Am vergangenen Freitag stand im TAGBLATT zu lesen, dass Baubürgermeisterin Ulla Schreiber im nächsten Frühjahr, wenn ihre Amtszeit endet, den Dienst quittiert. „Ich hinterlasse ein sehr gut organisiertes Haus“, lautete ihre etwas voreilige Erfolgsbilanz, man habe „viel geschafft miteinander und viel gelacht“. Leider wurde am selben Tag der haarsträubende Pfusch am Mühlstraßen-Bau bekannt: Die Fahrbahn verläuft zu dicht an der Hangmauer. Seither lachen andere. Und dieses Lachen klingt nicht freundlich.
Nein, es wird von einer Baubürgermeisterin nicht erwartet, und vom Oberbürgermeister auch nicht, dass sie mit dem Zollstock in der Hand städtische Baustellen nachmessen. Dafür gibt es Bauleiter und -kontrolleure, die von Abteilungs- und Fachbereichsleitern eingesetzt und beaufsichtigt werden. Gleichwohl trägt am Ende die Baubürgermeisterin die politische Verantwortung dafür, was im Technischen Rathaus geschieht.
Als am Montagabend in einer Ausschusssitzung die Stadträte sich den Pannen-Ablauf – vom Oberbürgermeister und von zwei Bereichsleitern – erklären ließen, da musste man den Eindruck gewinnen, die Baubürgermeisterin stünde außerhalb der Abläufe ihres Dezernats. Sie hatte an keinem der eilig zusammengerufenen Krisengespräche am Donnerstag teilgenommen. Bei dem in der Nacht zum Freitag verfügten Stopp der Beton-Arbeiten hatte sie nichts mitzureden. Das Krisen-Management lief komplett an ihr vorbei. Dass es da überhaupt ein Problem gibt, erfuhr sie nach eigener Auskunft „am Freitagvormittag“. Ganz offensichtlich hatte es niemand für notwendig oder hilfreich erachtet, die Baubürgermeisterin einzuschalten.
Drei ihrer vier Fachbereiche haben direkt mit der Mühlstraßen-Baustelle zu tun: Die Vermesser lieferten die digitalen Gelände-Daten – und maßen die Stützmauer an der dünnsten Stelle. Das fiel den Stadtplanern wie auch den Tiefbauern nicht auf. Niemand bemerkte, dass die Straße der Stützmauer zu nahe kam, obwohl von städtischer Seite mindestens zwei Projektleiter plus ein externer Projektsteuerer den Baufortgang begleiteten und obwohl laut Baubürgermeisterin alle Verantwortlichen, auch sie, sich einmal pro Woche vor Ort zur Lagebesprechung zusammenfanden.
Im Rathaus wurde zuletzt erwogen, angesichts der Qualität der Fachbereichsleiter einerseits und der Schuldenlöcher andererseits die Baubürgermeister-Stelle einzusparen. Nachdem die Stadträte den Bauleuten nun aber das Vertrauen aufkündigten und mit Nachdruck ein funktionierendes Qualitäts-Management fordern, ist das keine gute Idee mehr. Wer bemerkte denn nun die Panne? Es war der Leiter des Stadtverkehrs, der in Sorge um seine Stadtbusse eigenhändig Maß nahm. Das ist übrigens der Mann, der nicht müde wird, vor dem Bus-Engpass am Trautwein-Eck zu warnen. Eckhard Ströbel