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Betonklötze im Nadelöhr

Ladebuchten in der Mühlstraße häufig zugeparkt

Fußgänger und Radler, Autos, Busse, Lieferwagen: Die Mühlstraße ist Tübingens Nadelöhr. Seit die Stadt Betonquader gegen illegale Parker auslegte, hat Thomas Sing ein Problem mehr. Wenn der Pächter der Kneipe „Last Resort“ neues Bier erhält, kommen manchmal auch Busse nicht mehr aneinander vorbei.

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Volker Rekittke

Tübingen. Seit einigen Wochen liegen die Betonblöcke in der Mühlstraße – sie sollen Fußgänger und Radfahrer trennen und Autos vom unerlaubten Parken abhalten. Seit einigen Wochen hat Thomas Sing nun ein Problem mehr. „Die Steinquader machen die Getränkeanlieferung noch schwieriger – es gibt jetzt keine Ausweichflächen mehr für den Laster“, sagt der Pächter des „Last Resort“.

Brenzlige Situation in der Tübinger Mühlstraße: Der Getränkeanlieferer für das „Last Resort“ weicht ... Brenzlige Situation in der Tübinger Mühlstraße: Der Getränkeanlieferer für das „Last Resort“ weicht auf Radweg und Fahrbahn aus, weil die Ladebucht weiter oben durch einen VW-Bus blockiert ist. Und hinter dem Radfahrer, der nun ebenfalls ausweichen muss, kommt schon der Bus. Passiert ist diesmal nichts. Bild: Metz

Ausweichen muss der Fahrer des Getränkewagens regelmäßig, wenn er versucht, vor der Kneipe in der Tübinger Mühlstraße einen freien Platz zu finden. „Manchmal drehe ich zwei, drei Runden, bis was frei ist“, sagt Anwar Chaudhry. Vergangene Woche musste er mit der gesamten Bierladung wieder nach Reutlingen zurückkehren. Als er einmal notgedrungen auf dem Radweg parkte, sei er gleich von einem städtischen Knöllchenverteiler angemacht worden: „Beim nächsten Mal gibt’s Bußgeld und zwei Punkte.“

Alles klar im Schilderwald Mühlstraße? So ist eine Ladebucht seit Mittwoch gekennzeichnet. Bild: ... Alles klar im Schilderwald Mühlstraße? So ist eine Ladebucht seit Mittwoch gekennzeichnet. Bild: Rekittke

Das Problem: Die drei markierten Zonen auf der Mühlstraße zum Be- und Entladen sind häufig zugestellt. „Touristen oder Handwerker“, ist Sings Beobachtung. Auch mancher Einheimische parkt dort mehr oder weniger lang, um in Läden an der Mühlstraße oder am Lustnauer Tor zu springen.

Neue Schilder warnen vor 30 Euro Strafgeld

Dabei ist Parken entlang der Mühlstraße grundsätzlich verboten, sagt Andreas Kerth, Chef der städtischen Fachabteilung Verkehrsrecht und Ordnungswidrigkeiten: „Das ist ein Fußweg, den Radfahrer mitbenutzen dürfen.“ Gestattet seien einzig Stopps für Geschäftsanlieferungen oder für Handwerker, die dort zu tun haben. Deshalb könne er vor den Buchten auch kein rot-blaues Parkverbotsschild aufstellen lassen, wie Kneipier Sing fordert. Das lasse die Straßenverkehrsordnung (StVO) schlicht nicht zu. Wie wär’s mit mehr Kontrollen? Es werde ja kontrolliert, sagt Kerth. Jedoch: „Wir können nicht rund um die Uhr den Vollzugsdienst die Straße rauf und runter schicken.“

„Das Problem ist, dass die Leute die Be- und Entladebuchten zunehmend zum Parken missbrauchen“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. Deshalb nun die Betonklötze: „Eine Reaktion war erforderlich.“ Nachdem das TAGBLATT anrief, ließ Kerth zudem selbst gestaltete Zusatzschilder vor den Haltebuchten anbringen. Die seien ohnehin geplant gewesen und sollen daran erinnern, dass Parken hier 30 Euro Strafe kostet (Bild unten).

Über eine Ausnahmegenehmigung für Sings Bierlieferanten will Kerth zumindest nachdenken. Ende November hatte er sich vor Ort mit dem Kneipier getroffen und über Lösungen nachgedacht. Denn für den „Last Resort“-Pächter ist die derzeitige Situation reichlich unbefriedigend. Erst vor ein paar Tagen musste sein Lieferant wieder auf den Fahrradweg und Teile der Fahrbahn ausweichen. Was in der viel befahrenen Mühlstraße gleich dazu führte, dass Radfahrer, die nicht absteigen oder über den Gehweg brettern wollten, auf die Straße ausweichen mussten. Doch das ist nicht ganz ungefährlich (Bild oben). Auf der Mühlstraße kamen derweil keine zwei Busse mehr im Begegnungsverkehr aneinander vorbei.

Ladezone einen ganzen Tag lang legal blockieren

Die markierte Stellbucht vor dem Laden war von einem dort mittig parkenden VW-Bus zugestellt – und das auch noch ganz legal: Hinter der Windschutzscheibe lag eine orangene Tageskarte für Handwerker. Mit der kann der Fahrzeughalter die Ladezone einen ganzen Tag lang blockieren, ohne dass er ein Knöllchen fürchten muss. Doch auch darüber haben Kerth und Palmer schon nachgedacht. Eine Möglichkeit: Nur Handwerker, die tatsächlich in der Mühlstraße zu tun haben, sollen künftig auch dort parken dürfen – und nicht mehr wie bisher jeder, der irgendwo in Tübingen schafft. Entschieden sei noch nichts, so Palmer: „Wir sind da mit den Handwerkern im Gespräch.“ Klar ist für den OB aber auch: „Der äußerst enge Raum der Mühlstraße sollte nicht den ganzen Tag zugeparkt werden.“

25.02.2013 - 11:30 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 14:03 Uhr

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