Damit die weltbekannten, mehr als 30 000 Jahre alten Eiszeit-Kunstwerke von Wildpferd, Schneeleopard und Mammut die nötige Aufmerksamkeit bekommen, müssen Kelten und Moorsiedler auf dem Schloss zusammenrücken.
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Mario Beisswenger
Tübingen. Im Uni-Museum auf dem Schloss Hohentübingen liegen die frühesten Kunstwerke der Menschheit. Gut möglich, dass jedoch viele Besucher achtlos an ihnen vorbeigehen. Ihr Standort in der Ausstellung, direkt an der Eingangstreppe, scheint improvisiert, als ob die Figuren gerade noch einen Platz gefunden hätten.
Alle wollen den „Eiszeit-Zoo“
Diese Form der Präsentation ging nicht mehr. Um die Eiszeit-Kunst, spöttisch auch Eiszeit-Zoo genannt, weil es überwiegend Tierplastiken sind, reißen sich auch das expandierende Museum in Blaubeuren und Niederstotzingen bei Heidenheim, das einen „Archäopark“ plant. Alle wollen von der Besucher lockenden Attraktion profitieren.
Die Konkurrenz aus den Orten, in deren Nähe man die Kleinplastiken fand, ließen Universität und auch die Stadtverwaltung nicht ruhen. Entzündet hatte sich der Streit an den spektakulären Funden der letzten Jahre: dem Mammut aus der Vogelherd-Höhle bei Niederstotzingen, das als ältestes Kunstwerk der Menschheit gilt, den Schwanenknochen-Flöten und der Venus vom Hohle Fels. „Das hat die Planung befördert“, sagt Prof. Ernst Seidl, Leiter des Tübinger Unimuseums.
Im Wettstreit um die beste Vorstellung der Kunstwerke entwickelte die Stuttgarter Architektin Marina von Jacobs den Vorschlag einer „auratischen Präsentation“ (Seidl). In einem abgedunkelten Raum werden im Kreis 16 Vitrinen mit Innenbeleuchtung, die nur Zentimeter großen Figuren herausheben. Die Erklärungen zu den Figuren bleiben vor der Tür. „Die Didaktik kommt raus“, sagt Seidl.
Das erleichtere auch das naheliegende Konzept, die attraktivsten Objekte gelegentlich auszutauschen – auch mit den anderen Ausstellungsorten. Vereinbart ist dazu aber noch nichts. Gegen den neuen Stall für den „Eiszeit-Zoo“ erhebt sich aber auch Widerspruch. Gunter Schöbel, Direktor des Pfahlbaumuseums in Unteruhldingen und Dozent an der Tübinger Uni, meldete sich per Leserbrief zu Wort. Ihm missfällt, dass ausgerechnet die Pfahlbauten, die gerade den Weltkulturerbe-Status bekamen, nun im Tübinger Museum auf weniger Platz gezeigt werden sollen. Mammut und Wildpferd kommen dann in den Raum, in dem bisher die „Feuchtboden-Archäologie“ auf etwa 70 Quadratmeter Platz gefunden hat. Die muss in den nächsten, kleineren Raum und sich die Fläche mit Objekten aus der Keltenzeit teilen.
Verstehbarer für die Besucher
Für Seidl ist dies eher von Vorteil. Die in der Zahl deutlich reduzierten Funde würden dann besser erklärt: „Das wird aufgewertet und verstehbarer für Besucher.“ Die Vorfahren vom Feder- und Bodensee zeigten sich hier bisher mit vielen Töpfen. „Man kann nicht alles ausstellen“, so Seidl. In Zukunft sollen einzelne Objekte ausgewählt und erklärt werden, wie sie gemacht sind, was zu sehen ist und wie man sie verwendete. Das fehlte bislang in der Schau.