Schokofee und Schokosoph
Im Dezember wird Tübingen wieder Schokoladenhauptstadt
Mehr geht nicht, mehr soll auch nicht sein: Mit seiner vierten Auflage wird das Tübinger Schokoladenfestival „Chocolart“ in der ersten Dezemberwoche noch einmal größer als seine Vorgänger.
Ulrike Pfeil
Tübingen. Mehr als hundert Chocolatiers aus vielen Ländern haben sich zu Tübingens süßester Woche angesagt, fast ein Drittel mehr als im vergangenen Jahr. Damit ist für den Handel- und Gewerbeverein (HGV) als Veranstalter die Obergrenze erreicht. Der HGV hatte doppelt so viele Anfragen, wie Stände zur Verfügung stehen. Aber, so betonen die Organisatoren Hans-Peter Schwarz und Herbert Tressel: „Der Markt lebt durch die Qualität.“ Deshalb kämen nur ausgewählte Anbieter zum Zug.
Außerdem: Die Chocolart ist bei den Einzelhändlern in der Innenstadt beliebt, weil sie in der relativ ruhigen ersten Woche des Weihnachtsgeschäfts um die 150 000 Kunden anzieht. Allein hundert Reisebusse mit Tagestouristen haben sich für die sechs Tage angesagt. Verkaufsstände dürften aber die Läden nicht zustellen, betont Schwarz.
Nicht nur das Marktsortiment geht mit Schokonudeln und Schokobier über die gewohnten Darreichungsformen von Schokolade hinaus. Auch die Begleitveranstaltungen wurden in diesem Jahr auf mehr als hundert erweitert. Das Programm, das in Tübinger Geschäften ausliegt, enthält zahlreiche Verkostungen und Workshops, für die sich „Schokoholics“ aus dem In- und Ausland bereits anmelden. Die Pralinenkurse im beheizten Zelt, letztes Jahr komplett ausgebucht, finden jetzt fünf Mal am Tag auf dem Holzmarkt statt.
Zwei Mal täglich wird das Rathaus zum Schauplatz von Schokolade-Verkostungen. Im Öhrn tritt der Schweizer „Schokosoph“ Alois Immoos zu Seminaren unter anderem mit der These an, dass die Geschmacksnerven von Frauen besonders fein auf Schokolade reagieren. Auch das Festival hat eine „Philosophie“: jene der Slow-Food-Bewegung. Die Milch im Chocolart-Kakao ist deshalb bio und kommt von der örtlichen Molkerei. Schokolade soll sogar die Gesundheit födern: Dies wird auf einem Experten-Podium mit Fernseh-Moderatorin Sonja Schrecklein er- und begründet.
Schoko-Kunst wird im „Kunstgeschäft“ gemacht, zu dem sich das Eiscafé Cortina in der Hirschgasse umgewandelt hat, und auf einer Schoko-Bühne in der Kirchgasse: Dort ist die Metzinger Konditormeisterin Dort Schetter als „Kakaomalerin“ zu beobachten: Sie verpasst einer lebensgroßen Puppe ein Marzipan-Zucker-Schoko-Kleid. Auch Kombinationen von Schokolade mit Literatur, Jazz und Theater sind im Angebot. Tassen, T-Shirts und Kunstdrucke mit Elch „Tüodor“ (Bild) von Künstler Herman helfen bei der Finanzierung der rund 250 000 Euro, welche die Chocolart kostet – wobei die Organisatoren ehrenamtlich tätig sind. Den Elch als Sonderstempel gibt es auf einem Festival-Postamt „mit süßen Grüßen aus Tübingen“.
Tübinger Gastronomen tischen wieder Schoko-Menüs auf. Die Familienbildungsstätte hält Kochkurse mit Schokolade, das Deutsch-Amerikanische Institut lädt zu einem „original amerikanischen Cookie-Workshop“.
Schon vor dem Festival wetteifern Konditorlehrlinge aus ganz Baden-Württemberg um die tollste Schoko-Torte. Ihre Beiträge können im Rathaus nicht nur von einer Fach-Jury, sondern auch vom Publikum beurteilt werden (nur äußerlich).
Etwas reduziert ist diesmal die Festival-begleitende Lichtkunst. Einerseits, weil die Preise für Projektoren drastisch gestiegen sind. Andererseits, weil aus den Reihen der Einzelhändler kritische Stimmen über die leuchtenden Hütchen kamen, die im Vorjahr der Straßenbeleuchtung aufgesetzt wurden. Die Organisatoren haben es nun den Händlern überlassen, einzelne Straßen von Lichtkünstler Peter Grotz wieder illuminieren zu lassen.
Erstmals wird das Schoko-Festival von Marktforschern begleitet: Geographie-Studenten unter Anleitung eines Tourismus-Professors befragen Besucher und erheben die Frequenz. „Damit wir endlich mal an verlässliche Zahlen rankommen“, sagt Hans-Peter Schwarz.
Alles Schoko
Der Schoko-Markt in der Tübinger Altstadt ist vom Dienstag, 1., bis Sonntag, 6. Dezember, werktags von 10 bis 20 Uhr, am Sonntag von 11 bis 19 Uhr. Am Samstag, 5. Dezember, ist Kindertag mit (unter anderem) Schoko-Clown und Schokofee und lange Einkaufsnacht in den Geschäften bis 23 Uhr. Programm unter
www.chocolart.de; Anmeldung zu Workshops und Veranstaltungen unter info@chocolart.de.