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Ein neuer Stall fürs Pferdchen

Die weiteren Pläne des Tübinger Unimuseums

Die weltberühmten Eiszeitfiguren sollen im Unimuseum auf Schloss Hohentübingen in ein besseres Licht gerückt werden. Unter anderem dafür sind Umbauarbeiten erforderlich, mit denen Ende Februar begonnen wird. Prof. Ernst Seidl berichtet im TAGBLATT-Gespräch von weiteren Planungen.

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Hans-Joachim Lang
Vor genau drei Jahren sammelte man im Schloss mit einer kurzfristig arrangierten Sonderausstellung ... Vor genau drei Jahren sammelte man im Schloss mit einer kurzfristig arrangierten Sonderausstellung erste Erfahrungen, die Eiszeitkunst zu inszenieren. Archivbild: Metz

Tübingen. „Wir haben einen ziemlich straffen Zeitplan abgesteckt“, sagt Museumsleiter Ernst Seidl. Seit einem halben Jahr laufen die Vorbereitungen für den Umbau. Derzeit werden die weltältesten Kunstwerke noch recht unspektakulär präsentiert. Zudem werden die Besucher, die sich für die Sammlungen im Schloss interessieren, zu Beginn des Rundgangs nicht orientiert, was sie erwartet. Das soll sich nun ändern.

Ernst Seidl Ernst Seidl

Mit Unterstützung der Stuttgarter Ausstellungsarchitektin Marina von Jacobs, die vor 15 Jahren auch bei der Einrichtung des Museums beteiligt war, und dem Landesamt für Vermögen und Bau geht es demnächst an die Umgestaltung. In dem Vorraum, wo jetzt noch Eiszeitfiguren wie das Pferdchen aus der Vogelherdhöhle stehen, soll ein Bezug zu Tübingen und zum Schloss hergestellt werden. Seidl: „Dort wird auch erklärt, was die Besucher auf ihrem Rundgang vorfinden werden.“

Neu eingerichtet werden die beiden ersten Räume im ersten Obergeschoss des Museumsrundgangs. In den vorderen Raum sollen die 35 000 Jahre alten Elfenbeinfiguren aus dem Aurignacien einziehen. „Sie bekommen eine auratischere Installation“, kündigt Seidl an. Damit umschreibt der studierte Kunsthistoriker eine besondere Präsentation, die den Betrachtern die Einzigartigkeit der Fundstücke aus der Schwäbischen Alb auf den ersten Blick erfassen lässt. Der nächste Raum fasst zwei Schwerpunkte der jüngeren Ur- und Frühgeschichte zusammen: Artefakte aus Pfahlbausiedlungen, die jüngst ins Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen wurden, sowie solche aus keltischen Siedlungen wie der Heuneburg.

Das neue Konzept soll noch stärker ins Bewusstsein rücken, dass im Schloss außer den prähistorischen Höhepunkten noch andere Kostbarkeiten zu sehen sind. „Wir haben eine altägyptische Grabkammer“, lenkt Seidl die Aufmerksamkeit auf ein außergewöhnliches Exponat und erwähnt selbstbewusst: „Die nächste von hier aus gesehen befindet sich im Louvre, ist aber ein bisschen blasser als die Tübinger.“ Ebenso wie ein altägyptischer Sarkophag, dessen Deckel mit einer nur selten überlieferten Sternuhr dekoriert ist, gehört die Kammer zu den Schenkungen des Stuttgarter Mäzens Ernst von Sieglin, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts den Grundstock der Ägyptologischen Sammlung bildeten.

Ihm wird eine Ausstellung im Rittersaal gewidmet sein, mit der am 10. Mai kommenden Jahres die Wiedereröffnung mit einem altägyptischen Feuerwerk flankiert wird. „Dazu werden erstmals auch klassisch-archäologische Sammlungsstücke in Tübingen zu sehen sein, die der durch die Vermarktung von Seifenpulver wohlhabend gewordene Industrielle Ernst von Sieglin dem Albertinum in Dresden und dem Stuttgarter Landesmuseum gestiftet hat.“

Seidl wird nicht müde zu betonen, wie wenig durchdacht Vorschläge seien, die spektakuläre Eiszeitkunst zu isolieren und flüchtigen Betrachtern an innerstädtischen Plätzen wie im Erdgeschoss des ehemaligen „Löwen“ (gegenüber dem Stadtmuseum) oder in einem umgebauten Pfleghofsaal vorzuzeigen. „Die öffentliche Hand kann es sich nicht leisten, die Schloss-Sammlungen zu zerhäuseln, denn dazu wird ja auch eine Infrastruktur benötigt.“ Und überhaupt: „Gehört das Schloss nicht auch zur Stadt? Es gibt keinen nobleren, herausgehobeneren Ort für solche Highlights. Man sollte ihn aber nicht verstecken, sondern ausschildern. Und statt in der Mühlstraße eine Himmelsleiter ins Nirgendwo zu bauen, hätte man von der Haaggasse aus einen Aufzug bauen können, der zum Schloss führt.“

Ernst Seidl leitet das Unimuseum seit drei Jahren. In dieser Zeit hat sich die Idee, die Universitätssammlungen dezentral unter einem organisatorischen Dach zu führen, gefestigt. Mehr als drei Dutzend Sammlungen von unterschiedlicher Größe sind in Tübingen vorhanden, darunter welche, die leicht mit dem Landesmuseum konkurrieren könnten. „Wir haben mit die meisten und größten universitären Sammlungen in Deutschland“, schwärmt der 50-jährige Museumsleiter. Auch andere Universitäten beginnen, ihre Schätze neu zu bewerten und sehen in der Tübinger Dach-Konstruktion ein Vorbild. „Kein Institut muss befürchten, dass ihm etwas weggenommen wird“, unterstreicht er die Vorteile einer dezentralen Konzeption. „Ich möchte nicht die Neue Aula ausräumen und einen Louvre reinbauen. Das würde die Seele der Sammlungen tangieren, denn sie haben noch Funktionen in Lehre und Forschung.“

Sobald die Geowissenschaften, wie in der mittelfristigen Campus-Planung auf der Morgenstelle vorgesehen, einen Neubau beziehen, ließe sich in der Sigwartstraße 10 die Paläontologische Sammlung mit der Mineralogischen Schau- und Lehrsammlung (derzeit Wilhelmstraße 56) und der Zoologischen Schausammlung (Sigwartstraße 3) zu einem Naturkundlichen Museum vereinen.

Ein weiterer Stein, auf den Ernst Seidl bauen möchte, ist ein Gebäude für attraktive Wechselausstellungen, das fußläufig zu erreichen ist. „Ein wunderschöner Ort dafür wäre der ebenerdige Saal in der Alten Aula neben der Stiftskirche.“ Große Hoffnungen macht er sich darauf jedoch nicht. Um so stärker setzt er – im Einklang mit dem Rektorat – auf die Flachbauten in der Wilhelmstraße („Kommödle“) auf dem Terrain der Museumsgesellschaft. Hier könnte ein Neubau auf die erforderliche Infrastruktur abgestimmt werden. Seidl: „Dieser Standort würde die historische Innenstadt an die Universitätsachse anbinden. Abgesehen davon, dass die Museumsgesellschaft damit ihrem Namen auch noch Ehre machen würde.“

28.12.2011 - 08:30 Uhr

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