[X]
 per eMail empfehlen


   

Nah dran am Volleyball-Nationalteam

EM-Qualifikation lockte wenig Besucher

Selten gab es in Tübingen solch ein Sport-Großereignis. Doch die EM-Qualifikation der deutschen Volleyballer am Wochenende in der Paul-Horn-Arena war mäßig besucht. Ein Wermutstropfen für die 150 Helfer des TV Rottenburg.

Anzeige


Fabian Ziehe
Immer wiederkehrende Szene am Wochenende bei der EM-Qualifikation der Volleyballer: das ... Immer wiederkehrende Szene am Wochenende bei der EM-Qualifikation der Volleyballer: das Wischer-Ballett. Bild: Ulmer

Tübingen. „Mein Block, mein Block“, dröhnte es aus den Boxen. Die Fans wippten im Takt, obgleich kaum einer in der Paul-Horn-Arena etwas mit dem Sänger, Gangsterrapper Sido, anfangen konnte. Doch zu Volleyball passte die Zeile prima. So heizten der Hallensprecher und die Fans ein. Und das Deutsche Team dominierte gegen Montenegro am Samstag. Das fünfte Gruppenspiel in Folge verlor es keinen Satz: Souverän qualifizierte es sich für die EM 2011.

Obwohl anders als bei Bundesligaspielen des TV Rottenburg die Tribünen an den Kopfseiten des Feldes eingefahren blieben, gab es Lücken in den Reihen: Nur gut 1200 Fans waren gekommen. Zuvor, als Montenegro Kroatien vom Platz gefegt hatte, sahen einige Hundert zu. „Wir hatten mehr Werbung denn je gemacht, die Presse hat viel berichtet. Aber die Ferien haben wir unterschätzt“, sagte Jörg Papenheim, Manager des TV Rottenburg. Verglichen mit den Länderspielen zuvor – 2007 traten die Frauen gegen Japan, 2009 die Männer gegen Brasilien an – „ist das eine andere Kiste“. Trotz des sportlichen Werts blieben die Fanmassen aus. Der finanzielle Verlust bliebe „überschaubar“, so Papenheim. „Wir klagen auf hohem Niveau. Anderswo würden nur 200 bis 300 Zuschauer kommen.“

Schiedsrichter zum Shoppen ins Outlet

Britta Brisken, die beim Deutschen Volleyballverband die Spiele des Männerteams organisiert, zollte Anerkennung: „Die Rottenburger sind gut vorbereitet.“ Hinsichtlich der Besucher beruhigte sie: Große Gegner seien das noch nicht – verglichen etwa mit den Spielen gegen Vizeweltmeister Polen am Wochenende in Stuttgart. Teams und Offizielle genössen Tübingen: Der Verbandsvorstand tagte vor Ort, die Schiedsrichter aus Polen, Tschechien, der Schweiz und Holland nutzten ihre freie Zeit zum Trip nach Metzingen. „Die waren natürlich im Outlet shoppen“, sagte Brisken.

Die Planung brachte die Macher an ihre Grenzen. 40 Freiwillige helfen bei einem normalen Heimspiel. Für die EM-Qualifikation brauchte man 150 Helfer inklusive Auf- und Abbau. Peter Knobelspieß, der Volleyball-Abteilungsleiter, koordinierte die Freiwilligen. „Bei den Erwachsenen fanden wir überraschend fix Helfer. Ballkinder und Wischer waren schwerer.“ Für diese Jobs benötigte man doppelt so viele junge Freiwillige wie bei Bundesligaspielen – und das in den Ferien. So halfen nicht nur viele aus anderen Abteilungen, sondern auch aus Tübingen und Sindelfingen. Knobelspieß war zufrieden: „Wir sind stolz, ein solches Turnier ausrichten zu können.“

„Man hilft dem Verein, wenn man gebraucht wird. Und ich bin nah am Spiel“, sagte die zwölfjährige Franka Welsch. Als Ballmädchen und Wischerin saß sie am Feldrand, die Spieler ein paar Meter vor sich. „Da schaut man sich etwas ab.“ Zwei Tage half sie, der 13-jährige Marc Weber war gar jeden Tag im Einsatz. „Länderspiele haben strengere Regeln“, erklärte er. Öfter als in der Bundesliga müsse man los, um Schweiß aufzuwischen. Obwohl stets abrufbar, feuerte Marc mit an: Den Ersatzball zwischen den Knien klatschte er auf die Schenkel im Takt zu „We will rock you“.

Ganz nah dran an den Spielern waren die vier Teambetreuer. Die 23-jährige Nadine Späth hatte im Vorfeld als Praktikantin dem Verein geholfen. Nun betreute die Sportmanagement-Studentin aus Künzelsau die Esten. Sie hatte den Zeitplan im Blick, kümmerte sich um Absprachen, sorgte für frische Trikots wie Telefonkarten. „Es macht riesig Spaß. Die Esten sind super lieb und gut organisiert. Aber man muss immer auf Abruf bereit sein.“ Und schnell reagieren: Gerade vorher hatte Späth noch nach der Tasche mit den Handtüchern gesucht, gar schon neue geordert. Da tauchten sie in der Kabine der Kroaten auf – der Busfahrer hatte sie den Falschen in die Hand gedrückt.
Zuschauer von weiter her gab es wenige. Als die Kroaten spielten, sahen rund zehn ihrer Fans zu. Unter ihnen: Stefan Sutic aus Novalja. Er besuchte Tochter und Sohn in Reutlingen und war kurzentschlossen gekommen. „Eine Fahne hat man als Kroate ohnehin immer dabei“, sagte er. Viel anzufeuern gab es nicht: Die Kroaten verloren klar. „Ich bin etwas traurig“ sagte Sutic. Nach dem Spiel plauderte er mit Spielern. „Kroatien ist klein, wir kennen die Hälfte der Spieler.“

Spitzenvolleyball für leidgeprüfte Fans

Etwas weiter saß André Scheffels aus Remscheid mit Frau und Sohn, allesamt Hobby-Volleyballer. „Wir schauen uns das Nationalteam an, wenn es sich ergibt.“ Das Wochenende bot sich an, am Mittag bummelten sie durch die Altstadt, ein netter Kurzurlaub. Die drei Remscheider sind leidgeprüfte Fans: Der nächste Bundesligaverein, die Wuppertal Titans, sind aus dem Oberhaus abgestiegen. „Da war es dieses Wochenende toll, Spitzenvolleyball zu sehen.“

31.05.2010 - 08:00 Uhr | geändert: 04.06.2010 - 15:24 Uhr
Anzeige


Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T�bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Anzeige


Anzeige


Ihr Kontakt zur Redaktion

Single des Tages
Anzeige
Testbericht.de - vergleichen Sie über 100.000 Produkte mit Tests und Preisangeboten.