Bundestagswahl 2009
Martin Rosemann (SPD): Wahldebakel historischen Ausmaßes
Bittere Wahlschlappe für die SPD. Der Tübinger Bundestagskandidat Martin Rosemann sprach im Interview von einem "Wahldebakel historischen Ausmaßes". Die SPD müsse sich nun personell und inhaltlich erneuern. Rosemann steht auf Platz 20 der Landesliste. Durch das schlechte Abschneiden seiner Partei rückt er nicht in den Bundestag ein. Der Wahlkreis Tübingen ist somit nur noch mit drei Abgeordneten vertreten: Heike Hänsel (Die Linke), Winfried Hermann (Grüne) und Annette Widmann-Mauz (CDU).
Manfred Hantke
Martin Rosemann führte die SPD-Wahlschlappe auf ein fehlendes Profil der Sozialdemokraten zurück. Die beiden Volksparteien habe man nicht mehr unterscheiden können. Die SPD müsse sich nun inhaltlich und personell erneuern und einen klaren Kurs einschlagen. Mit der schwarz-gelben Koalition werde es in Deutschland sozial kälter, so Rosemann. Auch befürchtet er längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke.
Der Grüne Winfried Hermann überholte im Tübinger Wahlkreis SPD-Mann Martin Rosemann. Er freute sich zwar, dass seine Partei zugelegt hat. Doch so richtig zufrieden war er nicht. Die Grünen wollten Schwarz-Gelb und die Große Koalition verhindern. Das sei ihnen nicht gelungen, sagte er. Über die großen Verluste der SPD zeigte sich Hermann überrascht. Sie habe die Quittung für ihre schlechte Politik in der Großen Koalition bekommen. Sie brauche eine Erneuerung in der Opposition.
Das Wahlziel ist erreicht, sagte FDP-Mann Klaus Bucher. Seine Partei hat fast halb so viel Stimmen erhalten wie der Wunsch-Koalitionspartner CDU/CSU. Der sichtlich zufriedene Liberale mahnte seine Partei, bei den kommenden Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU auch entsprechend aufzutreten. Vielleicht könne die FDP ja sogar den Finanzminister stellen. Als erstes solle die neue Koalition die Steuerpolitik angehen, sagte er. Die Steuer müsse vereinfacht werden. Gleichzeitig müsse die Koalition auch an die Gesundheitspolitik denken. Der Gesundheitsfonds muss weg, die Kassen sollten ihre Tarifautonomie wieder zurückerhalten.
Auch die CDU hat Verluste hinnehmen müssen. Annette Widmann-Mauz (CDU) sagte, "es sei immer bitter, wenn wir nicht alle überzeugen können", doch das Wahlziel sei erreicht: "Die Große Koalition ist beendet." Die CDU sei die einzige Volkspartei, die diesem Anspruch auch gerecht werde. Warum die CDU auch Federn lassen musste, erklärt sich für Widmann-Mauz mit der wirtschaftspolitischen Ausrichtung. Auch seien die Bauern wegen der Milchpreise unzufrieden. Mit der FDP werde es sicherlich anstrengende Koalitionsverhandlungen geben, so Widmann-Mauz. Doch die Liberalen hätten "die gleiche Zielrichtung, eine ähnliche Denke". So werde es einen besseren Koalitionsvertrag geben als mit den Sozialdemokraten.
Heike Hänsel (Die Linke) kam wegen eines Termins in Berlin erst gegen 22 Uhr zu ihrer Wahlparty. Sie sei selber überrascht, dass die Linke so ein gutes Ergebnis erreicht habe. Auch mit dem Tübinger Wahlergebnis sei sie "echt zufrieden". Es sei nicht einfach gewesen, in diesem eher konservativen Wahlkreis zu punkten. Nun sieht Hänsel bessere Voraussetzungen, in Berlin mit etwa 80 Abgeordneten Opposition zu betreiben. Themen: Soziale Frage, der Krieg in Afghanistan. Die SPD habe an ihrem Wahldebakel selber schuld. Sie habe soziale Inhalte vernachlässigt.
Eine ausführliche Wahlberichterstattung mit den Ergebnissen aus sämtlichen Wahllokalen lesen Sie am Montag im Schwäbischen Tagblatt.
Klicken Sie auf den Namen der Gemeinde, um das Ergebnis zu sehen.