per eMail empfehlen


   

Kommentar

Die Bahn bekommt ernsthaft Konkurrenz

Bahnfahren ist super. Entspannt ankommen, ohne Unfallgefahr, ohne stressige Dauerstaus auf der Autobahn, ohne lichthupende Idioten auf der linken Spur. Dafür viel Zeit zum Bürounterlagen oder Romane lesen, einen Film auf dem Laptop oder einfach aus dem Fenster schauen – und dabei einen Kaffee im Bordrestaurant trinken. Ökologisch sinnvoll ist das ganze auch noch, jedenfalls im Vergleich zu Auto und Flieger.

Anzeige


Volker Rekittke

Nur Busse sind ähnlich umweltfreundlich, beim Thema CO2 sogar noch ein bisschen freundlicher als die Bahn.

Leider kann Bahnfahren auch richtig stressig sein: Wenn der Anschluss in Stuttgart mal wieder nicht erreicht wird, bedeutet das eine Stunde Wartezeit und die reservierten Plätze sind futsch. Oder man hat sich den Reservierungs-Aufpreis gespart – und steht trotz teurem Ticket stundenlang eingequetscht auf dem Gang im Zug.

Bislang gab es für Reisende, die nicht mit Auto oder Flieger unterwegs sein wollten, praktisch keine Alternativen zum Monopolisten Bahn. Das ist nun anders. Zum 1. Januar hat die Bundesregierung eine aus den 1930er Jahren stammende Schutzklausel für die Schiene geändert. Die Bahn muss nun ernsthafte Konkurrenz fürchten.

Denn Linien wie DeinBus.de sind preiswerter – und das bei einer ähnlich langen Fahrtzeit etwa auf der neuen Strecke Tübingen-Konstanz. Jeder Busreisende bekommt einen Sitzplatz, keiner muss unterwegs umsteigen. Die Deutsche Bahn hingegen lässt ihre Kunden auf der Tour von Tübingen nach Konstanz gleich zweimal den Zug wechseln: in Horb und in Singen. Teils hat man dafür nur vier Minuten Zeit. Wer die Verspätungen der Bahn kennt, mit Kleinkind und viel Gepäck reist oder als Senior nicht mehr so schnell sprinten kann, dem sind jene Adrenalinschübe beim Umsteigen nicht unbekannt.

Trotzdem: Die Zukunft gehört nicht dem Klimakiller und Krebsmacher Verbrennungsmotor. Viele Straßen sind heute schon hoffnungslos verstopft. Wo sollen sie denn alle hin, die wachsenden Flotten von Autos, Bussen und den zu Gigalinern mutierenden Lastern?

Die Zukunft gehört der Schiene. Doch um diese Vision wahr zu machen, wird sich die Bahn mächtig anstrengen müssen. Wie wär’s denn, lieber Bahnchef Grube, die Milliardengrube in Stuttgart rasch wieder zuzuschütten, bevor das Loch in der Stadt und das in der Bahnkasse immer größer wird? Das Geld wäre viel besser angelegt für einen integrierten Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild – also für deutlich mehr und bessere, pünktlichere Zugverbindungen. Diesen ganz großen Wurf wird die Bahn aber wohl nicht allein schaffen, sondern nur mit Hilfe vom Bund, also von uns Steuerzahlern. Doch dafür sollten dann auch wieder wir Bürger/innen und die von uns gewählte Regierung das Kommando in dem vor Jahren privatisierten Konzern übernehmen. Damit Bahnfahren wieder so richtig super wird.

24.01.2013 - 12:30 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

Anzeige

(c) Alle Artikel, Bilder und sonstigen Inhalte der Website www.tagblatt.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.

Anzeige


Bildergalerien und Videos

Weihnachtsbasar in Taipeh

Basketball: Alba schlägt Tigers mit 90:68

Gasexplosion in der Dußlinger Merianrealschule

Freihandelsabkommen ja oder nein?

Turner-Weihnachtszirkus der Spvgg Mössingen

Tübinger Weihnachtsmarkt 2014

Montagsdemo: 500 Mal gegen Hartz IV

Das Ammertal - Refugium für seltene Tiere

SSC Tübingen schlägt Altingen 3:2

2670 Starter beim Tübinger Nikolauslauf

TVR fordert Serienmeister vom Bodensee

Die Chocolart lockt Schokofans nach Tübingen

Die Bambam-Band lädt zum Nikolaus-Benefiz-Konzert

Sepp Buchegger: Advent Advent 2014

Talheim unterliegt Frommenhausen 0:3 Millipay Micropayment

Basketball: Tübingen unterliegt Göttingen

BFA-Gelände: Eine Forschungsanstalt im Dornröschenschlaf

Die erste Saison-Niederlage des TVR in Bildern

Anzeige


Anzeige


Nachrichten aus ...
ReutlingenWannweilPliezhausenWalddorfh�slachAmmerbuchT�bingenDettenhausenKirchentellinsfurtKusterdingenGomaringenDusslingenOfterdingenMössingenNehrenBodelshausenHirrlingenNeustettenRottenburgStarzachHorb
Die Woche im Rückklick
Artikelbild: Gasexplosion an der Dußlinger Realschule auf dem Höhnisch

Wissen, was war

Die Woche vom 13. bis 19. Dezember: Gasexplosion an Schule, Kaya Yanar in der Kinderklinik und ein hungriger Dieb

Aktive Singles auf
date-click
Anzeige


Das TAGBLATT-Zeitungsarchiv
Artikelbild: Das Redaktionsarchiv des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS

Sie suchen? Wir finden.

Wer kennt das nicht: Ausgerechnet den Artikel zum Thema, das einen gerade beschäftigt, hat man verpasst. Oder man braucht dringend einen Überblick über eine regionale Fragestellung. Das TAGBLATT-Archiv hilft weiter.

Ihr Kontakt zur Redaktion
Schwäbisches Tagblatt 

07071/934-0

Tagblatt Online
07071/934-0
Steinlach Bote 07473/9507-0
Rottenburger Post 07472/1606-16
Reutlinger Blatt 07121/3259-50
Neckar Chronik Horb 07451/9009-30
Tagblatt Anzeiger 07071/934-0