Offshore-Park "Bard 1" bekommt Eigentümer aus Baden-Württemberg und Bayern
Insgesamt 30 Stadtwerke aus Baden-Württemberg und Bayern machen seit elf Jahren gemeinsame Sache. Nun hat sich diese Kooperation an der Nordsee einen kompletten Windpark gekauft.
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Nordwestlich der Insel Borkum entsteht der Windpark "Bard 1". Foto: ddp
Borkum/Bremen Windstrom aus der Nordsee erreicht bald Süddeutschland. Der Windpark "Bard offshore 1" entsteht derzeit rund 100 Kilometer nordwestlich der Nordseeinsel Insel Borkum. Die ersten drei gigantischen Windräder stehen im 40 Meter tiefen Wasser.
Nach Fertigstellung im Herbst 2011 werden sich 80 Windräder drehen. Sie sollen zusammen den Energiebedarf von 400 000 Privathaushalten decken. Jetzt hat der erste kommerzielle Windpark neue Eigentümer: die Südweststrom Stadtwerke-Kooperation. Die Gesellschafter aus Baden-Württemberg und Bayern, zu denen unter anderem dier Stadtwerke Aalen, Bietigheim-Bissingen, Mössingen, Tübingen oder Konstanz gehören, wollten gestern in Bremen den Kauf beschließen.
Aus der Vogelperspektive wirken die Windräder inmitten von endlosem Wasser wie Spielzeugmühlen. Doch sie ragen 151 Meter in den Himmel und sind damit höher als der Kölner Dom. Der Rotorstern habe einen Durchmesser von 122 Metern und würde auf einem Fußballplatz ausgelegt die Eckfahnen überragen, sagt Stephan Burmann, stellvertretender Geschäftsführer der Bard-Gruppe. Planung und Bau des Parks realisiert das auf Offshore-Windenergie spezialisierte Unternehmen mit Hauptsitz in Emden.
Derzeit arbeiten 60 bis 70 Spezialisten auf der ungewöhnlichen Baustelle mitten Meer. "Gearbeitet wird in 18-Tagen-Schichten", sagt Burmann. Geschlafen und gegessen wird derzeit noch auf einem Wohnschiff. Zum Schichtwechsel werden die Männer mit Hubschraubern hin- und hergeflogen.
Neben den drei komplett installierten Anlagen sind drei weitere 490 Tonnen schwere Fundamente fest im Meeresboden verankert. "Das ist das erste Mal, das in dieser Tiefe gearbeitet wird", sagt Burmann.
Auch die Wohn- und Trafoplattform "Bard 1" ist fertig, ebenso die "Steckdose" in einem Kilometer Entfernung auf der Plattform "Bauwin 1". "Noch gibt es keine Einspeisung ins Netz", sagt Bard-Sprecher Andreas Kölling. "Wenn das erste Cluster mit acht Anlagen fertig ist, dann wird angeschlossen." Das werde noch in diesem Jahr erfolgen.
Bis der auf hoher See gewonnene Strom ins Netz und zum Verbraucher fließt, muss er nicht nur weit über 200 Kilometer bis zum Festland zurücklegen, sondern auch in Gleichstrom umgewandelt werden. "Mit der Umwandlung haben wir geringere Stromverluste beim Durchleiten", sagt Kölling. Erst im Eon-Umspannwerk in Diele bei Weener (Kreis Leer) wird aus dem Gleichstrom wieder Wechselstrom - und dann fließt er zum Kunden.
30 Stadtwerke aus Baden-Württemberg und Bayern - darunter als eine der treibenden Kräfte die Stadtwerk Tübingen - gründeten im Jahr 1999 die Stadtwerke-Kooperation Südwestdeutsche Stromhandels GmbH. Im Zuge der Liberalisierung des Energiemarktes wollten sich Stadtwerke durch Kooperationen für den Wettbewerb rüsten. Inzwischen zählt die Südwestdeutsche Stromhandels GmbH nach Angaben auf der Homepage mehr als 55 Gesellschafter bundesweit. dpa/eb