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Explosives Ferienprogramm

Kinder fanden im Schindhau Übungs-Handgranaten

Bei einer Abenteuer-Freizeit des Sommerferienprogramms fanden Kinder bei der oberen Panzerstraße im Schindhau mehrere Sprengkörper.

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Jonas Bleeser

Tübingen. Lager bauen im Wald, Feuer machen ohne Streichhölzer, Tiere und Pflanzen kennenlernen – das versprach die Veranstaltung „Abenteuer Naturferien“ des Tübinger Sommerferienprogramms. Doch dann machten die beteiligten Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren vergangenen Dienstag Bekanntschaft mit der militärischen Vergangenheit des Schindhaus: Unweit der Oberen Panzerstraße fanden sie altes Übungs-Kriegsgerät.

Polizeisprecher Ewald Raidt bestätigt den Fall: „Es wurden mehrere Übungshandgranaten gefunden – drei waren bereits detoniert, eine noch funktionsfähig.“ Sollte man bei einem Spaziergang Munition finden, rät Raidt: „Die Finger weglassen.“

Auf keinen Fall dürfe man Teile der Munition mitnehmen und auf die Wache tragen, wie es die Betreuerin der Gruppe in der vergangenen Woche gemacht habe: „Es kann immer Gefahr für Hände oder Augenlicht drohen.“

Am besten sei es, die Stelle zu markieren – und sofort die Polizei zu rufen. Rund um das von den Franzosen als Übungsplatz genutzte Gebiet im Schindhau sei es besser, auf den Wegen zu bleiben.

Bei der Stadt zeigte man sich am Dienstag überrascht von der TAGBLATT-Anfrage: Dort war man weder von der Polizei noch von der Veranstalterin über den Fund informiert worden. Die Frau habe sich ansonsten aber richtig verhalten, erklärte Baubürgermeister Cord Soehlke am Abend, nachdem er mit der erfahrenen Ferienprogramm-Betreuerin gesprochen hatte: „Sie hat sich vorab genau über die ausgewiesenen Gefahrenzonen informiert.“

Seit fünf Jahren baut die Betreuerin mit Kindern im Sommer Tipis im Schindhau – auf einer Lichtung im Wald, etwa 200 Meter rechter Hand oberhalb des Natursteinparks. Das Gebiet galt bislang nicht als belastet.

Als ältere Kinder ihr von dem Fund erzählten, beendeten die Betreuerinnen das Angebot und brachte ihre Schützlinge zum Treffpunkt. Anschließend ging die Gruppenleiterin „mit einem erkennbar harmlosen Splitter“, sagt Soehlke, zur Polizei und informierte die Eltern. Für die folgenden Tage zog die Gruppe ins Goldersbachtal um.

Darüber vergaß die Frau, die Stadt zu benachrichtigen. Soehlke will nun alle Beteiligten am Ferienprogramm verpflichten, dass sie bei außergewöhnlichen Vorkommnissen auch die Verwaltung informieren.

Der Bundesforstbetrieb, dem das Gelände gehört, wollte längst nach den militärischen Altlasten suchen lassen. Bei einer Pressekonferenz mit der Stadtverwaltung im April war vollmundig angekündigt worden, die Arbeiten für rund 40.000 Euro würden im Juni vergeben, erste Flächen könnten im Sommer wieder freigegeben werden.

Doch davon sind die Behörden weit entfernt. Der Tübinger Baubürgermeister hat bereits mehrfach beim Bund nachgehakt – passiert ist seines Wissens nichts. Beim Bundesforstbetrieb war am Dienstag keine Auskunft zu bekommen, der zuständige Forstdirektor Dietmar Götze war außer Haus.

Soehlke appelliert, die im Februar aufgestellten Warnschilder ernst zu nehmen. Er rechnet nicht damit, dass vor dem kommenden Frühjahr Entwarnung gegeben werden kann – im Gegenteil. „Es müssen weitere Bereiche gesperrt werden“, sagte Soehlke. Schon am Mittwoch sollen weitere Schilder aufgestellt werden.


08.08.2012 - 08:00 Uhr | geändert: 09.08.2012 - 17:37 Uhr

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