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Wie Instrumente im Orchester

Neues Steuerungssystem für den Hightech-OP entwickelt

Vom Endoskop bis zum elektrischen Messer: Immer mehr Geräte kommen in Operationssälen zum Einsatz. Sie machen Operationen sanfter und schonender. Dafür müssen sie jedoch optimal gesteuert werden. Die Frauenklinik und die Medizintechnik-Firma Karl Storz entwickeln deshalb Hightech-Operations-Systeme.

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Angelika Bachmann
Die Patientin im Operationssaal ist nicht nur vom OP-Team umgegeben (von links: Oberärztin Claudia ... Die Patientin im Operationssaal ist nicht nur vom OP-Team umgegeben (von links: Oberärztin Claudia Ott, Uli Heinzelmann, Oberarzt Harald Abele, OP-Schwester Elke Kurz und Praktikantin Daniela Maier). Den äußeren Ring im OP-Saal bilden eine Vielzahl technischer Geräte, unter anderem mehrere HD-Bildschirme. Auf einen dieser Bildschirme sind auch die konzentrierten Blicke des Operationsteams gerichtet. Bild: Metz

Tübingen. Die Operation in Saal 1 ist schon weit fortgeschritten. Oberarzt Harald Abele setzt gerade präzise kleine Schnitte in das Außengewebe eines Eierstocks. Zu sehen ist das nur auf dem Bildschirm, auf den die Blicke des Operations-Teams gerichtet sind. Die Bauchdecke der Patientin ist geschlossen. Die OP-Instrumente sind durch kleine Schlitze in den Bauchraum eingeführt. Auf dem Bildschirm sieht man derweil, wie der immer größer werdende Schnitt im Eierstock den Blick freigibt auf eine große runde Kapsel. „Das sieht gut aus“, kommentiert der Ärztliche Direktor der Uni-Frauenklinik, Prof. Diethelm Wallwiener. Das Äußere des Tumors ist glatt und schimmert matt – auf dem Bildschirm ist jede Struktur exakt zu erkennen. Es sei ziemlich sicher ein Dermoid – ein gutartiger Tumor, sagt Wallwiener.

Im Computer simuliert sind die Wege, die ein OP-Team während einer einstündigen Operation ... Im Computer simuliert sind die Wege, die ein OP-Team während einer einstündigen Operation zurücklegt, um Regler und Knöpfe an verschiedenen Instrumenten zu bedienen. Im neuen integrierten OP fällt dieses Hin und Her weg. Gesteuert wird dann nur noch über einen zentralen Bildschirm. Grafik: UKT

Operationen wie diese werden minimalinvasiv gemacht. Das trifft mittlerweile auf fast Dreiviertel aller Operationen an der Frauenklinik zu, sagt Wallwiener. Bei der so genannten Schlüsselloch-Technologie werden die Operationsinstrumente, Kameras und Lichtquellen an Stäben durch minimale Schnitte in den Körper eingeführt. Den Patienten bleiben dadurch große Bauchschnitte erspart, deren Heilung lange dauert.

Dokumentation für die Patientenakte

Doch neue Operationsmethoden haben auch eine Vielzahl von Geräten in die Operationssäle gebracht. „Es gibt etwa hundert Instrumente, die man bei einer Operation braucht“, sagt Wallwiener. Gesteuert werden muss etwa der Strom für das elektrische Messer: Er muss so dosiert sein, dass es gut schneidet, schützenswertes Gewebe wie Nerven aber nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Gesteuert werden müssen der Druck und die Fließgeschwindigkeit von Spül- und Saugflüssigkeiten, von Gasen, mit denen der Bauchraum geweitet wird. „Das ist wie in einem Orchester“, sagt Wallwiener. Man muss dafür sorgen, dass alle Instrumente harmonieren.

Alles auf einen Blick: OP-Schwester Martha Malik bedient die zentrale Steuerung der OP-Instrumente. ... Alles auf einen Blick: OP-Schwester Martha Malik bedient die zentrale Steuerung der OP-Instrumente. Bild: Metz

Wesentlich erleichtert wird das im so genannten integrierten Operationssystem, das die Frauenklinik zusammen mit der Tuttlinger Medizintechnik-Firma Storz entwickelt hat. Die Entwicklung solcher Systeme habe schon vor fast zwei Jahrzehnten begonnen. Die Frauenklinik profitiere davon, indem sie immer die neusten Prototypen zur Verfügung habe und mit gestalten könne, so Wallwiener.

Vor Kurzem wurden alle sechs Operationssäle der Frauenklinik mit dem neuen Hightech-System „OR1“ ausgerüstet. Es führt die Steuerung fast aller Instrumente im Operationssaal an einem Bildschirm zusammen, erklärt die geschäftsführende Oberärztin der Frauenklinik, Prof. Sara Brucker. Kein Kabelwirrwarr, keine unnötigen Wege von Monitor zu Monitor.

Über einen zentralen Bildschirm (Touchscreen) werden die Hilfsmittel für die Operationsinstrumente gesteuert. Bilder und Videoaufzeichnungen können jederzeit gemacht und sofort der elektronischen Patientenakte angehängt werden. Zudem enthält das System Kommunikationsmodule: Die Video-Aufnahmen aus dem Operationssaal können direkt in die Urologie oder die Chirurgie übertragen werden, wo bei Bedarf ein Facharzt einen Blick auf die Bilder werfen kann. So wie in Operationssaal 3, wo gerade eine Patientin auf die Operation vorbereitet wird. Ihr wird ein Teil der Gebärmutter entfernt. Im Verlauf der Operation muss eventuell ein Urologe hinzugezogen werden.

Die endoskopische Kamera sendet die Bilder in HD-Qualität auf den Operations-Bildschirm. „Ich habe auch die Qualität der Bildübertragungen in den Anfangsjahren erlebt“, erinnert sich Brucker. Nicht zu vergleichen sei das mit den Bildern, auf die sich Operateure und OP-Schwestern in diesem Moment konzentrieren: Mehrfach vergrößert ist zu sehen, wie ein nur wenige Millimeter kleines Scherchen Verwachsungen im Bauchraum frei schneidet. „Zum ersten Mal“, sagt Brucker, „sehen wir am Bildschirm besser als am offenen Bauch.“

02.02.2012 - 12:30 Uhr

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