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Müde Beine – optimale Bilanz

Deutschland fehlt ein Sieg zur EM-Qualifikation

Die deutschen Volleyballer haben in der Europameisterschafts-Qualifikation mit dem 3:0-Sieg über Kroatien die 1200 Zuschauer in der Tübinger Paul-Horn-Arena beeindruckt. Nun fehlt dem Team noch ein Sieg fürs EM-Ticket.

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Thomas de Marco
Deutscher Jubel nach dem  Sieg gegen Kroatien.   Archivbild: Ulmer Deutscher Jubel nach dem Sieg gegen Kroatien. Archivbild: Ulmer

Tübingen. Die Stimmung im Publikum war gestern Abend bestens nach dem klaren Erfolg (25:13, 25:21, 25:23), doch die deutschen Spieler äußerten sich trotzdem sehr selbstkritisch. „Am Schluss war das 3:0 noch glücklich, denn da haben wir nicht wirklich gut gespielt. Das lag zum Teil auch an mir“, gab Zuspieler Patrick Steuerwald (Generali Haching) freimütig zu. „Nach dem starken Beginn dachten wir, das geht von alleine so weiter. Das darf eigentlich nicht passieren.“ Für die Spiele gegen Montenegro (heute, 20 Uhr) und Estland (Sonntag, 18 Uhr) versprach er eine Steigerung der deutschen Auswahl.

Die hat in Tübingen trotz aller Schwächen da weitergemacht, wo es in Teil eins der Europameisterschafts-Qualifikation in Bar (Montenegro) vor einer Woche aufgehört hatte: Das 3:0 war der vierte Sieg ohne Satzverlust in der vierten Begegnung der Qualifikations-Gruppe D. Jetzt fehlt nur noch ein Erfolg für das Ticket zur EM 2011 in Österreich und Tschechien.

Nationalteam überzeugt nur in Satz eins voll

„Aber wir dürfen nicht immer nur an die Qualifikation denken“, mahnte Bundestrainer Raúl Lozano, „sondern mehr daran, gut zu spielen und eine konstante Leistung zu bringen.“ Satz eins sei sehr gut gewesen, doch danach galt für den Argentinier nur noch: „Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, aber nicht mit der Vorstellung.“

Dabei hatte Deutschland um den überragenden Jochen Schöps (siehe nebenstehendes „Angebaggert“) ganz stark begonnen, hervorragende Kombinationen gezeigt, im Block wenig durchgelassen und in der Abwehr sehr viel herausgeholt. Mehrfach kassierten die Nationalspieler Szenenapplaus, wenn sie schwierigste Bälle gerade noch kurz vor dem Boden wegkratzten.

Doch danach wurde Deutschland immer schwächer, weil vor allem die Angaben schlecht kamen. In Satz zwei reichte es dem Team von Trainer Lozano trotzdem noch, die Kroaten auf Distanz zu halten. Im dritten Durchgang lag die Mannschaft dann aber bis zum 15:16 konstant hinten und ging durch Schöps beim 17:16 erstmals in Führung. Marcus Böhme (VfB Friedrichshafen) verwandelte den dritten deutschen Matchball zum 25:23.

„Die Schwächen sind aber auch irgendwie verständlich, denn wir haben im Hinblick auf die Weltliga-Spiele die ganze Woche über in Tübingen hart trainiert“, sagte Außenangreifer Robert Kromm, der für Verona spielt, „hoffentlich zahlt sich das Risiko auch aus. Wichtig ist vor allem, dass wir wieder 3:0 gewonnen haben.“

Er war wie auch die übrigen deutschen Nationalspieler angetan von der Stimmung in der Halle: „Für Freitagabend war da viel los.“ Allerdings hofft der frühere Rottenburger Sebastian Schwarz wie auch die Verantwortlichen des TVR, dass heute und am Sonntag die Ränge voller besetzt sein werden.

Wenn die deutschen Volleyballer dann an die Leistung des ersten Satzes gegen Kroatien anknüpfen, ist ein Spektakel garantiert. Allerdings war Kroatien auch alles andere als eine Herausforderung für die deutsche Mannschaft. Denn bei den Kroaten haben sich einige der besten Spieler mit dem Verband überworfen und treten nicht mehr für ihr Land an (wir berichteten).

Estland gewinnt Krimi gegen Montenegro

Im ersten Spiel des Abends hatten sich Estland und Montenegro vor etwa 450 Zuschauern wie bereits vor einer Woche einen Fünf-Satz-Krimi geliefert, den Estland mit 3:2 gewann. Zunächst hatte es wieder nach einer klaren Sache für die Balten ausgesehen, die in Satz eins auf 20:10 weggezogen waren und die ersten beiden Durchgänge mühelos gewannen. Doch dann drehte Montenegro auf, Marko Bojic sicherte seinem Team im umkämpften vierten Satz mit einem platzierten Schlag zum 27:25 den Tiebreak.

Den gewannen dann aber die Esten trotz eines 2:7-Rückstands mit 16:14. „Nach den ersten beiden Sätzen haben wir gedacht, wir gewinnen locker mit 3:0“, sagte Estlands erfolgreichster Angreifer Oliver Venno, der 21 Punkte machte. Seine Mannschaft brauche nun noch einen Sieg, um Platz zwei zu sichern und damit noch einmal eine EM-Chance in zwei Ausscheidungsspielen gegen den Zweiten der Gruppe F (entweder Niederlande oder Mazedonien) zu bekommen. „Auch Deutschland ist nicht unschlagbar“, erklärte der 20-Jährige kess vor dem Spiel am Sonntag.

Die EM-Qualifikation in Tübingen im Überblick

Estland – Montenegro 3:2 (25:15, 25:20, 18:25, 25:27, 16:14).

Estland: Pajusalo, Pupart, Kreek, Toobal, Meresaar, Kivisild, Öuekallas, Esna, Venno, Toobal, Jago, Nömmsalu.

Trainer: Avo Keel.

Montenegro: Bojic, Cuk, Bagaric, Milivojevic, Rasovic, Janovic, Cabarkapa, Jurisic, Djukic, Suljagic, Dabovic, Culafic. Trainer: Radovan Malevic.

Deutschland – Kroatien 3:0 (25:13, 25:21, 25:23).

Deutschland: Westphal, Schwarz, Kaliberda, Böhme, Fischer, Schöps, Rieke, Tille, Kromm, Günthör, Steuerwald, Grozer.

Trainer: Raúl Lozano.

Kroatien: Kvesic, Cuk, Srdoc, Fehir, Tropan, Kurtes, Vulin, Radocaj, Tepavac, Krizanovic, Cosic, Cickovic.

Trainer: Dragan Bozic.

Tabelle:

Deutschland 8 12:0

Estland7 9:7

Montenegro 5 7:9

Kroatien4 0:12

29.05.2010 - 08:29 Uhr | geändert: 16.06.2010 - 14:24 Uhr

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