Zu einem späteren Zeitpunkt ja, aber nicht am Samstag auf der Mainau will der Tübinger OB Boris Palmer seine Partnerin Franziska Brantner heiraten. Statt Hochzeit wird ein „Fest mit Freunden“ gefeiert.
Anzeige
raimund weible
Tübingen. In der Einladung war von einem „zeremoniellen Höhepunkt“ die Rede. Und den Gästen wurde auch mitgeteilt, dass sie sich in einem großen Kaufhaus Geschenke aussuchen könnten. Von einem Tisch, wie er üblicherweise für Hochzeitspaare eingerichtet wird. Und so bereiteten sich die Gäste innerlich auf eine Heirat vor, auf die Heirat eines prominenten grünen Paares: Boris Palmer, der Tübinger OB, und Franziska Brantner, Europaabgeordnete, ursprünglich aus Neuenburg in Südbaden. „Er lädt doch nicht 200 Leute ein, um nicht zu heiraten“, sagte ein Insider.
Franziska Brantner und Boris Palmer.Archivbild: Metz
Die beiden, Eltern einer zwei Monate alten Tochter, hatten auch wirklich vorgehabt, sich auf der Mainau am kommenden Samstag das Ja-Wort zu geben. Dort hält das Haus Bernadotte eine exquisite Infrastruktur für solche Gelegenheiten vor. Die standesamtliche Trauung ist im Weißen oder im Roten Saal möglich, die kirchliche Trauung in der Schlosskirche.
Doch nachdem die Nachricht von der bevorstehenden Hochzeit offenbar wegen einer Indiskretion öffentlich wurde, rückte das Paar von dem Plan ab. Palmer und Brantner wollen nicht, dass ihre Heirat zu einer öffentlichen Angelegenheit wird, sie möchten den Schritt unbeobachtet im Privaten tun. Das Interesse für ihre persönlichen Belange geht ihnen auf den Geist. Er fühle sich langsam wie „Freiwild“, sagte Palmer gestern. Er vermisst „Respekt und Gefühl“ für die Grenzen des öffentlichen Interesses. „Die Rücksicht auf die Privatsphäre nimmt immer mehr ab“, beklagt Palmer.
Da kommt man sich wie Freiwild vor.
Boris Palmer
Palmer gesteht zu, dass der Familienstand des Tübinger OB von öffentlichem Interesse sei. Aber die Öffentlichkeit besitze keinen Anspruch darauf zu wissen, wann genau und wo er heirate. Deswegen äußere er sich nicht zum Zeitpunkt und zum Ort der Trauung. Das Paar teilte seinen Gästen jetzt mit, es feiere „die Geburt seiner Tochter und seine Liebe“.
Zu einem späteren Zeitpunkt schon, aber nicht am Samstag also wird Palmer heiraten, es steht, so nennt er es, am Bodensee „ein Fest mit Freunden“ an. Die Gäste, darunter Prominenz der grünen Partei aus Bund und Land sowie sein Vetter Christoph Palmer (CDU), werden am Nachmittag in Konstanz auf den Katamaran „Ferdinand“ zu einer etwa eineinhalbstündigen Seefahrt gebeten. Später legt das Schiff an der Insel Mainau an. Abends tafelt die Gesellschaft, umgeben von exotischen Pflanzen, im Palmenhaus. „Die Exklusivität dieser Lokation“, schreibt das Restaurant, „ließ bis jetzt jede Veranstaltung zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.“
Mutmaßungen, in der grünen Partei könnte ein Fest in solchem Rahmen auf Vorbehalte stoßen, weist Palmer zurück. Da gerate er nicht in Konflikt mit grünen Werten, wehrt er ab. Schließlich habe er auch seine Gäste gebeten, ohne Autos anzureisen und das Angebot eines Shuttle-Busses zu nutzen.