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Hier hängt man vor Heiligabend ab

Kneipentreff an Heiligmorgen wollen viele nicht missen

Weihnachten – für viele Tübinger ist das nicht nur das Fest der Familie, sondern auch die Fete mit den alten Freunden. Am heutigen „Heiligmorgen“ treffen sich überall in der Stadt die Alteingesessenen, die sesshaft Gewordenen und die Heimkehrer in den Kneipen. Das TAGBLATT hat sich umgehört, wo überall eine Party steigt.

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Fabian Ziehe

Tübingen. Bevor sich die Spätentschlossenen wundern, die am Heiligmorgen noch auf den allerletzten Drücker die Geschenke für die Bescherung kaufen: Wenn sie heute in der Tübinger Altstadt auf große Trauben gut gelaunter Menschen treffen, gibt es da nicht etwa was umsonst. Da klumpt und klönt nur, wer sich vielleicht das ganze Jahr über nicht gesehen hat: alte Tübinger, ehemalige Tübinger, etablierte Neutübinger.

Volle Bars, viele bekannte Gesichter, vertrautes Ritual: Am Heiligmorgen ist in den Tübinger ... Volle Bars, viele bekannte Gesichter, vertrautes Ritual: Am Heiligmorgen ist in den Tübinger Kneipen stets die Hölle los. Im „Hauptbahnhof“ (unser Bild) gibt es zu dem Treffen für Alt-Eingeborene, Neu-Eingesessene und Wieder-Heimkehrer Bluesmusik und Weißwurst. Das Treffen hat Tradition, wie das Bild beweist: Es ist aus dem Jahr 2003. Heute wird es sehr wahrscheinlich wieder so voll und ausgelassen. Archivbild: Metz

„Bei uns ist immer viel los, das hat schon Tradition“, sagt Dieter Kruis von der Marktschenke. In der Kneipe und davor auf dem Marktplatz erwartet der Kneipier bis zu hundert Leute. Drinnen haben diese Massen freilich nicht genügend Platz. Daher gibt es von 9 Uhr an auch draußen einen Ausschank, parallel zum Wochenmarkt. Bis 17 Uhr geht die Sause. Je nach Wetter sind Bier und Sekt oder Glühwein hoch im Kurs.

Die Marktschenke-Mitarbeiter sind gerüstet für den Ansturm, sie nutzen wegen des Gedränges zum Bedienen auch den Nebeneingang. „Das ist der beste Tag des Jahres, da ist ein paar Stunden lang ziemlich viel los“, sagt Kruis. Anders in der Tangente Jour am Holzmarkt: Dort trifft man sich zum ruhigen Tête-à-Tête. „Das wird dort ein ganz entspannter, netter Tag“, sagt Kruis, der auch dieses Café betreibt.

Ein Hotspot in der Altstadt ist traditionell der Jazzkeller in der Haaggasse. Seit 1995 Pächter Giovanni Forcignano die Tübinger Kneipe gepachtet hat, gibt es den „Weihnachtspils-Treff“ am Heiligmorgen. Die Besucher sind im Schnitt zwischen 40 und 50 Jahre alt, wobei sich mittlerweile auch Mittdreißiger in der Kneipe und davor in der Gasse tummeln. „Viele Stammbesucher haben inzwischen Familie, da kommen nun auch die Kinder mit“, sagt Forcignano.

Um 10 Uhr macht der Jazzkeller auf, gegen 11 Uhr strömen die Massen. In der Kneipe und draußen an Tischen plaudert man, im Keller wird getanzt. „Das sind immer ein paar hundert Leute“, sagt Forcignano. Bis um 17 Uhr soll die Party gehen, um 18 Uhr gehen erfahrungsgemäß die letzten Gäste. „Nach der Schlacht sind wir alle erledigt“, sagt Forcignano. „Dann gehe ich schlafen, das ist meine Bescherung.“

Auch das Team im „Hauptbahnhof“ richtet sich auf einen alles andere als besinnlichen Heiligmorgen ein. „Bei unserer Blues-Session ist es immer total voll“, sagt Pächter Frank Heft. Um 10 Uhr startet die Fete in dem Lokal am Gleis 1 des Hauptbahnhofs. Jochen Bruche und mit ihm etwa 15 Musiker jammen in verschiedensten Kombinationen über die kleine Bühne. Handgestrickten Rock, Pop und Blues gibt es dann auf die Ohren.

