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Schwebender Stahlsteg

Mobiler Kran wuchtete den Steg über die B 28

Fast 100 Jahre hat er auf dem Buckel. Nun wurde der Fußgängersteg, der über die B 28 zum Parkhaus Metropol führt, abmontiert. Die Stahlkonstruktion soll saniert werden.

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madeleine wegner

Tübingen. Gelb blinkten die Ampeln im Takt an der Kreuzung, wo die Blaue Brücke auf die Bundesstraße führt. Orange und neongrün leuchteten die Sicherheitswesten der Arbeiter in der Nacht auf Dienstag unter den Scheinwerfern. Auf dem Fußgängersteg über der B 28 leuchtete einer von vier Männern ins Halbdunkel, wo sie die richtige Stelle suchten, um die großgliedrigen Ketten und Haken an dem Steg anzubringen. Ein mobiler Kran steht auf der gesperrten sechsspurigen Straße, um die Stahlkonstruktion in zwei Teilen auf die ebenfalls bereitstehenden Tieflader zu heben.

An 30 Meter langen Stahlseilen hob der Kran nacheinander beide Teile des denkmalgeschützten ... An 30 Meter langen Stahlseilen hob der Kran nacheinander beide Teile des denkmalgeschützten Fußgängerstegs beim Metropolparkhaus auf Laster.Bild: Metz

Fast 100 Jahre alt ist die Stahlfachwerkkonstruktion, die von der nördlichen Seite der Straße zum gegenüberliegenden Parkhaus Metropol führt. Doch dort steht sie erst seit 1996. Erbaut wurde sie 1912 am Tübinger Bahnbetriebswerk, wo sie etwa sieben Jahrzehnte lang Derendingen und die Sport- und Freizeitanlagen sowie das Freibad mit dem Südwesten der Stadt verband. Um die Konstruktion am Parkhaus zu errichten, wurde die ursprüngliche Länge von etwa 80 Metern auf die Hälfte gekürzt und nochmals in zwei unterschiedlich große Teile getrennt.

Bei einer der regelmäßigen Brückenprüfungen hat das Planungsbüro im vergangenen Jahr Korrosionsschäden festgestellt. „Die Standsicherheit des Stegs war jedoch zu keinem Zeitpunkt gefährdet. Sonst hätten wir ihn sofort sperren lassen. Es geht rein um Substanzerhalt“, betonte Projektleiter Thomas Haar. Um höhere Kosten einer hinausgezögerten Sanierung zu verhindern, haben die Stadtwerke, denen das Parkhaus und damit auch der Steg gehören, die Sanierung in Auftrag gegeben. Dafür sind Gesamtkosten in Höhe von 180 000 Euro veranschlagt.

„Eine andere Möglichkeit wäre auch die abschnittsweise Sanierung ohne den Abbau des Stegs gewesen“, erklärte der zuständige Abteilungsleiter der Stadtwerke Frank Raible. Doch die dabei notwendige längere teilweise Sperrung der B 28 wäre letztlich ein größerer Aufwand gewesen.

Neuer Anstrich für das Kulturdenkmal

Angespannte Ruhe herrscht rund um den Kran auf der Bundesstraße. Es ist nach Mitternacht und mehr als ein Dutzend Männer sind auf den Beinen, um auch das zweite Stahlteil des Stegs anzuheben und zu verladen. Am Boden auf der Straße und in den oberen Etagen des Parkhauses überwachen Baustatiker und Mitarbeiter der Stadtwerke sowie des Planungsbüros das Geschehen.

Unter der 22 Tonnen schweren Last des längeren Stegteils spannen sich die Stahlseile: 30 Meter hoch ragen sie in den dunklen, trüben Nachthimmel und laufen in einem zuvor von Statikern berechneten spitzen Winkel auf den Kranarm zu. Ohne jeden Laut hebt sich das 25 Meter lange Stahlteil aus der Verankerung und schwebt langsam über die Straße. Vorsichtig und zentimetergenau dreht der Kran die Konstruktion und lässt sie auf den Tieflader sinken. Am Tübinger Lagerplatz warten bereits zwei mobile Kräne, die noch bis drei Uhr damit beschäftigt sein werden, die Teile wieder abzuladen.

Eine spezialisierte Firma wird in den nächsten Wochen zunächst mit Sandstrahlern die alte Lackierung entfernen, um dann in mehreren Lagen die neue Beschichtung aufzubringen. Da der Steg als technisches Kulturdenkmal gilt, begleitet die Denkmalschutzbehörde die Arbeiten. In der Nacht auf den 31. August wird die sanierte Stahlkonstruktion wieder eingebaut.

Bis halb sechs Uhr gestern Morgen war die Straßensperrung ursprünglich geplant – ein Puffer für Zwischenfälle und Schwierigkeiten eingerechnet. Doch um ein Uhr konnte die Straße schon wieder für den Verkehr freigegeben werden. „Prima gelaufen. Wir sind viel früher fertig geworden“, sagte Projektleiter Haar zufrieden. Nur die Fußgänger müssen noch bis Ende August den Umweg durch die LTT-Unterführung in Kauf nehmen.

28.07.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 28.07.2010 - 10:45 Uhr

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