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Die Lounge im Blauen Turm schließt, um wieder aufzuerstehen

Die schöne Braut lebt weiter

Es war eine ausgemachte Sache, dass der Blaue Turm zum Jahresende schließt. Der Zehnjahres-Mietvertrag, den die Besitzer Ulf Siebert und Stefan Schwend für ihre Lounge-Bar geschlossen hatten, lief aus und wurde nicht verlängert. Nun geht es doch weiter: Mehr als doppelt so groß und mit neuem Konzept.

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Tübingen. „Silvester ist definitiv der letzte Abend, an dem der Blaue Turm geöffnet hat“, sagt Ulf Siebert, einer der Betreiber der Lounge an der Blauen Brücke. Doch das endgültige Aus der großstädtisch angehauchten Bar ist die Silvesternacht nun doch nicht. Siebert nämlich hat sich an seine Miet-Nachfolger gewandt. „Eigentlich bat ich darum, zur Untermiete weitermachen zu dürfen, denn die Braut ist schön“, sagt er.

Nach wochenlangem Schweigen kam dann ein Angebot, das Siebert nicht ausschlagen wollte: Als gleichberechtigte Partner werden nun er und sein bisheriger Turm-Compagnon Stefan Schwend auf der einen Seite sowie die neuen Mieter aus Stuttgart („Wir agieren nur im Hintergrund“, sagte einer der beiden neuen Partner gegenüber dem TAGBLATT) auf der anderen Seite den neuen Blauen Turm betreiben. Vor einer Woche erst wurde diese Partnerschaft notariell besiegelt.

Ulf Siebert (links) und sein Geschäftspartner Stefan Schwend machen den Blauen Turm erst zu, dann ... Ulf Siebert (links) und sein Geschäftspartner Stefan Schwend machen den Blauen Turm erst zu, dann wieder auf. Bild: Sommer

Das neue Lokal im Blauen Turm wird mehr als doppelt so groß wie bisher. Unter der rund 170 Quadratmeter großen Lounge nämlich befindet sich ein gut 300 Quadratmeter großes Untergeschoss. Es gibt sogar eine alte Treppe hinunter – „da brauchen wir nur den zugemauerten Zugang frei machen, das ist eine Sache von einem Tag“, sagt Siebert. Gestern trugen er und Schwend die letzten noch vorhandenen Gegenstände aus dem Keller.

Gleich im neuen Jahr wird mit dem Umbau des Untergeschosses begonnen. Aus ihm wird ein Club, mit Musik zum Tanzen, puristischer Einrichtung und einem Raucherbereich. Siebert will „viel mit Licht machen“ – den Raum in ein Orange oder ein Lila tauchen, eine Waldstimmung erzeugen oder mit verschiedenfarbigen Lichteffekten Decke, Wände und Boden gestalten. Später soll das Untergeschoss zwei- bis dreimal in der Woche geöffnet sein. „Aber man kann es auch mieten – für ein Studentenfest, für eine Hochzeit oder sonst zum Feiern.“ Auf einer Bühne wird es Kleinkunst geben, auch für ein Podium oder eine Lesung soll sich der Bereich eignen. Die Zusammenarbeit mit dem Jam-Club ist bereits in die Wege geleitet.

Während des Keller-Umbaus bleibt die Lounge im Erdgeschoss geöffnet, allerdings erst ab Februar und nur hin und wieder. Die immer gut besuchte 90er-Fete wird es weiterhin geben, aber auch DJ-Events. Ist das Untergeschoss fertig, wird der Club oben zu einer „wertigen Event-Gastronomie“ umgebaut. In der soll es ruhiger zugehen als bisher, eine großstädtisch anmutende Location mit Polstermöbeln soll es aber bleiben. „Die Leute können etwas trinken und eine Kleinigkeit warm essen und später, wenn sie wollen, im Keller unten abtanzen“, schildert Siebert seine Idee. Auch kleinere Veranstaltungen seien im Erdgeschoss denkbar. „Ich will einen Raum schaffen, in dem es Spaß macht, einen schönen Abend zu verbringen.“

Ausgehkultur ist ein weicher Standortfaktor

Ein solcher Ort fehle in Tübingen. „Dabei gibt es dafür einen Riesenbedarf“, ist sich Siebert sicher. Immerhin leben 27 000 Studenten in der Stadt, „und es gibt so wenige gute, professionelle und schöne Räume, wo man gerne hingeht und wo man sich auch gerne verführen lassen kann.“ Immerhin sei Tübingen ja eine Elite-Uni – „da braucht man schon ein Prädikatskonzept fürs Ausgehen“.

Am 15. April, pünktlich zu Semesterbeginn, wollen Siebert, Schwend und ihre Stuttgarter Partner den Blauen Turm neu eröffnen. Und damit einen Teil einer großen Lücke schließen. Nachdem das Zentrum Zoo und der Club Mancuso in diesem Jahr dichtgemacht haben, wurde vielfach der Mangel an Nachtleben in Tübingen kritisiert. Siebert formuliert es so: „Wir haben in Tübingen richtig gute klassische Musik, hervorragende Lesungen und Ähnliches – aber zum Spaß haben fahren die Leute sehr häufig nach Stuttgart.“ Dabei sei das Nachtleben gerade für eine Studentenstadt ein „ungeheuer wichtiger weicher Standortfaktor“.

Gebaut wurde der Blaue Turm 1965. Bauherr war die „Iduna Vereinigte Lebensversicherung“, die das Grundstück von der Stuttgarter Hofbräu AG gekauft hatte (was die Schriftzüge am Haus erklärt). In die beiden untersten Etagen zog das Kaufhaus Baro ein, „mit Supermarkt und Snackbar“ so die Werbung. Die oberen Etagen wurden an die Universität und an Firmen als Büros vermietet. In den Jahrzehnten danach wechselten die Mieter. Ins Erd- und Untergeschoss zog nach Baro zuerst ein Schreibwarengeschäft ein, später verkaufte Piano Stopper Klaviere und Flügel. Vor zehn Jahren mieteten Ulf Siebert und Stefan Schwend das Erdgeschoss für ihre Lounge-Bar. Die oberen Geschosse mietete in diesem Jahr die Stadtverwaltung als Übergangsdomizil, das sie während der Renovierung der Rathäuser nutzt.


28.12.2012 - 17:30 Uhr | geändert: 29.12.2012 - 08:38 Uhr

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