Mittwochabend wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht
Tübingen. „Die Trümmer und die Narben, die ich in mir trug, konnten niemals heilen.“ Das berichtete Hannelore Marx, als sie aus dem Konzentrationslager in Riga zurück nach Stuttgart kam. Hannelore Marx war die zweite Frau des Tübingers Victor Marx, dessen Familie im KZ in Riga umkam.
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Aus den Briefen dieser und anderer Tübinger jüdischer Familien lasen die Jugendgemeinderats-Mitglieder Anselm Fliethmann, Dorian Marckmann, Brit Kammler und David Kaupp gestern bei einer Gedenkfeier zum 9. November am Synagogenplatz in der Gartenstraße vor.
„Es ist der 73. Jahrestag der Pogromnacht und jener Nacht, in der die Tübinger Synagoge geschändet und niedergebrannt wurde“, fasste Martin Ulmer von der Geschichtswerkstatt Tübingen den Anlass des Gedenkens zusammen, an dem über 80 Bürger und Bürgerinnen teilnahmen. Ulmer beschrieb, was in jener Nacht vor 73 Jahren geschah: wie Nazis in die Synagoge eingedrungen sind und die Thora in den Neckar warfen, wie vier davon in der Nacht das jüdische Gotteshaus niederbrannten.
Er erinnerte auch daran, dass die Nazis gestern vor 70 Jahren mit der Deportation jüdischer Bürger begonnen haben. CDU-Stadtrat Albrecht Kühn sprach für den Gemeinderat. Er bedauerte, dass nur wenige der übrig gebliebenen Steine der Synagoge bewahrt wurden. „Sie werden uns keine Ruhe geben, sie werden uns mahnen“, sagte Kühn.
Daniel Felder vom jüdischen Verein Bustan Shalom sagte, alle seien auch in der heutigen Zeit, „in der Fremdenhass und Polemik wieder salonfähig geworden sind“, gefordert, wachsam zu sein. Christopher Blum vom Kulturamt und Martin Ulmer verlasen anschließend die Namen aller Tübinger, die in den Konzentrationslagern der Nazis umgekommen sind.
Am Abend lud die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zum Gedenken in die Stiftskirche ein. Dabei wurden die „Stolpersteine“ vorgestellt, die demnächst in der Südstadt verlegt werden zur Erinnerung an jüdische Tübinger Bürger, die im Nationalsozialismus gedemütigt, verfolgt und ermordet wurden.