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Tübingen

Die ältesten Brüste der Welt: Video vom Sensationsfund

Nackt und bloß lag sie im Blitzlichtgewitter der Fotografen, die älteste bekannte Frauenfigur der Welt. Am Mittwochmittag stellte der Urgeschichtler Nicholas Conard den Sensationsfund von der Alb der Presse vor.

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Ulla Steuernagel

Tübingen. Zwei Bodyguards waren zu ihrer persönlichen Sicherheit vor Ort. Noch nie hatten sie auf eine Venus aufgepasst, schon gar nicht in dieser Alterskategorie. Als nach der Pressekonferenz Studierende, Dozenten – und wer sonst noch mitbekommen hatte, dass ein Blick auf die Frauenfigur vom Hohlen Fels an diesem Tag zu erhaschen war – als also viele Besucher ins Fürstenzimmer strömten, da stellten sich auch Klaus Niederwieser und sein Kollege in die Reihe. Die beiden Polizisten wollten schließlich wissen, für wessen Sicherheit sie zu sorgen hatten.

Um 11.15 Uhr war Prof. Nicholas Conard mit einem Kosmetikkoffer ähnlichen Gepäckstück ins Fürstenzimmer des Schloss Hohentübingen gekommen. Die Spannung unter den rund vierzig Teilnehmern der Pressekonferenz war groß, doch der silberne Koffer sollte erst zwanzig Minuten später geöffnet werden. Bevor das bis dahin gut verschlossen gehaltene Original seine Aura entfalten konnte, stillte Maria Malina, Leiterin der Grabung am Hohlen Fels bei Schelklingen, die Neugier mit einigen, gut ausgeleuchteten Fotos des Medienstars.

Anders als die „Venus von Willendorf“, die genau hundert Jahre vor ihr gefunden wurde, hat die Hohle-Fels-Venus noch nicht einmal die Andeutung eines Kopfes. An seiner Stelle ist nur eine Öse, die, wie auch ihre polierte Rückseite, auf eine Nutzung als Anhänger hinweist. „Wir können davon ausgehen, dass sie getragen wurde“, befand Conard. Ob die Figur mit den eindeutigen Geschlechtsmerkmalen von Mann oder Frau umgehängt und als Sex- oder Fruchtbarkeitssymbol verstanden wurde, das gehört in den Bereich der Spekulation. Er jedenfalls, so Conard, sei vor 40.000 Jahren nicht dabei gewesen.

Artikelbild: Die ältesten Brüste der Welt: Video vom Sensationsfund Grabungstechnikerin Maria Malina mit dem Foto der Venus von der Schwäbischen Alb .

Was die Gegenwart betrifft, betonte Unirektor Bernd Engler, dass die Universität „unendlich stolz“ sei, dass „unser kleiner Tierpark bereichert wird und zwar nicht durch eine weitere Tier-, sondern durch eine Frauenfigur“. Aus dem Wissenschaftsministerium war Klaus Tappeser zur Vorstellung der „Venus vom Hohlen Fels“ nach Tübingen geeilt. Er erinnerte daran, dass erst vor kurzem das Mammut – mit einem Alter von etwa 35.000 Jahren gesegnet – von den Tübinger Forschern am Vogelherd gefunden worden war: „Sie sind eine Perle in der wissenschaftlichen Exzellenz unseres Landes“, lobte er Conard und seinen Mitarbeiterstab.

Die Frauenfigurette wird nun dem Mammut, das im Sommer 2006 am Vogelherd gefunden wurde, möglicherweise sogar die Schau stehlen. „Für die Fachwelt“, da war sich Conard sicher, „ist die Frauenfigurine bedeutender.“ Fürs Publikum werden wohl beide die Stars der großen Landesausstellung „Eiszeit¨– Kunst und Kultur“ sein, die Mitte September in Stuttgart eröffnet wird.

Artikelbild: Die ältesten Brüste der Welt: Video vom Sensationsfund Prof. Nicholas Conard (rechts) hält in seiner weiß behandschuhten Hand die älteste bekannte Frauendarstellung der Menschheit. Auf etwa 40 000 Jahre wird ihr Alter geschätzt, womit sie sich allergrößtes Medieninteresse verdient hat. An der Pressekonferenz nahm auch Unirektor Bernd Engler (links) teil.

Das wird dann etwa ein Jahr nach dem Tag sein, an dem das Grabungsteam am Hohlen Fels bei Schelklingen sechs bearbeitete Elfenbeinstückchen fand. Das wesentliche Stück der Venus, ihr Rumpfteil, wurde am 9. September gefunden. Doch bei der ihm häufig gestellten Frage, was für ein Gefühl das damals war, muss Conard passen: „Ich war nicht dabei. Ich hab‘s gar nicht entdeckt!“

Das erste Stückchen entdeckte eine Studentin in einem Sediment, das dem Aurignacien zugeordnet wird. Grabungsleiterin Maria Malina war dann dabei, als die restlichen Puzzleteilchen gefunden wurden, die sich zu einer Frauenfigur zusammensetzen ließen. Conards erste Reaktion, der gerade auf einer Tagung in Frankfurt war und per Telefon von der Sensation erfuhr: „Ich war sprachlos!“ Auch seine Kollegen seien komplett sprachlos gewesen.

Artikelbild: Die ältesten Brüste der Welt: Video vom Sensationsfund

Denn bislang kannte man noch keine ähnlich alten Frauenstatuetten Die ältesten hatten die Forscher in der Zeit um 30.000 angenommen. Die neueste Venus hat aber wohl 10.000 Jahre mehr auf dem Buckel. Die Indizien für diese laut Conard „sehr, sehr sorgfältig“ geprüfte Annahme liefert zunächst einmal die Fundstelle, durch sie ist die Figur im frühesten Aurignacien zu verorten. Unmöglich sei, so versicherte Conard, dass der drei Meter unter der Höhle und etwa 20 Meter vom Hohle-Fels-Eingang entfernte Findling im Laufe der Jahrtausende von oben nach unten gesackt sei.

 

Mehr zum Sensationsfund finden sie auf den Seiten der SÜDWEST PRESSE.

14.05.2009 - 18:30 Uhr | geändert: 18.09.2009 - 11:15 Uhr
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