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Früher Wintereinbruch

Massenhaft Schlaglöcher im Kreis Tübingen

Der Winter ist noch lange nicht vorbei, doch Frost und Streusalz haben bereits vielerorts tiefe Spuren hinterlassen. Die größten Löcher werden zur Zeit gestopft – allerdings nur provisorisch.

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Sabine Lohr und Volker Rekittke

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Kreis Tübingen. Es holpert auf den Straßen: Kaum sind Schnee und Eis weg, sind überall die Folgen des frühen und heftigen Wintereinbruchs zu sehen. An einigen Stellen sind Schlaglöcher und Risse besonders heftig, etwa am Berlinger Ring, Stadtgraben und an der Eisenbahnstraße. Wo noch? „Es ist wahrscheinlich einfacher zu sagen, wo man nichts machen muss“, sagt Tübingens Tiefbau-Chef Albert Füger: „Der Zustand ist jetzt schon schlimmer als nach dem vergangenen Winter.“ Derzeit sind seine Mitarbeiter im Stadtgebiet unterwegs, um sich eine Übersicht über die Schäden zu verschaffen.

Um die schlimmsten Stellen auf den 350 Straßenkilometern im Tübinger Stadtgebiet (ohne Bundesstraßen) auch nur notdürftig zu flicken, sind im laufenden Jahr bislang ganze 415 000 Euro im Etat vorgesehen. Das Geld reicht nicht einmal, um auch nur die Schäden der vergangenen sechs Frost-Wochen zu beheben. „Mindestens das Doppelte“ bräuchte Füger dafür. Der Wunsch könnte in Erfüllung gehen: Oberbürgermeister Boris Palmer schlug den Fraktionen gestern im Gemeinderat vor, angesichts der unerwartet heftig sprudelnden Steuermillionen den Haushaltsansatz auf 830 000 Euro zu verdoppeln.

Erst regnet es, dann friert es, dann bricht die Straße auf: Das Wetter und fehlende Investitionen ... Erst regnet es, dann friert es, dann bricht die Straße auf: Das Wetter und fehlende Investitionen haben die Tübinger Eisenbahnstraße längst in eine Kraterlandschaft verwandelt, die nur noch sehr vorsichtig zu befahren ist und die stets nur notdürftig geflickt wird. Und mit jedem Winter wird es schlimmer. Bild: Sommer

Vielleicht gelingt es sogar, hoffen Palmer und Füger, mit dem Geld in die dringend notwendige Grundsanierung zumindest besonders maroder und zugleich viel befahrener Teilstücke einzusteigen – etwa am Stadtgraben auf Höhe des Parkhauses. Denn Löcher einfach nur zuschmieren hält nicht lange vor. „Die kommunale Infrastruktur verfällt langsam“, klagt der grüne OB Palmer: „Man kann nicht auf Dauer neue Kita-Plätze finanzieren, indem man die Straßen kaputt gehen lässt.“

Und was passiert mit dem völlig löchrigen Teilstück Eisenbahnstraße zwischen Depot und B 28-Auffahrt? Da kommt die überfällige Grundsanierung wohl erst, wenn in ein paar Jahren das Güterbahnhof-Areal bebaut wird, vermutet Füger: „Bei der Eisenbahnstraße können wir schnell 100 000 Euro ausgeben, ohne dass man viel sieht.“ Und auch ohne dass es viel nützt – der kaputte Unterbau muss nämlich miterneuert werden. Bis dahin werden nur die tiefsten Löcher mit Teer zugeschmiert, vielleicht kommt auch noch ein vergleichsweise günstiger, dünner Belag aus flüssigem Bitumen drauf.

Mit diesem dünnen Belag aus Kalt-Asphalt stopfen auch Mössingen und Rottenburg ihre Straßenlöcher. Nicht nur, weil das günstig ist, sondern vor allem, weil die Asphaltwerke Winterpause machen. „Der Belag aus Kalt-Asphalt hält aber nur mal so über den Winter“, sagt Mössingens Pressesprecher Uwe Walz. Mit dem Reparieren der Löcher sei es eben wie beim Zahnarzt: „Entweder man macht das provisorisch, dann hält es nicht lang, oder man baut gleich richtig – das ist dann aber teuer.“

Ausbesserungen im Berufsverkehr

Auch in Rottenburg ist noch nicht bekannt, wie groß der Schaden an den Straßen in diesem Winter ist. „Wir haben gerade erst die Kernstadt besichtigt, da geht es noch halbwegs“, sagt Tiefbau-Amtsleiter Manfred Wanner. Wo es größere Löcher gebe, würden die technischen Betriebe sie sofort auffüllen.

Das geschieht auch auf den Landes- und Bundesstraßen, für deren Unterhaltung der Kreis zuständig ist. Siegfried von Au vom Verkehrsamt des Landkreises berichtet von verärgerten Autofahrern im morgendlichen Berufsverkehr, die wegen der inzwischen fast täglichen Straßenausbesserungen auf der B 27 zwischen Derendingen und der Galgenberg-Kreuzung im Stau stehen. „Aber das ist immer noch besser, als in ein Loch zu fahren“, findet er. Mit rund 20 Prozent mehr Schäden als im vergangenen Winter rechnet er und prophezeit, dass es noch viel schlimmer kommen wird: „Erst in anderthalb Monaten taut der Tiefenfrost. Dann brechen die Straßen erst richtig auf.“

Wo sind die schlimmsten Schlaglöcher? Schicken Sie Fotos der tiefsten, längsten und gefährlichsten Krater in der Region an online@tagblatt.de – wir veröffentlichen sie hier in einer Bildergalerie.

11.01.2011 - 07:30 Uhr | geändert: 11.01.2011 - 07:53 Uhr

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