Die neue Betonpiste in der Mühlstraße um keinen Zentimeter schmäler als vor dem Umbau? Die neue Lage also nicht halb so dramatisch wie Kritiker, Spötter und Bös-meinende behaupten? Die Tübinger Stadtverwaltung hat seit dem Sommer die immer gleichen Antworten für alle, die ob der nur sechs Meter breiten neuen Straße kopfschüttelnd am Bauzaun stehen. Das Gleiche erwiderte der Oberbürgermeister auch jetzt wieder, da sich beim Fahrversuch gefährliche Engstellen zeigten – worüber nicht nur seine Gegner entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.
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Eckhard Ströbel
Das Argument der gleichbreiten Fahrbahn ist richtig und falsch zugleich. Richtig ist: Zwischen dem Bordstein auf der Schulbergseite und der Fahrbahnmarkierung am gegenüberliegenden Rand lagen tatsächlich nur ungefähr sechs Meter. Hinter dem weißen Strich kam allerdings ein ungefähr meterbreiter Streifen für Radfahrer und Lieferwagen dazu. Erst dahinter, mindestens sieben Meter vom Schulbergende entfernt, trennte der Bordstein die Straße vom Gehweg.
Das wurde beim Umbau geändert: Der Bordstein rückte vor. Er bildet jetzt die Kante zwischen der betonierten Fahrbahn und einem einheitlich gepflasterten Bereich, den sich Fußgänger, Radler und Lieferfahrzeuge teilen müssen. Soweit man das jetzt – bevor Lampenmasten installiert, Bäume gepflanzt und Autos be- und entladen werden – beurteilen kann, macht das den Straßenraum optisch breiter.
Wenn in der alten Mühlstraße Fahrzeuge den weißen Trennstrich überfuhren, was oft genug geschah, war dies erwartbar, blieben sie doch in ihrem, dem asphaltierten Bereich und überfuhren nicht den Bordstein. Wenn aber in der neuen Mühlstraße Autos ihre Spur verlassen, dann überfahren sie sogleich den Bordstein und dringen in den gepflasterten Raum ein.
Die Oberfläche dort wurde nicht zufällig ganz anders gestaltet, sondern ist als Zeichen für die Sicherheit der Fußgänger und Radler von großer Bedeutung. Das Fatale daran ist, dass dieses Zeichen, ebenso wie jenes des Bordsteines, nun nicht mehr zuverlässig gelten soll, weil man wegen übersehener Engstellen Fahrzeugen das zeitweilige Überfahren der nur noch scheinbar eindeutigen Grenze erlauben muss.
Jede oberflächlich aufgebrachte Markierung, wie jetzt vorgesehen, wird in Konkurrenz zum stärkeren Zeichen von Bordstein und Belag treten und Unsicherheit stiften. Wenigstens an den Engstellen sollten die Bordsteine darum so schnell wie möglich auf eine nicht zu überfahrende Linie zurückversetzt werden – nicht erst, wenn etwas passiert ist.
Wenn die Verantwortlichen im Rathaus daraus nicht lernen, dass es zu riskant ist, auf Kante zu nähen, dann muss einem für die Planung von Trautwein-Eck und Zinser-Dreieck bange werden. Sie sollten künftig weniger Computer-Simulationen trauen, stattdessen mehr auf Leute aus der Praxis hören – auf Busfahrer zum Beispiel.