Lisa Federle will das Direktmandat für die CDU holen
Stuttgart 21 hat Folgen. Auch bei Lisa Federle. Schwarz-grüne Optionen, mit denen sie geliebäugelt hatte, sieht die Landtagskandidatin der CDU „in weite Ferne gerückt“. Aber sie wolle sie für die Zukunft „auch nicht ausschließen“.
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Ute Kaiser
Lisa Federle
Tübingen. Nach der für sie überraschenden Wahl vor anderthalb Wochen hat die 49-jährige Tübingerin erstmal Urlaub gemacht. Gestern stellte sich „der Neuling in der Landespolitik“, wie sie sagt, den Fragen beim Presseclub im Rundfunkstudio auf dem Österberg. „Ich bin kein nachtragender Mensch“, kommentierte Lisa Federle die Anfeindungen vor der zweiten Nominierungsversammlung. Bei der gewann sie gegen den Baisinger Horst Schuh, was in Rottenburg Anstoß zu Anfechtungsgedanken gab. Federle blickt voraus, nicht zurück: „Für mich sind die Gräben Gräben, die gut zuzuschütten sind.“
„Ich habe keine Angst vor Rottenburg“, sagt die Kandidatin. Sie ist überzeugt davon, dass es ihr gelingen werde, „Rottenburg und Tübingen unter einen Hut zu bringen“. Als Notärztin sei für sie „der Kreis der Fokus“. Das will sie als Politikerin genauso halten. Und abends oder an Wochenenden auch weiter in ihrem Beruf arbeiten. Sie möchte „keine Politik nur vom Schreibtisch aus machen“.
Das ehemalige SPD-Mitglied will junge Leute ansprechen und für eine „moderne CDU“ gewinnen. Allerdings werde sie thematisch andere Akzente setzen, je nach der Situation vor Ort. Als ein Beispiel nannte sie den Mangel an Landärzten.
Dass sie um das Thema Stuttgart 21 (S 21) nicht herumkommen würde, war der S 21-Befürworterin klar. „Schlimm“ findet es die Notärztin, dass bei den Demonstrationen am vergangenen Donnerstag „Menschen zu Schaden kamen“. An den politischen Beschlüssen will sie aber nicht rütteln: „Man muss bei seiner Linie bleiben.“ Und von einem Volksentscheid hält sie nichts.
Federle meint, dass die gewählten Volksvertreter stärker den Dialog mit den Bürgern hätten suchen müssen – und „nicht in einer Parallelwelt leben“. Das zu vermeiden, nennt sie eins ihrer größten Ziele. Ihren Arbeitsstil („transparent und offen“) will sie beibehalten.
Bei der Auseinandersetzung um S 21 missfällt der Kandidatin, die erst im November vergangenen Jahres in die CDU eingetreten ist, „dass das Thema politisch ausgeschlachtet wird“. Das sagte sie in Richtung Grüne. Deren Höhenflug in Umfragen betrachtet die 49-Jährige als vorübergehenden „Hype“. Da für sie S 21 nicht „das einzige wahlentscheidende Thema“ ist, sorgt sich die Stimmenkönigin bei der Kommunalwahl nicht um das Direktmandat. Sie glaubt, es sei „in Tübingen nicht so schwierig“, es zu erringen. Weil „immer mehr persönlichkeitsbezogen“ gewählt werde.
„Ich bin nicht abhängig von der Politik, ich komme aus dem täglichen Leben“, erklärte die Kandidatin und Mutter von vier Kindern. Falls sie in den Landtag gewählt werde, wolle sie sich aber „richtig reinhängen“. Beispielsweise im Sozialausschuss: „Ich glaube, dass man mir die Themen anders abnimmt.“ Daneben möchte sie die Wirtschaftspolitik, besonders die Förderung mittelständischer Unternehmen, zum Schwerpunkt machen: „Zu einem gut funktionierenden sozialen Netz gehört auch eine gute Wirtschaftspolitik.“ Die Begründung liefern ihr Beruf und ihr Ehrenamt als DRK-Kreisvorsitzende: „Ich bekomme das ganze Spektrum der Gesellschaft mit“ – von Konflikten und Gewalt in Familien über Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen bis hin zu Suiziden wegen der Wirtschaftskrise.
Nach dem Motto „keiner darf der Gesellschaft verloren gehen“ würde die Tübingerin sich auch vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen beispielsweise für die Ganztagsbetreuung in Schulen und für mehr Schulsozialarbeiter stark machen. Dass das nicht umsonst zu haben ist, weiß sie: „Aber Nichtstun hat auch erhebliche Folgekosten.“
Wie ihr Wahlkampf aussehen soll, hat sich Federle noch nicht überlegt. Sie werde aber auf keinen Fall „an Haustüren Klinken putzen“, erklärte sie. Sicher ist auch, dass es Großveranstaltungen mit Prominenten geben wird. Wen die CDU-Kandidatin dazu in den Wahlkreis holen will, hielt sie gestern noch geheim. Archivbild: Metz