Lisa Federle, 49, ist Leitende Notärztin, Kreisverbandsvorsitzende des Roten Kreuzes, Stadträtin in Tübingen. Sie hat vier Kinder. Mitglied der CDU ist sie seit November 2009. Mehr Persönliches mag sie derzeit nicht preisgeben. Nichts von alledem ist ehrenrührig.
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Horst Schuh, 52, ist Diplom-Rechtspfleger, Leiter des Staatlichen Rechnungsprüfungsamts, Ortsvorsteher in Baisingen, Stadtrat in Rottenburg, er ist seit 26 Jahren verheiratet und hat 3 Kinder. Der CDU gehört er seit 14 Jahren an. Nichts von alledem ist ehrenrührig.
Glücklich könnte eine Partei sein, die solch ein Kontrastprogramm zur Auswahl hat, um einen Landtagskandidaten zu küren. Doch die Kreis-CDU hat es verbeutelt, selbst wenn es nur ungeschickt und unglücklich geschehen sein sollte. Seit der ersten Wahl in Bühl und den Folgen bis zur Anfechtung ist die Kreis-CDU in einer Situation, in der sie in allem, was sie macht, angreifbar ist, vorneweg ihr Vorsitzender Klaus Tappeser.
Welchen Verbal-Schmutz manche Rottenburger Parteimitglieder auf Lisa Federle werfen, ist erschütternd. Doch auch Horst Schuh ist keinesfalls der hölzerne Bürokrat vom Dorf, als den ihn manche Tübinger Mitglieder skizzieren. Die erste Nominierungsrunde ging an Schuh, die zweite, möglicherweise entscheidende, an Federle. Aber diese Wahl ist noch nicht rechtskräftig.
Denn jetzt fällt Rottenburgs Oberbürgermeister Stephan Neher seinem Amtsvorgänger und CDU-Kreisvorsitzenden Tappeser in den Rücken: Neher und ein paar andere CDUler überlegen, die Wiederholungswahl anzufechten, weil sie nicht nötig und nicht rechtens gewesen sei. Das hätte Neher spätestens in Bodelshausen klar machen sollen, bevor die Mitglieder abstimmten, ob sie überhaupt nochmal wählen wollen. Im Kreisvorstand, sagt er, habe er seine Zweifel am Erfolg einer Anfechtung der Bühler Wahl dargelegt. Dass die Abstimmung in Bodelshausen klar für die Wiederholungswahl endete, hatte Neher falsch eingeschätzt.
Seine Motive, attraktive Posten verdienten Parteisoldaten vorzubehalten, mögen intern nachvollziehbar sein – außerhalb wird es heikel: Immer mehr Wähler/innen lehnen die auf dem Weg nach oben von der Partei geformten Köpfe ab. Was seit jeher die Bürgermeisterwahlen bestimmte, färbt auf andere Wahlen ab: die Persönlichkeitswahl. Horst Schuh mag es als einen Akt von Untreue empfinden, wenn selbst Rottenburger Parteifreunde auf Federle setzen, nur weil sie um das seit Jahrzehnten sichere Direktmandat fürchten – wenden wird er diesen Trend nicht.
Nur noch staunen können Außenstehende über die zunehmende Dynamik, mit der sich die CDU im Landkreis zerfleischt. Wie ernst die Lage ist, zeigt sich daran, dass Landeschef Stefan Mappus gestern die Kreis-CDU rügte, besonders, ohne ihn direkt zu nennen, Stephan Neher. Gert Fleischer