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Von Socken bis zum coolen Mix

Geheimtipps auf dem Weihnachtsmarkt

Ob warme Socken, tönerne Engel, Schmuck für Haus und Garten, oder auch nordafrikanischer Couscous … Wer auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt nach Geheimtipps fragt, wird durch die ganze festlich geschmückte Altstadt geschickt.

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Uschi Hahn

Tübingen. Cornelia Kluge ist eher zufällig auf den Weihnachtsmarkt mit seinen 400 Ständen und Buden geraten. Doch nachdem sie schon mal in der Stadt war, hat sie am Freitagnachmittag „die Gelegenheit genutzt, die Sockenvorräte aufzufüllen“. Gleich drei Paar hat sie gekauft. Als Geschenk? „Nein“, schüttelt sie den Kopf. „Die sind für mich.“

Gekauft hat sie die Wollsocken bei Inge Zürn und Christel Bauer. Und dabei auch Gutes getan – ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf von Selbstgestricktem spenden die Frauen aus Dußlingen an die Kinderkrebshilfe. Seit 28 Jahren sind die beiden schon auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt. Um den Stand mit Pullis, Schals, Handschuhen und Socken in allen Farben und Größen zu bestücken, stricken bei Bauers und Zürns inzwischen drei Generationen.

Das weiß auch Heide Kehrer zu schätzen. Die 69-Jährige kauft hier „seit 20 Jahren die Socken für meinen Mann“. Der mag nur Handgestricktes an den Füßen, berichtet sie und bekennt ganz offen: „Aber ich selbst kann gar nicht stricken.“

Artikelbild: Geheimtipps auf dem Weihnachtsmarkt Vorbildliche Informationen auf dem Weihnachtsmarkt. Zeichnung: Buchegger

Gert Gussmann hält Ausschau nach seiner Frau, mit der er sich auf dem Weihnachtsmarkt verabredet hat. „Um etwas zu essen und zu trinken, dann müssen wir nichts kochen.“ Er hat schon mal vorgekostet und schwärmt von dem „sensationellen Couscous“, das es in der Kornhausgasse vor dem Stadtmuseum gebe. „Man muss nur etwas nachsalzen.“

Stimmt. Etwas Salz fehlt. Aber das findet sich auf den Stehtischen vor dem Stand von Büro Aktiv. Sonst ist der Gemüse-Eintopf, in dessen Dampf Hartweizengrieß gegart wurde, köstlich. „Die Gewürze sind ganz wichtig“, sagt Maria Margarita, die das Gericht nach einem Rezept ihres aus Algerien stammenden Mannes zubereitet. Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel und Zimt gehören ebenso in den Eintopf wie Rosinen. Das Büro Aktiv verkauft und verschenkt sein Couscous. Obdachlose bekommen die von den Berbern aus Nordafrika stammende Spezialität umsonst. Inhaber einer Bonuscard zahlen nur einen Euro. Alle anderen sponsern mit ihrer Mahlzeit den wohltätigen Zweck. Die Idee findet auch Tübinger Prominenz – vom Oberbürgermeister bis zu Stadträtinnen und -räten, Kulturschaffenden oder der Kaufmännischen Chefin des Uni-Klinikums so gut, dass sie am Stand mithelfen.

Ein paar Meter weiter stehen Evelyn Lindemann und ihr Mann etwas ratlos an der Krummen Brücke. Sie haben ihren Lieblingsstand an der Kelter nicht gefunden. Vielleicht ist der Händler mit den „ganz besonderen Dekoartikeln aus Naturmaterialien ja am Samstag da“, hofft Lindemann. Aber sie hat auf dem Weg hierher schon einen Zweit-Lieblingsstand entdeckt. Schnell wickelt sie einen freundlich grinsenden Engel aus Ton aus einem Stück Zeitungspapier. „Ist der nicht klasse mit seinen Haaren? Ein richtiger Punk!“

