Mut zur Farbe beim großen Ball in den Tübinger Museums-Sälen
Die Gesellschaft treibt's bunt
Von wegen „black tie“: Blassrosa – und hellgrün! Frühlingshaft waren die Farben des diesjährigen Balls der Museumsgesellschaft. „Mit diesem Motto habe wir gewiss einige in Verlegenheit gebracht“, bekannte Georg Braungart schelmisch.
Der Vorsitzende der Tübinger Museumsgesellschaft empfing am Samstag rund 150 Gäste bei Tübingens großer Ball-Veranstaltung. Er selbst ging tapfer voran: rosa Fliege. „Ich habe vorher eine Weile im Internet gestöbert“, sagte der Universitätsprofessor.
Volle Tanzfläche beim Ball der Tübinger Museumsgesellschaft: Ministerialdirektor Klaus Tappeser mit seiner Frau Priska (Bildmitte). Rechts im Hintergrund tanzt Klinikumsdirektor Michael Bamberg, ganz links der ehemalige Uni-Impresario und Ehrenbürger Helmut Calgéer. Bild: Sommer
Die Gäste der Gesellschaft interpretierten die Vorgaben kreativ. Hellgrüne Stolas, blassrosa Gürtel. Doris Walters Frisur schmückten kleine rosa Federn. Ihr Mann, Landrat Joachim Walter, machte bella figura mit grüner Krawatte zwischen vielen Smokingträgern. Pflichttermin? „Nun ja, im Grunde bin ich ja ein passionierter Nicht-Tänzer!“ Die Kleidung, die Musik und immer wieder die Frage: Wer tanzt? Und wer versteckt sich in der winkligen Architektur der Museumssäle? „Pfeiler sind die Rückendeckung der Mutlosen!“ hatte Georg Braungart zuvor schon einmal vorbeugend proklamiert.
Unbegründet, wie sich zeigte: Schon beim ersten Walzer waren die Tische wie leer gefegt. Das Parkett war bestens gefüllt – auch mit passionierten Nicht-Tänzern. „Machen sich Anzeichen von Überhitze bemerkbar“, hatte Braungart zuvor gewarnt, „ist im Namen der Hygiene und Ästhetik Zurückhaltung geboten.“ Tipps aus dem Jahre 1928, ironisch zitiert aus „Der vollendete Adam“. Am Samstag hielt sich kaum jemand daran. Schon früh am Abend flogen die Gäste zu Rock-Nummern über die Tanzfläche.
Hellgrün und blassrosa: Das Motiv des Balls fand sich auch im opulenten Blumenschmuck wieder, der die Gäste vom Treppenaufgang über die vorderen Räume bis vor die Bühne begleitete. Hohe Orchideen-Kompositionen standen auf den einzelnen Tischen. „Ich wollte eine Blume, die ausschwingt und eine gewisse Leichtigkeit mitbringt“, sagte Floristenmeisterin Monika Haug. Seit Jahrzehnten gestaltet sie das Ambiente des Balls gemeinsam mit ihrem Mann. „Inzwischen sind wir bestens aufeinander eingespielt“, ergänzte Werner Haug. „Und mit wachsender Erfahrung haben wir bei der Gestaltung viele Freiheiten.“ Lichtinstallationen von „Illuminist“ Peter Grotz gaben den Sälen zusätzlichen Glanz. Die Band „Südlich von Stuttgart“ spielte stark auf, Zauberer „Frascatelli“ sorgte für Kunststückchen.
Rund 320 Mitglieder hat die Tübinger Museumsgesellschaft derzeit. „Das Einstiegsalter liegt bei ungefähr 50 Jahren“, sagte Elke Dittrich vom Büro der Gesellschaft. Obgleich die Teilnahme jedermann offensteht, funktioniere viel über persönliche Bekanntschaft. Auch beim Ball selbst. Wer nicht ausdrücklich angeschrieben wurde, war auf die Einladung eines Mitglieds angewiesen. „Bei aller Vielfalt in der Museumsgesellschaft soll der jährliche Ball zumindest ein wenig exklusiv bleiben“, sagte Georg Braungart. Wer sich als Mitglied für die Aktivitäten und die Gebäude des Vereins einsetze, solle dafür mit der Teilnahme am Ball belohnt werden.
Tübingens „heterogene Bürgerschaft“ will die Museumsgesellschaft verbinden. Auf dem Ball tanzten Handwerker und Professoren. „Es ist ein Wandel spürbar“, sagte Monika Haug. „Viele Menschen wollen sich wieder schick machen und tanzen. Mich freut das. Eine richtige Ballkultur tut jeder Stadt gut.“