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Lange Schlangen beim Dino

Erster Besuchernachmittag im Institut für Wissensmedien lockte 600 Gäste an

Menschentrauben schoben sich den ganzen Sonntagnachmittag durch das Institut für Wissensmedien: Was man dort an virtuellen Welten erobern konnte, interessierte über 600 kleine und große Leute.

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Veronika Renkenberger

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Tübingen. Draußen auf dem Parkplatz spielten sich herzerweichende Szenen ab. „Wir kommen mal wieder, wenn es nicht so voll ist“, tröstete ein Papa seinen Dreikäsehoch. Tatsächlich: Drinnen im Institut für Wissensmedien brauchte man am Sonntag Geduld. 15 Minuten wartete die neunjährige Ellen, bis sie bei „Wo schaue ich hin?“ an der Reihe war. In drei Reihen quetschten sich Zuhörer um Ellens Stuhl, während Halszka Jarodzka dem Kind das Prinzip erklärte. Und dann ging‘s los: Ellen guckte auf Punkte, Worte, Fußballer und Burgen. Hinterher sah sie dieselben Bilder nochmal – und darin exakt jene Punkte markiert, auf denen ihre Augen geruht hatten. „Wir denken immer, wir sehen ein ganzes Bild“, erklärte Jarodzka. „Dabei machst du nur viele kleine Schnappschüsse, dein Kopf setzt die dann zusammen.“ Beim Wörterlesen, erfuhr die staunende Ellen, hat sie gar nicht alle Buchstaben einzeln angeschaut. „Das Warten, bis ich dran war, hat sich gelohnt.“

Der Guckkasten kostet so viel wie ein Mittelklasse-Wagen. Wer das Gerät vor der Nase hat, sieht ... Der Guckkasten kostet so viel wie ein Mittelklasse-Wagen. Wer das Gerät vor der Nase hat, sieht den Dinosaurier nicht mehr als Skelett auf der Kiste, sondern plastisch herum hüpfen. Kein Wunder, dass die Schlangen zum Dino-Gucken lang waren: Das Institut für Wissensmedien vergab am Sonntag nummerierte Tickets an Wartende. Bild: Faden

Im Nebenraum hüpfte der neunjährige Linus über eine Plastikplane mit Sensoren. „Mathe mit der Matte“ ist ein Projekt des Instituts, das Kindern mehr Orientierung auf dem Zahlenstrahl verschaffen will, indem es Grundrechenschritte mit Bewegung verbindet. Dass Erwachsene auch staunen können, erlebte man am interaktiven Tisch, auf dem man mit dem Finger Fenster groß und klein ziehen konnte: Bilder, Animationen und Filme über Fische, geeignet für Bio-Unterricht oder Museen.

„Den Tisch hätten wir heute mehrfach verkaufen können“, berichtete Prof. Peter Gerjets, der mit Lehrern diskutiert hatte, wie man solche Medien im Unterricht platziert, ohne dass damit nur gespielt wird. Das war auch Thema im Vortrag des stellvertretenden Institutsleiter Stephan Schwan: „Es gibt zwei Gefahren – dass die Animationen mit Unterhaltung verwechselt werden und genutzt werden wie ein Computerspiel. Bei einer animierten Burg beispielsweise ohne Beachtung der historischen Hintergründe. Die zweite ist, dass die Darstellungen zu wörtlich genommen werden, weil sie so realistisch sind. Aber die Animationen sind Hypothesen, keine Fotos.“

Spaß machen sie auf jeden Fall. Die Besucher steuerten virtuelle Autos durch New York City, Straßenzüge wurden eingeblendet. Sie leisteten einer Puppe Erste Hilfe und erfuhren vom Computer, ob ein Mensch diese Hilfe überlebt hätte.

Kinder malten Dinos an, die dreidimensional animiert wurden. Und warteten geduldig ganze Stunden, bis sie endlich den Star des Tags treffen konnten: einen Dino, der dank „Mixed Reality“-Technologie lebensnah durch den Raum stapft. Wegen des Andrangs wurden Tickets mit Uhrzeiten für das fünfminütige Erlebnis verteilt, und das Angebot wurde um eine Stunde verlängert.

Ein Institut für Grundlagenforschung und Lösungen

Das Institut für Wissensmedien in der Konrad-Adenauer-Straße gehört zu den 86 Forschungsinstituten der Leibniz-Gemeinschaft in Deutschland. Sechs Professoren leiten Arbeitsgruppen, die klären, was neue Medien bei der Wissensvermittlung leisten können und was nicht. Hierfür arbeiten die rund 90 Mitarbeiter mit Schulen, Hochschulen und Museen zusammen. Sie leisten Grundlagenforschung und entwickeln medientechnische Lösungen.

08.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 09.03.2010 - 14:23 Uhr
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