per eMail empfehlen


   

Neckar: Wo man nasse Füße bekommt

Karte soll Vorbereitung auf Hochwasser erleichtern

Die Europäische Union schreibt vor, dass sich Behörden und Bürger besser auf Hochwasser einstellen. Für den oberen Neckar gibt es deshalb nun einen Plan.

Anzeige


Mario Beisswenger

Kreis Tübingen. „Hochwasserrisikomanagementplanung“ ist ein Bandwurmwort, wie es wahrscheinlich nur Behörden ersinnen können. Um was es dabei geht, erklärten die vom Tübinger Regierungspräsidium engagierten Planer am Donnerstagabend im Landratsamt in Reutlingen.

Wenn viel Schnee fällt und es taut, steigt der Neckarpegel schnell: hier bei einem Hochwasser im ... Wenn viel Schnee fällt und es taut, steigt der Neckarpegel schnell: hier bei einem Hochwasser im Dezember 2010. Archivbild: Metz

Claudius Müller, zuständiger Dezernent im Reutlinger Landratsamt, schaute bei der Veranstaltung etwas betrübt in die Runde. Das Publikumsinteresse hielt sich mit einem Dutzend Anwesender in Grenzen. Dabei ist ein Ziel des Hochwasserplanes, „dass wir weg kommen von dem Prinzip ’Aus Schaden wird man klug‘“. Stattdessen sollte eine bestmögliche Vorbereitung Flutschäden vermeiden – oder mindestens verringern.

Das ist das zweite Prinzip des zu Grunde liegenden EU-Gesetzes. „Die Richtlinie hat den Tenor: Was können wir sonst noch tun, außer Dämme bauen“, sagte Johannes Reiß vom Wendlinger Büro „Lebendiger Neckar“, das beim Erstellen der Hochwasserkarten beteiligt war. Die Karten sind Grundlage der Planung. Sie sind, so weit schon freigegeben, über Internet einsehbar (siehe Info-Box) oder bei den Tiefbauämtern der Kommunen. Für den Bereich im Kreis sind die Gebiete entlang des Neckars bearbeitet. Aus den Karten lassen sich die Folgen eines Hochwassers im Überblick abschätzen.

Im Schnitt alle zehn Jahre droht Gefahr

Sichtbares Ergebnis: „Da wo es rot ist, wird es brenzlig“, erklärte Sandra Pennekamp vom Darmstädter Büro „Infrastruktur und Umwelt“. Ausgehend von den Karten erstellten die Büros genaue Risikobeschreibungen für alle Gemeinden. Das geht ins Detail, weil nicht nur Brücken markiert sind, die bei einem Hochwasser unpassierbar werden, sondern auch Betriebe mit gefährlichen Chemikalien verzeichnet sind oder auch Denkmäler.

Für Tübingen ist etwa eingetragen, dass das Stadtmuseum schon bei einem zehnjährigen Hochwasser gefährdet ist, die Jakobuskirche dagegen nur bei einem 100-jährigen. Diese detailscharfen Aussagen sind allerdings noch in der „Plausibilisierung“. Das heißt: Die Planer fragen bei den Städten, ob denn das auch alles so hinhaut. Für Heike Weißer, bei der Tübinger Stadtverwaltung für den Hochwasserschutz zuständig, liegt der Wert der Planung nicht unbedingt darin, dass die Stadt nun vorher nicht geahnte Risiken erkennt. Vorteil sei vielmehr „die Gesamtschau des Problems, das bisher jeder für sich bearbeitet hat“.

So sei zum Beispiel zu erkennen, welche Brücken zu befahren sind, wenn eine Gemeinde der nächsten helfen will. Am Beispiel der neuen Bebauung im Viertel „Alte Weberei“ erklärt Weißer, dass die Stadt auch die vom Management-Plan gefordert Überarbeitung der Bauleitplanung berücksichtigt hat. „Die Hauseingänge sind zum Beispiel alle so hoch, das auch ein hundertjähriges Hochwasser nicht reinläuft.“ An den Kommunen wird nach Ansicht der Planer die meisten Aufgaben zum vorbeugenden Hochwasserschutz hängen bleiben.

