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Mit dem Bus nach München

Hiesige Unternehmen mischen im Fernbus-Markt mit

Von Tübingen nach Konstanz oder München – auf diesen Strecken war die Alternative zum Auto bislang vor allem die Bahn. Doch seit der Liberalisierung des Personenbeförderungsgesetzes zum Jahresbeginn machen Fernbuslinien der Bahn verschärft Konkurrenz.

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Volker Rekittke

Tübingen. Ihr Bahncard 50-Abo hat Jana A. kürzlich auslaufen lassen. Die 23-Jährige, die in München studiert, fährt nur noch mit dem Fernbus, wenn sie ihre Familie und Freunde in Tübingen besucht. „Das ist viel günstiger“, sagt die Studentin. Regulärer Preis auf der Strecke mit DeinBus.de sind 21 Euro. Bucht sie früh genug, kostet das Ticket zwischen 11 und 15 Euro, manchmal nur 9 Euro. Zum Vergleich: Mit der Bahncard 50 kostet das 2.-Klasse-Ticket auf dieser Strecke zwischen 25,50 und 31,50 Euro. Allerdings muss Jana A. für die ein Jahr gültige Bahncard mit Studentenermäßigung 127 Euro berappen.

Für Studenten eine Alternative zur Bahn: Andrang am 11.30-Uhr-Fernbus vom Tübinger Europaplatz nach ... Für Studenten eine Alternative zur Bahn: Andrang am 11.30-Uhr-Fernbus vom Tübinger Europaplatz nach München. Bild: Sommer

Busfahren ist auch bequemer, findet die Studentin: „Du setzt dich einfach in Tübingen rein und steigst in München aus.“ Wenn sie mit der Bahn fährt, muss sie je nach Verbindung ein bis drei Mal umsteigen: „Der Sprint mit dem Koffer von Bahnsteig zu Bahnsteig nervt.“

Bereits seit 2011 gibt es die Buslinie Tübingen-München. Betreiber ist die Firma DeinBus.de mit Sitz in Friedrichshafen. „Tübingen ist eine Fernbus-Pionierstadt“, sagt Christian Janisch, einer der Gründer des Unternehmens, bei dem Fahrkarten über das Internet gebucht werden. Schon im Jahr 2009, lange vor der Liberalisierung des Personenbeförderungsgesetzes zum 1. Januar 2013, begannen Janisch und zwei Mitgeschäftsführer mit dem Aufbau eines Fernbusnetzes, das der Bahn Konkurrenz machen sollte. Der Schienenkonzern berief sich flugs auf Konkurrenzschutz-Paragrafen im Gesetz, klagte gegen DeinBus.de – und verlor den Prozess.

Die jetzt von der Bundesregierung verkündete Novelle begrüßt Janisch: „Wir haben gegen die Bahn gekämpft und gegen ein Gesetz aus den dreißiger Jahren – jetzt müssen wir uns auch im Wettbewerb durchsetzen.“ Janisch weiß sehr gut, dass nun verstärkt Konkurrenten auf den Fernbus-Markt drängen werden: „Wir geben jetzt ganz schön Gas.“ Neue Linien würden schon bald hinzukommen.

„Wir sind überrascht, dass es so schnell so gut läuft“, sagt Eugen Hartmann. Der Rottenburger Omnibusunternehmer fährt seit August 2012 für DeinBus.de von Tübingen nach Freiburg – mit einem Bus zwei Mal täglich. Bereits nach zwei Monaten war die Tour für ihn kostendeckend. Der Hartmann-Bus wird nicht von DeinBus.de gechartert, sondern die Partner kooperieren miteinander. Die Rottenburger sind am Gewinn, aber auch am Verlust der Linie beteiligt. Ab Februar übernimmt Hartmann-Reisen auch die neue Verbindung Tübingen-Konstanz. „Die Einnahmen sind für uns wichtig“, sagt Hartmann, der immer wieder auch selbst am Steuer sitzt.

Im Bus gibt‘s kostenlos WLAN für Mitreisende

Die meisten Fahrgäste sind Studenten, ist Hartmanns Beobachtung. Mit der Auslastung ist der Busunternehmer zufrieden. Es könne zwar schon mal passieren, dass morgens um Sechs nur eine Hand voll Leute nach Freiburg mitfährt, aber meist seien über 30 der insgesamt 46 Busplätze belegt. Im „Vier-Sterne-Fernreisebus“ gebe es eine Toilette, kostenloses WLAN zum kabellosen Surfen im Internet („Das wird sehr gut angenommen“), von Februar an sollen an den Sitzen 220-Volt-Anschlüsse für Laptops hinzukommen.

Auch ein Tübinger Unternehmer ist in das Fernbusgeschäft eingestiegen. Stephan Kocher, Geschäftsführer von Omnibus Kocher-Lutz, fährt seit ein paar Wochen für das Berliner Unternehmen MeinFernbus.de auf der Strecke Stuttgart-Freiburg (8 Euro). Einen Zwischenstopp in Tübingen macht MeinFernbus.de nicht. Kochers erster Eindruck: „Es läuft ziemlich gut, ist aber noch ausbaufähig.“ Der Busunternehmer sieht sein Engagement im neuen Busmarkt auch als „Zukunftsinvestition“ und: „ein weiteres Standbein“. Ein anderer regionaler Busunternehmer wartet erstmal ab. „Derzeit beteiligen wir uns nicht“, sagt Gunther Haupt von der Tübinger Omnibusfirma Schnaith.

Flughafen-Stopp nicht erlaubt: Amtsschimmel wiehert weiter
Busse von DeinBus.de halten auf ihrer Fahrt von Tübingen nach München auch am Stuttgarter Flughafen. Dort dürfen allerdings nur neue Fahrgäste zusteigen. Eigene Tickets von Tübingen zum Flughafen darf die Firma nicht verkaufen, weil die Strecke bereits von der Schönbuchlinie 826/828 bedient wird. Die braucht dafür eine Stunde – DeinBus.de schafft es über die B 27 in der halben Zeit. Dem schnellen Flughafentransfer stand bisher das Personenbeförderungsgesetz entgegen, das neue Konkurrenz zu bestehenden Linien ausschloss. „Da wiehert der Amtsschimmel“, kommentierte Tübingens OB Boris Palmer diese Regelung seinerzeit. Doch auch die aktuelle Liberalisierung des Fernbusverkehrs bringt keine Änderung: Weil der subventionierte öffentliche Regionalverkehr weiter geschützt werden soll, dürfen Fernbusse auch künftig nur Fahrgäste mitnehmen, wenn Start und Ziel ihrer Reise mindestens 50 Kilometer voneinander entfernt liegen.


24.01.2013 - 12:30 Uhr | geändert: 24.01.2013 - 18:04 Uhr

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