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Herr Jetter ist der beste Lehrer

Er unterrichtet am Kepi und bekam die höchsten Noten

Seine Fächer sind Mathematik und Physik – nicht gerade die beliebtesten bei Schülern. Dennoch wurde Hartmut Jetter, Lehrer am Tübinger Kepler-Gymnasium, im Internetportal „spickmich.de“ zum besten Lehrer Deutschlands gewählt.

Ulla Steuernagel
Das ist Herr Jetter, er unterrichtet Physik und Mathematik am Tübinger Kepler-Gymnasium und zwar ... Das ist Herr Jetter, er unterrichtet Physik und Mathematik am Tübinger Kepler-Gymnasium und zwar so, dass sich seine Begeisterung auf die Schüler überträgt. Bild: Metz

Tübingen. Hartmut Jetter liegt mit der Note 1,3 an allererster „spickmich“-Stelle und damit weit über der Lehrer-Durchschnittsnote von 2,7. Jedes Halbjahr vergibt „spickmich“ den Superlativ, nun schon zum fünften Mal. Der Preisträger und seine Klasse bekommen eine dreitägige Klassenfahrt zu einem Jugend-Hostel an einem Ort eigener Wahl spendiert.

Besonders wertvoll wird die Benotung dadurch, dass sie ausschließlich von Schülerinnen und Schülern ausgesprochen wird. Unter „motiviert“ und „gut vorbereitet“ bekam „Herr Jetter“ sogar die Höchstnote 1,0. Aber auch bei „guter Unterricht“, „cool und witzig“, „fachlich kompetent“, „faire Noten“ – überall setzte es Einser. Und so wurde Lehrer Jetter zu Deutschlands Toplehrer.

Zwar sind bei „spickmich“, wie uns Geschäftsführer Tino Keller von der Kölner Zentrale auf Nachfrage erklärt, insgesamt 1,6 Millionen Schüler registriert sind und bei der Wahl des aktuellen Toplehrers rund 490 000 Stimmen abgegeben worden. Aber im Einzelfall schrumpft die Wählerschaft auf überschaubare Zahlen von zwanzig bis dreißig Schülern zusammen. In Jetters Fall waren es genau 29 Schüler. Das klingt wenig, sei aber dennoch „eine ganze Menge“, so Keller, und die Erfahrung lehre, dass sich auch bei größeren Wahlbeteiligungen wenig am Notendurchschnitt ändere. Stimmberechtigt sind übrigens immer nur die Schüler der jeweiligen Schule. Außerdem filtere „spickmich“ mit speziellen Algorithmen getarnte Bewertungen oder Kampagnen heraus.

In der Hauptsache Frontalunterricht

Hartmut Jetter, der seit 25 Jahren am Tübinger Kepler-Gymnasium unterrichtet, erwischte die Nachricht gestern mitten im Unterricht. Auch die Schüler der 11 c, in der Jetter als Klassenlehrer Mathe unterrichtet, waren größtenteils noch nicht informiert. Manche von ihnen, die keinen „Spickmich“-Zugang haben, waren an der Wahl gar nicht beteiligt gewesen. Schulleiterin Elke Bleier-Staudt überbrachte also die frohe Kunde und war selber erst kurz vorher durch Anrufe von Medienvertretern informiert worden. Trotz gewisser Skepsis gegenüber „spickmich“ sei sie „ganz arg stolz“ auf ihren Kollegen, der „einen tollen Unterricht“ mache.

Jetter selber nahm die Nachricht recht gelassen entgegen. Eigentlich mache er gar nichts Besonderes, findet der Pädagoge: „Wir kochen alle nur mit Wasser.“ Er sehe seine Rolle wie der „Trainer einer Mannschaft“, er versuche seine Arbeit eben so gut wie möglich zu machen. Der 51-Jährige gehört nicht zu den Pädagogen, die stark auf neue Unterrichtsdidaktik setzen: „Meine Hauptunterrichtsform ist nach wie vor der Frontalunterricht.“ Geübt werde dann schon auch in Gruppen, aber zunächst bemüht sich der Lehrer, den Schülern Erklärungen zu geben und Lösungen zu vermitteln.

Die Noten, die er vergibt, seien nicht besser als die anderer Lehrer, und manchmal erreichten seine Klassenarbeiten auch nur einen „richtig schlechten Schnitt von 3,8“. Das Geheimnis seiner Beliebtheit bei den Schülern scheint also nicht in angenehmer Beurteilung zu liegen, sondern woanders. Jetter liefert schließlich selber die Erklärung: „Ich habe Spaß an meinen Fächern, ich unterrichte gerne und bemühe mich, meine Schüler für Physik und Mathematik zu begeistern.“

Auch weniger begabte Schüler lässt der Pädagoge nicht hängen, er will nicht nur diejenigen fördern, die schon ein Talent für Naturwissenschaften und Mathematik mitbringen, er will auch „in der Breite“ Verständnis und Begeisterung wecken. Jetter richtete deshalb ein virtuelles Klassenzimmer für das Fach Physik ein. In ihm können Schüler auch zu Hause noch spielerisch ihre Probleme und Fragen beackern.

Solche Unterrichtsmethoden und Angebote scheinen auf fruchtbaren Boden zu fallen. Sein letzter Abi-Jahrgang kam in Physik auf einen Traumschnitt von 13,1 bei 15 Höchstpunkten. Und wenn Jetter die üblichen Klagen über die Schüler von heute hört, dann widerspricht er gleich energisch: „Die Schüler sind immer noch wissbegierig und lernbereit, nur manchmal, weil sie heute mehr machen müssen, etwas kaputter als früher.“ Was Jetter vor allem begrüßen würde: kleinere Klassen. Bei 31 Schülern könne ein Lehrer gerade mal 1 Minute und 30 Sekunden pro Schüler aufbringen.

Tanja Stevanovic, Schülerin der 11 a, hatte in der Zehnten Physik bei Herrn Jetter. „Das hat voll Spaß gemacht“, sagt die 17-Jährige. Das Thema Radioaktivität sei durch seinen Unterricht sehr anschaulich geworden. Auch ihre Freunde in der Parallelklasse schwärmten geradezu von ihm: „Die sehen ihn als Physik- und Mathegenie.“

Till Stephan gehört zu der Klasse von Hartmut Jetter, die in den Genuss der Klassenfahrt kommt. Bei „spickmich“ hat er zwar nicht mitgestimmt („ich bin da gar nicht drin“), aber seine Bewertung des Lehrers entspricht den Noten dort: „ein sehr kompetenter Lehrer, sehr sympathisch und meistens gut gelaunt“, lobt der Schüler.

Wohin die Preisreise gehen wird, das ist noch unklar, aber die nächste Klassenfahrt ist schon ausgemacht. Sie geht in den Europapark Rust. Schon wegen der Achterbahn. Er liebe Achterbahnfahrten, gesteht Hartmut Jetter, und betrachtet sie – vor allem bei vielfacher Wiederholung („bis zu 20 Mal“) als Unterricht in angewandter Physik.

31.03.2010 - 08:30 Uhr | geändert: 31.03.2010 - 08:32 Uhr
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