„Das ist eine Kultveranstaltung“, sagt Heft. Wie im Jazzkeller steigt auch hier seit 1995 die Fete regelmäßig am 24. Dezember. Der Eintritt ist frei, als Imbiss werden Weißwürste gereicht. Die Blues Session geht bis 15.30 Uhr, irgendwann zwischen 16 und 17 Uhr will das Hauptbahnhof-Team dann schließen. „Der Tag ist schon Hardcore“, sagt Heft. Dieser Feierabend will verdient sein: „Wir trinken dann zum Abschluss einen Sekt zusammen, dann geht es auch für uns heim zu den Familien zum Feiern.“ Ebenfalls Weißwurst, dazu vor allem Bier und Sekt, serviert am Heiligmorgen das Café Ludwigs in der Karlstraße. Von 7 bis 15 Uhr können sich die Tübinger dort treffen. Erfahrungsgemäß kommen die meisten gegen 10 Uhr, sagt Mitarbeiterin Annika Horn. „Wir richten uns auch dieses Jahr darauf ein, dass wieder viel los ist.“

Die Party steigt nur drinnen im Café, für den musikalischen Pepp sorgt bei dem Christkindl-Frühschoppen „DJane“. „Sie macht nicht traditionelle Weihnachts-, sondern mehr Partymusik“, sagt Horn. „Stille Nacht“ wäre tatsächlich eher unpassend.

Auch viele andere Kneipen in der und um die Altstadt haben den Tag über vor der Bescherung geöffnet, sie bieten allerdings das übliche Programm. „Bei uns ist auf jeden Fall was los“, sagt Theo Kalaitzidis vom Collegium in der Langen Gasse. Dort ist von 10 bis 16 Uhr geöffnet. „Aber es ist eher der normale Betrieb“, sagt Kalaitzidis. Die traditionellen Altstadt-Treffs am Heiligmorgen seien nun mal die Marktschenke und der Jazzkeller. Und „das ist ja auch gut so“, findet Kalaitzidis.

Das Irish Pub Saints and Scholars in der Wilhelmstraße tritt heuer etwas kürzer als im Vorjahr. „Wir machen kein besonderes Programm“, war dort von einer Mitarbeiterin zu erfahren. Von 12 bis 17 Uhr sei geöffnet, allerdings ohne warme Küche. Danach wolle man den Mitarbeitern einen ruhigen Heiligen Abend gönnen.

Manche Kneipen konzentrieren sich eher auf den fortgeschrittenen Abend, wenn alle Geschenke ausgepackt, alle Lieder geträllert und alle Braten verspeist sind. Jutta Fritz öffnet zwar den Ammerschlag von 11 bis 16 Uhr. Sie rechnet allerdings mit einem ruhigen Tag. „Da kommt erst am Abend Schwung auf“, sagt sie. Deshalb geht es in der Kultkneipe in der Ammergasse um 22 Uhr am Abend weiter. Bis Ultimo.

Übrigens: Wer gar keine Lust auf Baum und Bescherung zu Hause hat, der könnte den Boulanger als Refugium wählen. „Wir haben auf – wer kommt, der kommt“, sagt Karl Poschner-Martell. Die Boulanger-Mitarbeiter wissen noch nicht genau, was sie heute erwartet. „Der Andrang wechselt, mal kommen mehr, mal weniger“, sagt Poschner-Martell. Allerdings richtet man sich in der Kneipe in der Collegiumsgasse eher auf größeren Andrang am Abend ein. „Hier treffen sich viele nach der Bescherung, das ist eigentlich immer ganz entspannt“, sagt Poschner-Martell.

23.12.2012 - 20:30 Uhr | geändert: 23.12.2012 - 21:18 Uhr

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