Die aufgeführten regelmäßigen Arbeiten gehen so weit, dass kontrolliert werden soll, dass im Überschwemmungsgebiet keine Brennholzstapel aufgeschichtet werden. Die bergen die Gefahr, dass sich abschwimmendes Holz vor der nächsten Brücke verkeilt und durch Rückstau die Flut verstärkt. Wer selbst noch Kommentare zu der EU-Planung abgeben will, sollte sich vor Ostern an die Tiefbauämter wenden. Die endgültigen Pläne sollen bis zum Sommer fertig sein.

Hochwasser auf der Karte im Internet
Auf der Seite www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de lässt sich anschauen, welche Flächen im Kreis von einem Neckar-Hochwasser betroffen sein können. Im linken Menü auf „Gefahrenkarten“ klicken. Um die Eintragungen sehen zu können, muss man heranzoomen auf einen Maßstab von etwa 1:10 000.
Dann erscheinen für den Neckar in verschiedenen Blautönen die Überflutungsflächen nach einem Hochwasser.
Die Abstufung bezieht sich auf die Wahrscheinlichkeit mit der so eine Überschwemmung auftreten kann. HQ 10 zum Beispiel bezeichnet eine Flut, mit der statistisch betrachtet alle zehn Jahre zu rechnen ist. HQ extrem ist eine mögliche Extremflut.

Eine wichtige Einschränkung: Dargestellt ist der klassische Überschwemmungsfall, wenn Gewässer über die Ufer treten. Schichtfluten die nach starkem Regen auch in einem hoch gelegenen Dorf wie Pfrondorf auftreten, erfasst die Karte nicht.


04.03.2013 - 08:00 Uhr | geändert: 04.03.2013 - 10:56 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Sv Unterjesingen schlägt SV Neustetten 3:1 Millipay Micropayment

50 Jahre Boccia-Bahn

Wer hat das schönste Kübele im Dorf?

Tag der offenen Tür in der Volksbank-Arena

Oldtimer-Parade: Nehren strahlt in Feuerwehr-rot

Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl in Kirchentellinsfurt

Interview mit Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling

Peter Ertle - "14 und 2 Brillenjahre" aus dem Buch "Der Mond im Ei"

TSV Altingen – SGM Poltringen/Pfäffingen 4:1 Millipay Micropayment

Mobil ohne Auto 2014 im Neckar-Erlebnis-Tal

Umbrisch-Provenzalischer Markt in Tübingen 2014

Tübinger Erbe-Lauf 2014

Demonstration gegen Tierversuche

Primaten, Proteste, Palmer

Die drei Lieblingsorte der Kirchentellinsfurter Bürgermeisterkandidaten: Bernd Haug

Die drei Lieblingsorte der Bürgermeisterkandidaten: Petra Kriegeskorte

TV Derendingen schlägt SV03 Tübingen 4:1 Millipay Micropayment

Ammerbucher Fliegerfest 2014

Anzeige


Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Woche im Rückklick

Wissen, was war

Die Woche vom 20. bis 26. September: Demo gegen Tübinger Tierversuche, alles zum Stadtlauf und das Schweigen der Wissenschaft

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Das TAGBLATT-Zeitungsarchiv
Artikelbild: Das Redaktionsarchiv des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS

Sie suchen? Wir finden.

Wer kennt das nicht: Ausgerechnet den Artikel zum Thema, das einen gerade beschäftigt, hat man verpasst. Oder man braucht dringend einen Überblick über eine regionale Fragestellung. Das TAGBLATT-Archiv hilft weiter.

Ihr Kontakt zur Redaktion
Schwäbisches Tagblatt 

07071/934-0

Tagblatt Online
07071/934-0
Steinlach Bote 07473/9507-0
Rottenburger Post 07472/1606-0
Reutlinger Blatt 07121/3259-50
Neckar Chronik Horb 07451/9009-30
Tagblatt Anzeiger 07071/934-0