Erstanden hat sie den Punkengel in der Neuen Straße bei Regina Heisig-Scheufele. Hunderte von Tonfiguren hat sie im Sortiment: Engel, Vögel, Herzen, Elche, Blumen – manche schmücken Kartenhalter oder Flaschenstöpsel, andere taugen als Blumentopfschmuck. „Alle selbst gemacht“, sagt die 53-Jährige über ihr Hobby. Die Punkengel allerdings sind schon ausverkauft. „Die waren der Renner“, sagt Heisig-Scheufele und lacht. Und ihr Geheimtipp? Nach 28 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt, weiß sie, wann sich das Geschiebe und Gedränge in Grenzen hält: „Am Samstag- und am Sonntagvormittag ist es schön zum Bummeln.“

Weihnachtsschmuck von Wald und Wiese

Den Stand von Ulrike Mang und Elke König in der Hafengasse schmücken unter anderem alte Fassreifen, umwunden mit Mistelzweigen und Efeu, behängt mit Meisenknödeln. Besonders die haben es Ellen Katz angetan. Die Pressesprecherin des Tübinger Uniklinikums findet die weihnachtlich dekorierten Futter-Stationen schon deshalb einen heißen Tipp, weil sie als Katzenhalterin auf jegliche Weihnachtsdeko im Haus verzichtet. Stattdessen wird der Garten geschmückt.

Zweige, Zapfen, Glitzersterne und dazwischen ein paar Meisenknödel: Ulrike Mang aus Bühl (rechts) ... Zweige, Zapfen, Glitzersterne und dazwischen ein paar Meisenknödel: Ulrike Mang aus Bühl (rechts) verkauft ihre Natur-Deko schon seit fünf Jahren auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt. Ihre Freundin aus dem Killertal steuert handbemalte Eichenbretter zum liebevoll dekorierten Stand in der Hafengasse bei. Bild: Sommer

Zum Beispiel mit den Kreationen von Ulrike Mang. „Ich verarbeite Wald und Wiese zu Weihnachtsschmuck“, sagt die Frau aus Bühl. Ihre im Killertal lebende Freundin bemalt alte Eichenbretter mit witzigen Motiven. Seit fünf Jahren kommen die beiden auf den Weihnachtsmarkt, „vor allem, um uns einmal im Jahr zu treffen“, verraten die Schulfreundinnen lachend. Und ihr Geheimtipp? „Der Bahama Mama beim Hockey-Club ist cool, sagen die zwei fast wie aus einem Mund.

Also auf zum Stand des Hockey-Clubs beim Nonnenhaus, wo Robert Böher den mit Rum aufgepeppten Mix aus Bananen, Ananas- und Orangensaft aus dem Kochkessel in die Tasse gießt. „Das ist unser Special-Drink“, sagt Böher, der in dieser Vier-Stunden-Schicht mit vier weiteren Clubmitgliedern hilft, die Vereinskasse aufzubessern. „Warmen Wein mit Gewürzen mag halt nicht jeder.“

Und was findet Henri Gaenz toll auf dem Weihnachtsmarkt? Der Neunjährige muss nicht lange überlegen. Den Stand seiner Aischbachschule natürlich. Manche der Plätzchen, die hier zugunsten von Schulprojekten, aber auch für die finanzielle Unterstützung von Mitschülern aus einkommensschwächeren Familien verkauft werden, hat Henri mitgebacken. Andere Familien haben Quittengelee gekocht, eine Lehrerin hat Mützen gehäkelt. Aber Henri gefällt es auch sonst auf dem Weihnachtsmarkt. „Wegen der Lichterketten überall und weil alles so festlich geschmückt ist“.

Info: Der Weihnachtsmarkt hat am Samstag von 10 bis 21 Uhr und am Sonntag von 11 bis 19 Uhr geöffnet.

16.12.2012 - 08:30 Uhr | geändert: 16.12.2012 - 17:17 Uhr

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