Auch um die inhaltliche Debatte zu intensivieren, will der Tübinger Landes-Chef der Grünen werden.

Anzeige


Ute Kaiser
Der Tübinger Grüne Chris Kühn bewirbt sich bei der Landesdelegiertenkonferenz am 21. und 22. ... Der Tübinger Grüne Chris Kühn bewirbt sich bei der Landesdelegiertenkonferenz am 21. und 22. November in Biberach als Landesvorsitzender. Bild: Metz

Tübingen. Die Arbeit in Gremien schreckt den Politologen und Soziologen nicht. „Im Landesvorstand kann ich mehr bewegen als als Basismitglied“, nennt Kühn einen seiner Gründe für die Kandidatur. Schon als Schüler hat sich der 1979 im Gründungsjahr der Grünen in Tübingen Geborene eingesetzt: als Klassensprecher, als Sprecher der Schülermitverantwortung und des Jugendgemeinderats in Göppingen, wo er aufwuchs. Dort hat er auch die Grüne Jugend mitgegründet.

Der Umweltschutz „fasziniert und bewegt“ Kühn seit seinem neunten Lebensjahr, als er zur Naturschutz-Jugend fand. Und er ist für ihn immer noch „eine Schicksalsfrage, an der wir nicht vorbeikommen“. Nach der Zivi-Zeit beim Sozialen Friedensdienst in Faurndau bei Göppingen war klar, dass er „etwas mit Politik- oder Umweltbezug studieren“ würde. Er wollte „eine wissenschaftliche Sichtweise auf etwas bekommen, das mich interessiert“.

Im Studium in Tübingen bekam Kühn beides zusammen. Seine Magisterarbeit schrieb er über Entscheidungsprozesse und Vetospieler in der deutschen Umweltpolitik am Beispiel der Dieselrußfilter. Auf das Thema war der Politologe bei seinem Praktikum 2005 im Berliner Büro des Tübinger Bundestagsabgeordneten Winfried Hermann gekommen. Seit 1998 ist Kühn Grünen-Mitglied, seit 2002 gehört er dem Grünen-Kreisvorstand an, dessen längstgedientes Mitglied er trotz der Unterbrechung durch das Praktikum in Berlin inzwischen ist.

Antworten auf Fragen des ländlichen Raums

Was treibt ihn in der politischen Arbeit an? „Die Menschen in der Partei und vor Ort, das Gesamtprojekt Grüne und inhaltliche Fragen.“ Kreativer, visionärer und lebendiger wünscht sich der 30-Jährige die Diskussionen in der Partei und im Landesvorstand. Er gilt als Kandidat des linken Flügels, hat aber den Anspruch, „integrativ zu sein“. Das, ist er überzeugt, kann gelingen: „Unsere Flügel sind viel näher beieinander als in anderen Parteien.“

Der Politologe, der als Studienberater an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Tübingen arbeitet, sieht die Grünen als „emanzipatorische, aus den sozialen Bewegungen entstandene, immer noch linke Partei“. Dass sie viele Anhänger in bürgerlichen Kreisen hat, ist für ihn kein Widerspruch: „Das Bürgertum hat sich auch verändert.“ Das Stimmen-Plus im ländlichen Raum freut ihn besonders. Eins seiner Ziele für die Partei ist, „flächendeckend zu sein“. Soll heißen, auch in den Räten kleinerer Gemeinden und Dörfer zu sitzen. „Wir geben Antworten auf Fragen des ländlichen Raums“, sagt der Kandidat beim Gespräch in der Redaktion.

Zentrale Aufgabe des neuen Landesvorstands wird die Vorbereitung auf die Landtagswahl 2011 sein. Wichtige Themen sind aus Kühns Sicht der Klimawandel, die Weiterentwicklung des Green New Deal fürs Ländle, die soziale Gerechtigkeit und eng damit verbunden die Bildungspolitik sowie Bürger- und Freiheitsrechte – auch was das Internet angeht. Da sieht der 30-Jährige viele Parallelen zur Piratenpartei.

Der Landesvorstand, dem er seit anderthalb Jahren angehört, „hat sich nicht nur zu landespolitischen Themen zu äußern.“ Kühn macht kein Hehl daraus, dass er für das bedingungslose Grundeinkommen ist. Und er befürwortet einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan, „weil es dort nicht zu einem Strategiewechsel gekommen ist“. Diskussionsbedarf sieht er aber auch bei anderen friedenspolitischen Themen wie Äthiopien oder Somalia. Den Einsatz am Horn von Afrika findet der Grüne schlicht falsch.

Derzeit ist der Kandidat auf Tour durch die Kreisverbände. „Wir Grüne müssen eine breite Programmdebatte führen“, so sein Credo. In persönlichen Gesprächen und per Mail hat er „viele positive Rückmeldungen“, vereinzelt auch Kritik an seinen Positionen bekommen. Die Grünen müssen „die Führungsrolle in der Opposition übernehmen“. Dazu braucht es seiner Überzeugung nach ein „eigenständiges Profil und grünes Selbstbewusstsein“.

Selbstbewusst in der Opposition

Eigenständigkeit haben die Saar-Grünen gezeigt – und sich für Jamaika entschieden. Diesen Weg sieht Kühn weder als Modell für ein Flächenbundesland noch für den Bund. Die Rolle der Opposition sei vielmehr, auf Veränderungen hinzuwirken: „Es muss den gesellschaftlichen Willen geben, Schwarz-Gelb abzuwählen.“ Kühn sieht sich nicht „als Revolutionär“ und hat sich „immer in Institutionen bewegt“. Doch er glaubt, dass die Grünen künftig „verstärkt auf die Straße gehen müssen und auch mutiger werden“.

27.10.2009 - 08:00 Uhr | geändert: 27.10.2009 - 08:01 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln (hier klicken)

Anzeige

Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Coole Streetwear - Mode von Carhartt gibt es bei Def-shop