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Größte Übung der Tübinger Jugendfeuerwehr

Im Einsatz löschen lernen

„Fahren Sie zu einem Brand in einem Pferdestall mit Lagerräumen in Waldhausen. Menschen und Tiere in Lebensgefahr, weiteres noch nicht bekannt“: Das war das Startzeichen für die größte Jugendfeuerwehr-Übung, die Tübingen je gesehen hat.

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Veronika Renkenberger

Tübingen. „Übung, Übung“, knarzte es am Samstag um 14.02 Uhr über Funk. 105 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren aus sieben Abteilungen der Gesamtfeuerwehr Tübingen nahmen teil, dazu 40 aktive Feuerwehrleute. In 15 Feuerwehrfahrzeugen kamen sie bei den Höfen in Waldhausen an und hatten alle Hände voll zu tun.

Großalarm mit Gefahr für Menschen und Tiere auf den Bauernhöfen in Waldhausen: Der ... Großalarm mit Gefahr für Menschen und Tiere auf den Bauernhöfen in Waldhausen: Der Feuerwehr-Nachwuchs aus Stadt und Stadtteilen löschte. Bild: Sommer

Das wollten sich auch über 120 Zuschauer nicht entgehen lassen. Sie standen am Straßenrand und warteten, bis der rote Tross mit Blaulicht ankam. Die Jugendfeuerwehrleute rollten geschäftig Schläuche aus und hatten kaum ein Auge für die Schaulustigen. Der 12-jährige David Romanowski von der Jugendfeuerwehr Stadtmitte flitzte leere Leitungen entlang und begradigte sie, „damit sie nicht verkanten, wenn das Wasser kommt“.

„Auf, auf, ziehen, ziehen!“ Aktive Feuerwehrleute scheuchten den Nachwuchs. 300 Meter Schlauchleitung hatten Pfrondorfer Jugendliche vom Nordring her verlegt. „Feuer! Ich bin hier! Hier oben!“ Wild winkte jemand von einem Balkon im ersten Stock herunter. Es dauerte noch eine ganze Weile, bis die jungen Retter dort eine Steckleiter aufgestellt hatten. „Bei einem echten Einsatz wäre Personenrettung selbstverständlich das allererste, was wir machen“, erklärte Marcus Giesa, Jugendwart der Gesamtfeuerwehr Tübingen. „Aber für die Übung haben wir die Prozesse getrennt gestaltet.“ Das sei übersichtlicher, für die jungen Teilnehmer ebenso wie fürs Publikum.

Der Wasserdruck

überraschte manchen

Die Zuschauer hatten Freude daran, wie der Feuerwehr-Nachwuchs mit den Schläuchen zu kämpfen hatte. Plötzlicher Druck auf dem Strahlrohr überraschte so manchen. Jugendliche gerieten ins Straucheln oder fuchtelten wild mit dem Wasserstrahl. Doch am Schluss wurde das Dach der Pferdestalls sehr ordentlich aus acht C-Rohren gelöscht – mit 800 Liter Wasser pro Minute. Die schreiende Person war da längst gerettet, ebenso der ausgestopfte rote Tauchanzug, den man mit der Drehleiter vom Dach des Stalls geborgen hatte.

Marcus Giesa leitete die Übung, die er gemeinsam mit Stellvertreter Armin Raab und dem Hagellocher Abteilungskommandanten Norman Zeeb 18 Monate lang vorbereitet hatte. „Es ist schwer, in Tübingen ein geeignetes Objekt zum Üben zu finden“, sagte Giesa, während Wasser den Hof flutete. Das Einverständnis in Waldhausen bekam die Feuerwehr, weil der Sohn des Eigentümers bei der Jugendfeuerwehr ist.

„Keiner der Übungsteilnehmer wusste vorab Bescheid“, sagte Giesa, als ein Kind rief: „Mama, Mama, da hinten ist ja noch mehr Feuerwehr!“ Hinter der Ecke des Bauernhofs waren neue Gruppen damit beschäftigt, eine Person unterm Schlepper-Anhänger zu bergen – wieder ein ausgestopfter Tauchanzug. Mit dabei waren der elfjährige Jan Luca Bauer und der zwölfjährige Jan Nagel aus Pfrondorf. „Wir haben den Anhänger mit einer Büffelwinde angehoben, die ist größer als ein Wagenheber“, erklärten sie. Als sie die Puppe fachmännisch per Rettungsgriff rausgezogen und auf ihre Trage gebettet hatten, war ihr Publikum plötzlich weg. Denn hundert Meter weiter auf einem Feld brannte ein Strohballen. Das war der letzte von vier Übungsschauplätzen, mit denen die Organisatoren ihren Nachwuchs forderten.

„Erst ging der Hydrantendeckel nicht auf, dann hatten wir das falsche Rohr dabei“, berichtete der 15-jährige Maximilian Pifferth aus Hirschau hinterher. „Kann passieren“, beschwichtigte Hirschaus Jugendleiter Edmund Schnitzler. „Wir haben in Baden-Württemberg eben zwei verschiedene Rohrdurchmesser in Hydranten.“

Jugendliche zu halten

ist schwierig

Hitze, Rauch und der ganze Trubel haben den jungen Feuerwehrleuten richtig Spaß gemacht, hörte man beim Aufräumen überall. Das positive Echo freute Marcus Giesa. Wie Bürgermeister Michael Lucke verwies auch er auf das große Problem der Wehren: Es sei schwierig, die Jugendlichen bei der Stange zu halten, bis sie mit 18 Jahren zu den Aktiven wechseln. Obwohl in allen Abteilungen qualifizierte Jugendarbeit für zehn- bis 18-jährige Mädchen und Jungen angeboten wird. „Wir machen nicht nur typische Feuerwehr-Themen“, erklärt Giesa, „sondern halbe-halbe auch ganz normale Freizeitgestaltung mit Schlittschuhfahren und Sommerfreizeiten.“ Wer sich für die Jugendarbeit der Feuerwehr interessiert, bekommt auf der Leitstelle unter 0 70 71 / 92 82 14 weitere Infos.

online

Weitere Bilder: www.tagblatt.de

26.10.2009 - 08:30 Uhr | geändert: 28.10.2009 - 08:21 Uhr

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