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„Das ist mein Traumberuf“

Junge Leute erklärten, warum sie Rettungssanitäter sind

Lino und Lina hatten gestern weniger zu tun als ihnen lieb war: Die beiden Comic-Figuren sind das neueste Aushängeschild des Jugendrotkreuzes unter dem Motto „Entdecke den Helden in dir“. Heldenhaft hielten beim gestrigen Aktionstag des DRK vor allem die 150 Helfer/innen dem Dauerregen stand.

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Christiane Hoyer

Tübingen. „Wir sind ja nicht in Watte gepackt“, scherzte ein Rotkreuzler über das miese Wetter. Mit zwölf unterschiedlichen Einsatzfahrzeugen, einem Katastrophenschutzzelt, mit Simulationsübungen, Live-Musik, einer Kinder-Hüpfburg und 500 Schnitzel-Portionen sowie 300 Portionen Putengeschnetzeltes hatten sich die Helfer/innen auf den Aktionssonntag zum 125-jährigen Bestehen bestens auf einen großen Besucherandrang vorbereitet. Doch das Wetter machte ihnen einen Strich durchs Programm.

Das Freiwillige Soziale Jahr als Orientierung

Wie wechselt man Verbände? Was macht man bei Verbrennungen? Kinder bekamen beim Jugendrotkreuz in der Spielstraße schnell ihren Helden-Button zusammen, sie mussten nirgendwo Schlange stehen, und Kreisjugendleiterin Claudia Müller hatte viel Zeit, um Fragen von Eltern zu beantworten: Das Jugendrotkreuz bietet schon für Kinder ab sechs Jahren Erste-Hilfe-Kurse an, in Zukunft denkt man auch über engere Kooperationen mit den Kindertagesstätten nach.

Erst Halswirbelsäule stabilisieren, dann „Vitalfunktionen“Herz, Kreislauf überprüfen: Mit ... Erst Halswirbelsäule stabilisieren, dann „Vitalfunktionen“Herz, Kreislauf überprüfen: Mit Simulationsübungen zeigten die DRK-Fachkräfte gestern auf dem Marktplatz, wie sie Verletzte nach einem Autounfall vor Ort versorgen.Bild: Faden

„Mit Mühe und Not“ hat das DRK dieses Jahr nach dem Wegfall des Zivildienstes seine 50 Plätze fürs Freiwillige Soziale Jahr, FSJ, voll bekommen, berichtet Rettungsdienstleiter Rainer Wizenmann. Dabei ist das Jahr beim DRK für viele junge Leute „eine wertvolle Orientierungszeit“ nach der Schule, sagt Wizenmann. Danach wisse man, was einen im Beruf des Rettungssanitäters erwarte. Das DRK wirbt neuerdings außerdem damit, dass es diese Ausbildung komplett bezahlt. „Das ist ein Novum“, erklärt die DRK-Kreisvorsitzende Lisa Federle.

Claudius Thiedemann hat die drei verschiedenen Ausbildungsstationen bereits hinter sich gebracht und arbeitet seit gut einem Jahr als hauptamtlicher Rettungsassistent beim DRK. „Das ist mein Traumberuf“, sagt der 23-Jährige. „Man arbeitet immer im Team und kann anderen Leuten helfen.“ Jetzt wartet er auf einen Medizin-Studienplatz. Thiedemann hatte bereits in der Waldorfschule von den Ausbildungsmöglichkeiten beim DRK erfahren und nach dem Abitur ein FSJ gemacht, wo er sich zum Rettungshelfer und Sanitäter ausbilden ließ. Für die Ausbildung zum Rettungsassistenten besuchte er ein halbes Jahr lang die Schule in Pfalzgrafenweiler und schloss mit Staatsexamen ab, anschließend folgte ein Anerkennungsjahr beim DRK. Auch die 19-jährige Isabel Rach will diesen Weg gehen. Sie war nach einem Sturz früher mal selbst auf die Hilfe der Rotkreuzler angewiesen und bewarb sich nach dem Berufskolleg fürs FSJ. Die Arbeit macht ihr „viel Spaß“. Man müsse sich aber auch darüber „im Klaren sein, dass man unschöne Sachen zu Gesicht bekommt“, sagt sie. Und: Nach einer 12-Stunden-Schicht „wird Freizeit wirklich kostbar“.

Bei einer Übung auf dem Marktplatz zeigten die jungen Rettungskräfte, wie man einen Schwerverletzten aus einem Unfallauto holt: Erst wird die Halswirbelsäule stabilisiert, dann Blutdruck und Herz überprüft, der Verletzte bekommt von unten eine Schaufeltrage mit Vakuum-Matratze untergeschoben, bevor er damit auf das fahrbare Gestell zum Rettungswagen gebracht wird – auf dem holperigen Pflaster sicher keine angenehme Angelegenheit.

Auf dem Holzmarkt hatte die Abteilung Katastrophenschutz ihr graues Sichtungszelt aufgebaut. Über 400 Ehrenamtliche engagieren sich im Kreis Tübingen im Katastrophenschutz. Als in den 90er-Jahren im Luise-Wetzel-Stift ein Brand ausbrach, kamen die Heimbewohner zur Erstversorgung in ein Sichtungszelt. Die aufblasbare Hülle ist innerhalb weniger Minuten aufgestellt, erklärt Wizenmann, durch den Hinterausgang können die Patienten dann zur weiteren Behandlung mit dem Einsatzwagen weggebracht werden.

Geschulte Helfershelfer in den Gemeinden

Wenn viele Verletzte gleichzeitig versorgt werden müssen, ist der vom Land finanzierte Gerätewagen mit Zusatzmaterial und Geräten ein „wichtiges Bindeglied“, so Wizenmann. Das Fahrzeug wird vom DRK Ortsverein Gomaringen/ Nehren betreut und gewartet, demnächst solle es ein neues geben. Wichtig ist den Tübinger Rotkreuzlern auch, dass sie besonders viele geschulte „Helfershelfer“ in den einzelnen Gemeinden vor Ort haben, die die Erstversorgung übernehmen können, bis Notarzt und Rettungswagen eintreffen.

18.07.2011 - 08:30 Uhr

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