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Vom Helfer zur Hilfskraft

Kommentar

Als billige Arbeitskräfte sind Zivildienstleistende bei sozialen Einrichtungen schon seit Jahrzehnten beliebt. Aber auch die meisten jungen Männer profitieren vom Dienst an der Gesellschaft, egal ob im Krankentransport, in Behinderteneinrichtungen oder bei der Betreuung von Kindern. Sie können prägende Erfahrungen für ihr Berufsleben sammeln, lernen Verantwortung zu tragen, müssen Sozialkompetenz zeigen. So kann der künftige Medizinstudent schon vor dem ersten Semester schauen, ob ihm die Arbeit in einer Klinik Spaß macht.

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Wer Sozialpädagoge werden will, findet in einem Behindertenheim einen passenden Platz. Etwas mehr als 70 Prozent der Zivis in Deutschland arbeiten in der Pflege oder Betreuung – nur etwa 20 Prozent schieben als Gärtner oder reiner Chauffeur eine ruhige Kugel.

Wenn die Regierung den Wehrdienst und damit den Zivildienst so drastisch verkürzt wie im Koalitionsvertrag vereinbart, werden die Stellen, auf denen Kriegsdienstverweigerer eine Ausbildung wie etwa im Rettungsdienst bekommen, rarer werden. Dann wird man Zivis Rasenmäher statt Krankenbetten schieben sehen. Einen Schnitt hat jetzt das Rote Kreuz in Tübingen gemacht, das künftig gar keine Zivis mehr nimmt – zu teuer ist deren Ausbildung für die kurze Dienstzeit. Freuen können sich darüber die Profis. Wo heute ein Zivi arbeitet, wird künftig vielleicht eine Fachkraft Dienst haben. Und dass es ohne Zivis geht, zeigt die Tübinger Altenhilfe. Weil junge Männer nicht in die Altenpflege wollen, gibt es dort einfach keine – und damit nicht laufend neue Gesichter für Heimbewohner.

Wenn die Zivis bei Pflegebedürftigen künftig häufiger wechseln als die Jahreszeiten, tut das den Betreuten nicht gut. Thomas Seyfarth, Geschäftsführer der Körperbehindertenförderung Neckar-Alb (KBF), hofft deshalb, dass etwa durch weniger Lehrveranstaltungen für Zivis etwas Zeit für die Arbeit gewonnen werden kann. Die KBF kann den Zivildienst gar nicht aufgeben – ohne die jungen Männer gäbe es den Verein quasi nicht mehr.

Linke und Grüne wollen die Wehrpflicht ganz abschaffen (siehe Kasten in nebenstehendem Artikel) und dafür die Freiwilligendienste stärken. Die werden bei nur sechs Monaten Zivildienst für junge Menschen eine Alternative sein, Stellen mit Verantwortung zu bekommen. Wer das nicht will, muss halt das halbe Jahr Pflichtdienst hinter sich bringen. Weil sich die Zahl der Zivildienstleistenden in den vergangenen zehn Jahren halbiert hat, wird es für die Verbleibenden weiterhin genug Stellen geben – aber vor allem, um Haus, Fahrzeuge und Garten statt Patienten zu pflegen. Für solche billigen Arbeitskräfte werden soziale Einrichtungen weiterhin Arbeit finden. Aber dann werden Kriegsdienstverweigerer nicht mehr von ihrer Arbeit profitieren. Benjamin Hechler

05.11.2009 - 08:30 Uhr
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