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Joachim Gauck

Ein Sekt auf die Niederlage und weiter gehts

Für Joachim Gauck heißt es jetzt erst einmal durchatmen an der Ostsee. Aber danach will er mit Debattenbeiträgen wieder kräftig mitmischen.

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JOACHIM SCHUCHT, DPA

Am Morgen nach der respektablen Niederlage war er schon wieder unterwegs. Erst um seinen zahlreichen Unterstützern zu danken. Danach hatte sich Joachim Gauck zu einem Empfang der evangelischen Kirche angesagt.

Erst weit nach Mitternacht war für den 70-Jährigen der Wahlkrimi im Reichstag endgültig zu Ende gegangen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, seinem ältesten Sohn und dessen Frau hatte er bei einem Glas Sekt die vergangenen Stunden Revue passieren lassen. "Ja, das war ein schöner Tag. Und es hätte auch anders ausgehen können", zu diesem Fazit sei man gekommen, erzählt der Theologe.

Als fairer Verlierer hatte sich Gauck zuvor gezeigt und Christian Wulff als einer der ersten gratuliert. Heute will er auch zur Vereidigung des neuen Staatsoberhaupts kommen. Gemeinsam mit Wulff wird er danach das Sommerfest im Schloss Bellevue besuchen. Das hatten beide, so oder so, schon vor der Wahl verabredet.

Dankend lehnte Gauck aber Wulffs Angebot ab, sich in einen ständigen Beraterkreis für den neuen Bundespräsidenten einbinden zu lassen. Für gelegentliche Gespräche stehe er aber gern zur Verfügung. Am Wochenende zieht sich Gauck für einige Zeit in seine Heimat in Mecklenburg-Vorpommern zurück. Im Haus seiner Großeltern in Wustrow, wo seine Schwester eine Pension betreibt, will er nach den kräftezehrenden Kandidaten-Wochen ausspannen: Segeln, Bücher lesen und mit dem Fahrrad den Ostseestrand abstrampeln.

Spätestens danach wird man wieder von ihm hören. Er werde weiter kräftig mitmischen, hat der pensionierte Pfarrer bereits angekündigt. Die von ihm mit angestoßene Debatte über mehr Bürgernähe und Glaubwürdigkeit der Politik dürfe jetzt nicht einfach verstummen. Als Vortragsreisender in Sachen Freiheit war Gauck schon vor seiner Kandidatur gefragt. Sein Bekanntheitsgrad hat sich nach der Welle der Begeisterung auch jenseits der Grenzen schlagartig vergrößert. Welche Bühne er letztlich dafür nutzen will, um seinen Ruf als "moralische Instanz" vielleicht noch auszubauen, darauf warten vor allem seine jungen Anhänger gespannt.

02.07.2010 - 08:30 Uhr

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