Mit knapper Mehrheit beschloss der Kulturausschuss des Gemeinderats einen Geschichtspfad zum Nationalsozialismus in Tübingen.
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Hans-Joachim Lang
Tübingen. Einig ist man sich in dem Gremium darüber, dass in Tübingen angemessen über den Nationalsozialismus erinnert werden soll. Strittig ist indes, welche Form als angemessen empfunden wird. Die Geschichtswerkstatt kämpft seit über zehn Jahren für einen Geschichtspfad und hat dafür zusammen mit dem Arbeitskreis „Moderne Tübinger Stadtgeschichte“ ein Konzept entwickelt mit ursprünglich 26 und derzeit 14 Standorten.
Diesem Konzept haben sich inzwischen noch der Jugendgemeinderat, der Verein Courage und der Arbeitskreis Universität im Nationalsozialismus angeschlossen. Im Kulturausschuss sind AL/ Grüne vorbehaltlos für dieses Projekt. „Mit Stelen kann die Öffentlichkeit optimal angesprochen werden“, argumentierte Bruno Gebhart- Pietzsch, der zugleich seinen Ärger über den Standpunkt der Verwaltung artikulierte. „Ich halte Stelen für ein ungeeignetes Mittel, um einen guten Zweck zu erreichen“, hatte Oberbürgermeister Boris Palmer eingewandt und damit den in der Verwaltungsvorlage ausgebreiteten Standpunkt verteidigt. Zugleich stellte er klar, dass er sich nicht für seinen eigenen Standpunkt verkämpfen wolle. Gebhart-Pietzsch betonte: „Für Schulklassen ist ein Geschichtspfad mit Stelen ein begehbares Geschichtsbuch.“ Vehement sprach er gegen Stolpersteine, zudem sei der Diskussionsprozess in den kommunalen Gremien schon weiter gediehen.
Auch Dorothea Kliche-Behnke (SPD) reagierte verärgert auf die Verwaltungsposition und erinnerte daran, dass im Haushalt bereits Mittel für den Geschichtspfad eingestellt seien. Sie betonte zugleich: „Interessant wird es, wenn es um die Texte geht. Da werden wir noch viel zu diskutieren haben.“ Auch für Angela Hauser (Linke) ist ein Geschichtspfad mit Stelen die geeignetste Form, um „die Zeit des Nationalsozialismus sichtbar zu machen“.
Kurt Sütterlin (FDP) hätte gerne nochmals das Konzept grundsätzlich diskutiert, weil er nicht uneingeschränkt für Stelen ist. „Entscheidend ist allerdings, was dann inhaltlich draufsteht.“ Hier wünschte er auch eine Beteiligung der Stadträte. Ulrike Heitkamp (WUT) wies auf eigene Zweifel hin, ob Stelen die beste Lösung sind, räumte aber auch ein, dass sie keine besseren Alternativen benennen könne. Sabine Lüllich (CDU) hatte ebenfalls Vorbehalte und beantragte schließlich Vertagung des Themas. Dafür fand sie letztlich zu wenige Mitstreiter, die Mehrheit der Anwesenden wollte eine definitive Entscheidung.
Vor der Aussprache im Ausschuss hatte der Oberbürgermeister noch den Stadtplaner Tim von Winning angehalten, Bedenken seiner Abteilung vorzutragen. Sie ergeben sich aus den konkurrierenden Nutzungen in der engen Innenstadt. Von Winning, der ausdrücklich unabhängig vom geschichtlichen Kontext argumentierte, erinnerte an die schwierige Standortsuche, als in der Innenstadt Plätze für Stelen gefunden werden mussten, die sich an Touristen wenden. Und er wies darauf hin, wie oft diese Tafeln als Abstellplatz für Fahrräder zweckentfremdet werden.
Am Ende stimmten acht Ausschussmitglieder für die Realisierung durch ein Stelen-Konzept, sechs stimmten dagegen, zwei enthielten sich.