Bei einem Vortrag im Tübinger Kulturamt zeigte Prof. Axel Friedrich auf Einladung des Grünen-Abgeordneten Winfried Hermann, welchen Einfluss Ruß auf das Klima nimmt.
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Sascha Geldermann
Tübingen. Im Gegensatz zu Kohlenstoffdioxid wird Ruß nur selten als Klimagefahr bewertet. „Ein Fehler“, sagte Prof. Axel Friedrich bei seinem Vortrag im Kulturamt, „Ruß ist für unser Klima eine viel größere Gefahr.“
Der ehemalige Leiter der Abteilung „Verkehr und Lärm“ im Umweltbundesamt hielt am Mittwochabend auf Einladung des Grünen-Bundestagsabgeordneten Winfried Herrman einen zweistündigen Vortrag zum Thema Rußpartikel. Diese belasten das Klima vor allem dadurch, dass sie Sonnenlicht absorbieren.
„Das sollte gerade in Europa ein großes Thema sein, da wir uns global gesehen nah an der Arktis befinden“, erklärte Prof. Friedrich. Der Westwind trägt die Partikel von Europa über Russland bis zur Arktis, wo sie das Eis schwarz färben. Durch die dunkle Verfärbung absorbiert das Eis mehr Sonnenwärme, was das „Schmelzen der Polkappen“ und die globale Erwärmung beschleunigt.
Während seines Vortrages zeigte Friedrich einen kurzen Film. Dieser verdeutlichte die Auswirkung von Ruß auf das „Schmelzen der Polkappen“ mit einem kleinen Experiment. Dabei wurden zwei Gewächshäuser mit Eis gefüllt und einem der beiden Ruß zugeführt. Das Eis in dem durch Ruß beeinflussten Gewächshauses färbte sich schwarz und schmolz schneller als in dem unbeeinflussten.
Die Auswirkungen der globalen Erwärmung sind auch in Baden-Württemberg zu spüren. „Einige Apfelsorten wachsen hier schon nicht mehr“ sagte Winfried Hermann dazu und warnte: „Auch von Überschwemmungen wird unser Bundesland nicht verschont bleiben.“
Für die Eindämmung von Rußpartikeln nannte Prof. Axel Friedrich eine einfache Lösung. „Hätte die Bundesregierung ihre Ausgaben für die Abwrackprämie lieber darin investiert, dass alle Dieselautos mit Rußpartikelfiltern ausgerüstet werden, hätte sie einen weitaus größeren Einfluss zum Umweltschutz geleistet“, sagte er. Die Partikel würden schließlich fast vollständig in den Filtern hängen bleiben. Nach einer bestimmten Kilometerzahl erhitzen sich die Filter dann so sehr, dass der Ruß sauber verbrannt werde.
Auch abseits der Straße gibt es viele Maschinen, die Ruß ausstoßen. Gerade in den letzten Monaten waren in Tübingen viele Baumaschinen im Einsatz. „Im Gegensatz zur Schweiz haben diese in Deutschland keinen Rußfilter“, kritisierte Friedrich. Während in zahlreichen Bereichen Tübingens einerseits keine Autos ohne Umweltplakette fahren dürfen, stoßen dort anderseits Baumaschinen also ungefiltert Ruß aus.
Nach dem Vortrag fragte eine Zuschauerin, was sie selbst gegen Ruß tun könne. Neben der Ausstattung des eigenen Dieselautos mit einem Rußfilter empfahl Friedrich auch, statt eines offenen lieber einen geschlossenen Kamin ins Haus einzubauen. Winfried Hermann war etwas enttäuscht darüber, das gerade einmal 15 Zuhörer kamen, sagte aber auch: „Wenn Sie sich nach dem Vortrag alle mehr für die Umwelt einsetzen, hat er sich auf jeden Fall gelohnt.“