In Tübingen hat die ökologische Mobilität Vorfahrt. Immer mehr Menschen nutzen die zahlreichen klimafreundlichen Angebote. Der Umstieg erfordert oft ein wenig Umdenken – auf Komfort und Schnelligkeit muss man meistens nicht verzichten.
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Anne Reichel
Tübingen. „teilAuto“ ist eine gute Alternative zum eigenen Auto: Es ist günstig, praktisch und immer in der Nähe. Die Nutzer sparen Nerven, Zeit und Geld; sie schonen außerdem den öffentlichen (Park-)Raum. Von April 2008 bis Dezember 2009 hat sich die Zahl der Tübinger teilAuto-Mitglieder um knapp 30 Prozent auf mehr als 1300 erhöht. Am Hauptbahnhof stehen fünf nagelneue Fahrzeuge bereit. Einsteigen und ohne Anmeldung starten – das ist dort ab 2010 für die Mitglieder möglich.
Anne Reichel, die Autorin dieses Artikels, ist Volontärin bei der Öffentlichkeits- abteilung der Stadt Tübingen Archivbild
Auch die Stadtverwaltung ist umgestiegen: Bei Dienstreisen nutzen Mitarbeiter/innen vorrangig Bahn und Bus, beim Eco-Fahrtraining lernten sie, sparsamer Auto zu fahren. Allein durch die Fahrweise lässt sich der Treibstoffverbrauch eines Personenwagens um 15 Prozent senken. Dienstfahrräder und Pedelecs ermöglichen (nahezu) CO2-freie dienstliche Mobilität. Oberbürgermeister Boris Palmer hat seinen Dienstwagen abgeschafft und ist komplett auf Pedelec & Co. umgestiegen.
Wer ein neues Auto kaufen möchte, sollte sich nach dem Tübinger Klimapass erkundigen. Auf einem Blick lässt sich an diesem Pass ablesen, wie viel CO2 das neue Auto verursachen wird. 13 Tübinger Autohändler nutzen den Klimaschutz als Verkaufsargument für CO2-arme Fahrzeuge.
Das E-Bike schiebt,
der Fahrtwind kühlt
Im März 2009 hat die Universitätsstadt Tübingen den Fahrradstadtplan neu aufgelegt. Viele Aktionen im Rahmen von „Tübingen macht blau“ sollen zum Mitradeln verführen: Fünf Fahrräder wurden als Geschenk zum Erstwohnsitz verlost (Mai 2008), „Mit dem Rad zur Arbeit“ fand viele Anhänger (Juni 2008), das Stadtradeln war sehr erfolgreich (Tübingen gewinnt, Oktober 2008), das Fahrradverleihsystem Nextbike wurde eingeführt (August 2009) und die Stadtverwaltung führte eine Umfrage zum Radwegekonzept durch (November 2009). Eine blaue Rikscha fährt Senioren kostenfrei und umweltverträglich durch die Stadt.
Als Verkaufsschlager erweist sich das Elektrofahrrad. E-Bikes und Pedelecs sind eine Alternative für Bergstrecken oder für alle, die nicht verschwitzt ankommen wollen. Die Testfahrten auf dem Holzmarkt im März 2009 fanden regen Zuspruch und auch viele Mitarbeiter des Universitätsklinikums waren von den E-Bikes begeistert, die sie September 2009 gemeinsam mit der Klinikleitung testeten. Entsprechend stieg der Verkauf: Im ersten Quartal 2009 waren es noch weniger als 50 Elektroräder, die in Tübingen verkauft wurden, im dritten Quartal waren es bereits 180. Ein besonderes Angebot zur CO2-freien Mobilität bieten die Stadtwerke: Sie unterstützen die Anschaffung eines E-Bikes beim Abschluss eines energreen- oder bluegreen-Vertrags mit 100 Euro. Die Schülerfirma Greenbooks liefert bestellte Bücher auf dem Nachhauseweg per Fahrradkurier; für den Transport der Bücher zur Schule verwenden sie ein E-Bike.
Blau macht auch der Stadtbus (SVT): Im November und Dezember 2009 fuhr er samstags kostenlos. 17,5 Millionen Fahrgäste steigen jährlich in den TüBus ein, auf 36 Linien bedient er mehr als 370 Haltestellen. Die Busflotte des SVT zählt zu den modernsten und abgasärmsten in Deutschland. Derzeit wird ein Hybrid-Bus getestet, der noch mehr CO2 einspart.