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Im Rathaus wacht der Schoko-Drache

Gestern startete die 4. Tübinger Chocolart

Volle Gassen trotz Dauerregens: Zum gestrigen Start der Chocolart reisten bereits viele Schoko-Fans von nah und fern nach Tübingen. OB Boris Palmer ließ sich gar in Schokolade aufwiegen – die nun an die Tübinger Tafel gespendet wird.

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Volker Rekittke

Tübingen. Aus wilden Oreganoblüten, überzogen mit weißer Mandarinen-Schoko, besteht einer der „süßen Blumensträuße“ im Schoko-Zelt auf dem Marktplatz. „Super Idee“, findet Verena Rühle aus Gärtringen – und eine echte Versuchung. Zum Schnuppern ist sie gestern nach Tübingen gereist, am Samstag kommt sie wieder: „Mit der ganzen Familie.“

Wie viele Schoko-Nikoläuse ist Boris Palmer wohl schwer? Knapp 80 Kilo brachte der OB gestern auf ... Wie viele Schoko-Nikoläuse ist Boris Palmer wohl schwer? Knapp 80 Kilo brachte der OB gestern auf die Waage, den feuchten Mantel inbegriffen. Bild: Metz

„Angenehm überrascht, wie viele Menschen trotz des schlechten Wetters den Weg zu uns gefunden haben“, zeigt sich Chocolart-Mitorganisator Hans-Peter Schwarz vom Tübinger Handel- und Gewerbeverein (HGV). Manche seien sogar aus dem Hessischen angereist – nach Tübingen, das nun bis Sonntag, so Schwarz, „Deutschlands Schoko-Hauptstadt“ ist. Über hundert Stationen, zahlreiche Veranstaltungen und Events gibt’s beim 4. Schokoladen-Festival – mehr bekam das Publikum nie zuvor geboten.

Sogar ein Revoluzzer aus Kärnten ist dabei: „Ich revolutioniere die Fruchtspieße“, gibt sich Wolfgang Marczinyas gänzlich unbescheiden. Banane, Traube, Erdbeere oder Ananas, die Stückchen wahlweise in Vollmilch-, Edelherb- oder weiße Schokolade getunkt: An der „Süßen Oase“ vor dem Stadtmuseum kann man nicht nur Kalorien, sondern auch Vitamine tanken. Neben Chocolatiers aus Österreich, der Schweiz und ganz Deutschland sind auch etliche Tübinger vertreten. Das „Chocolat“ aus der Kirchgasse etwa präsentiert edle Sorten reich verziert: „Erdbeere & grüner Pfeffer“, „Edelweiße mit Rosenblüte“, „Cashew & Curry“.

„Sieht das lecker aus!“, entfährt es einer Betrachterin. Die große Torten-Ausstellung im 2. Rathaus-Stock ist regelrecht umlagert, viele beteiligen sich an der Publikums-Abstimmung. Chocolart-Neuling Andrea Schlotterer aus Esslingen gefällt die Nummer 19 am besten – „die Torte mit der weißen Maus und dem Zauber-Zylinder“. OB Palmer mag es lieber wilder. Nummer 44 ist sein klarer Favorit: ein feuerspeiender Drache mit gelben Flügeln und grünem Haupt.

Vom Oberbürgermeister-Büro auf die Schokoladen-Waage auf dem Holzmarkt. Am Stand der Firma Gubor tut Palmer kund, dass man einen Oberbürgermeister „ja eigentlich nur in Gold aufwiegen kann“. Ok, schwarzes Inka-Gold tut’s notfalls auch. Der OB auf der Waage versucht sein wahres Gewicht zu verschleiern: „Sie wissen ja nicht, was ich alles unter den Mantel gesteckt habe“ – der noch dazu regenschwer auf Palmers Schultern lastet. Knapp 80 Kilo, vorwiegend in Schoko-Nikoläusen, muss Gubor-Geschäftsführer Claus Cersovsky schließlich in die Waagschale werfen. „Das ist plausibel“, findet Palmer: „Die letzte Messung ist schon ein paar Jahre her.“ Und wohin mit dem Naschzeug? „Nach Villa El Salvador!“, plädiert Internationalist Walter Schwenninger für Tübingens Partnerstadt. Doch der OB entscheidet sich für die Tübinger Tafel.

Viele Stände sieht man zum ersten Mal beim Schoko-Festival. Bei der ChocoPost auf dem Holzmarkt stempelt Dagmar Höver in einem fort Briefe und Postkarten ab – mit einem extra für die Chocolart entworfenen Elch-Stempel: „Das läuft super.“ Tüodor heißt der sympathische Elch, der Stempel sowie die Chocolart-Postkarten des HGV ziert. Entworfen wurde das Maskottchen vom Paderborner Künstler Herman Reichold, der gestern in der Galerie Grießhaber in der Hafengasse eine Autogrammstunde gab.

Zum ersten Mal unterwegs auf Schoko-Pfaden ist auch Eva Kappeler. Die Frau aus dem Südbadischen ist derzeit zu Besuch bei ihrer Tochter in Rottenburg. Trotz Dauerregens wollte sie sich den Schoko-Event im benachbarten Tübingen nicht entgehen lassen. „Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hinschauen soll.“ Was sie zuerst probiert, ist klar: „Eine heiße Schokolade wär’ jetzt nicht schlecht.“

Info

Wegen der Chocolart findet der Wochenmarkt heute, am Freitag und Samstag bei der Jakobuskirche statt.

Ich mag Schokolade und find’ Tübingen schön – das in Verbindung ist einfach toll.

Chocolart-Besucherin

Andrea Schlotterer

Morgen Podium „Schokolade und Gesundheit“

Gesundheit und Schokolade, passt das zusammen? Kommt auf die Menge an, fanden die Chocolart-Macher nebst der Reutlinger IHK – und organisierten eine Podiumsdiskussion zum Thema: Schokolade als Heil- oder auch Genussmittel (statt: Vollstopfen um jeden Preis). An der beteiligen sich am morgigen Donnerstag, 3. Dezember, 20 Uhr, im großen Rathaussaal: Top-Chocolatier und Konditormeister Eberhard Schell, Prof. Andreas Fritsche, Leiter der Ernährungsmedizin am Uniklinikum, die Tübinger Ernährungstherapeutin Hiltrud Scheffler sowie Jochen Vetter, Inhaber der Bären-Apotheke. Es moderiert Sonja Schrecklein vom Südwestfunk.

02.12.2009 - 08:00 Uhr | geändert: 02.12.2009 - 08:26 Uhr

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