Online-Community Twuetopia
Erst getwittert, dann zum Neckar-Reinemachen getroffen
Vergangenen Samstag berichtete das TAGBLATT über den Wasserforscher Julian Kölbel, der herausfinden will, was den Tübingern ein badesauberer Neckar wert wäre. Am frühen Mittwochabend sah man von der Neckarbrücke aus ein paar Leute in Badekleidung und Badeschuhen durchs (sehr trübe) Wasser tappen und herausfischen, was dort nicht hineingehört.
Tübingen. Andere sammelten Unrat vom Insel-Ufer in Müllsäcke. Die Tübinger Twitter-Community „Twuetopia“ ließ Kölbels Idee die Tat folgen und hatte sich per Internet zum Wasser-Reinemachen verabredet. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der Neckar auch zum Baden taugen soll“, sagte Matthias Lehr (links), ein Webdesigner.
„Eine symbolische, aber ernsthafte Aktion“ nannte Initiatorin Stephanie Delz die Säuberung (dritte von rechts, neben Lisa Baumann und Doris Bauer). Die Waldorflehrerin badet seit zehn Jahren im Neckar und beklagt zunehmenden Müll von Touristen, Scherben und Verkehrsschilder im Wasser. Ein Corpus delicti wurde gleich herausgezogen: eine Absperrung des LTT-Sommertheaters.
Michael Bauer kam eigens von Riederich zur Fluss-Putzete. Der 40-jährige gebürtige Tübinger hat beste Erinnerungen daran, wie er sich als Kind in einem Autoschlauch von der Mörikeschule die Steinlach hinunter und bis kurz vors Neckar-Stauwehr treiben ließ. Der Stocherkahnfahrer und Consulting-Unternehmer Oliver Ueltzhöffer (hinten, verdeckt) würde seinen Gästen im Kahn gern „mit gutem Gewissen das Baden empfehlen können“.
Kölbels Fragebogen hatten alle Neckarputzer schon online ausgefüllt. Für einen sauberen Neckar würden sie auch höhere Abwassergebühren bezahlen. Denn, so Ueltzhöffer, „das ist doch ein genialer Naherholungsraum“. upf / Bild: Sommer
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