Deutsches Nationalteam will die Qualifikation zur EM perfekt machen
Drei Tage lang Spitzenvolleyball in der Tübinger Paul-Horn-Arena: Die Nationalteams von Deutschland, Montenegro, Kroatien und Estland kämpfen von heute bis Sonntag um die direkte Qualifikation zur Europameisterschaft.
Tübingen. Die erste Runde dieser Qualifikation zur EM 2011 in Österreich und Tschechien war überhaupt kein Problem für die deutschen Männer: Das Team von Bundestrainer Raúl Lozano hat alle drei Spiele in Bar (Montenegro) klar mit 3:0 gewonnen und führt die Tabelle vor dem zweiten Teil der Qualifikation mit 6 Punkten und 9:0 Sätzen an (wir berichteten). Zweiter ist Estland (5/6:5) vor Montenegro (4/5:6) und Kroatien (3/0:9). Für einen Sieg gibt es zwei Punkte, für eine Niederlage einen. Hier die vier Nationalteams im Kurz-Portrait:
Der große Favorit
Deutschland ist 17. der Weltrangliste und hat 2009 ein hervorragendes Jahr erlebt: Sieg in der Europa-Liga, Qualifikation für WM-Endrunde und Weltliga sowie Platz sechs bei der EM. Der neue Bundestrainer Raúl Lozano, der auf Stelian Moculescu nachfolgte, hat für ein neues Wir-Gefühl im Team gesorgt. Erfahrene Nationalspieler wie Björn Andrae (Valentia/Italien) und Jochen Schöps (Odintsovo/Russland) wie auch der junge Zuspieler Patrick Steuerwald von Pokalsieger Haching sind begeistert vom Argentinier.
2010 will Lozano die Erfolgsgeschichte fortführen: in der Weltliga, in der sein Team auf die Weltklasse-Mannschaften aus Polen, Kuba und Argentinien trifft (unter anderem am 5. und 6. Juni in Stuttgart), sowie im September und Oktober bei der Weltmeisterschaft in Italien.
Zunächst steht aber die Qualifikation für die EM auf dem Programm (Kader siehe unten rechts). Da haben die Deutschen in Montenegro allerdings mit ihrer makellosen Bilanz keinerlei Zweifel daran gelassen, dass sie in Tübingen der große Favorit sind und wohl nicht zu stoppen sein werden auf dem Weg zur EM in Österreich und Tschechien.
Vor fast genau einem Jahr war Deutschlands Volleyball-Team erstmals in Tübingen zu sehen (mit Matthias Pompe vom TV Rottenburg, ganz links). Von heute Abend bis Sonntag kämpft das Nationalteam um das Ticket zur Europameisterschaft 2011. Archivbild: Ulmer
Überragender Mann im deutschen Team bei der Gala-Vorstellung in Montenegro war Georg Grozer, der den Gegner 15 Asse ins Feld drosch und insgesamt 44 Punkte machte. Er wird Meister VfB Friedrichshafen nach zwei Spielzeiten verlassen und zieht derzeit nach Moers um, wo er früher spielte. Der Diagonalangreifer kehrt allerdings nicht (wie irrtümlich gemeldet) zum Moerser SC zurück, sondern wechselt ins Ausland – nach Rzeszów in Polen.
Der Verfolger
Estland ist die Nummer 48 der Weltrangliste und härtester Verfolger des deutschen Teams. 2009 hatte sich die baltische Mannschaft erstmals für eine EM-Endrunde qualifiziert, war aber sieglos geblieben. Die Esten treten mit Legionären aus den Ligen in Polen, Frankreich und Österreich sowie Spielern des Hauptstadtklubs Tallinn an. Trainiert wird die Auswahl von Avo Keel, der 1996 als Beachvolleyballer bei den Olympischen Spielen in Atlanta dabei war.
In Bar hat Deutschland die Esten vor acht Tagen mit 3:0 (25:22, 25:17, 25:19) besiegt. Die deutsche Bilanz in bisher sieben Spielen gegen Estland (inklusive DDR): fünf Siege und zwei Niederlagen.
Topangreifer aus Budva
Montenegro ist 105. der Weltrangliste, hat aber einen überragenden Volleyballer im Team: Der 23-jährige Diagonalangreifer Milos Culafic von Budva (Montenegro) war in dieser Saison in der Vorrunde der Champions League bester Punktesammler überhaupt.
Ivan Knezevic und Milan Markovic haben bei der Europameisterschaft 2003 in Deutschland für den späteren EM-Vierten Serbien und Montenegro geschmettert. Mittelblocker Markovic war für Serbien und Montenegro bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen am Netz. Beim ersten Teil der EM-Qualifikation vor einer Woche verlor Montenegro vor eigenem Publikum gegen Deutschland mit 0:3 (11:25, 18:25, 17:25).
Die Stars sind sauer
Kroatien ist Nummer 58 der Weltrangliste und musste sich in der Vorqualifikation gegen Dänemark behaupten. Das gelang mit zwei 3:0-Siegen allerdings sehr deutlich. Bei den Kroaten haben sich allerdings die besten Spieler mit dem Verband überworfen und fehlen deshalb in der Qualifikation: Starangreifer Igor Omrcen (Macerata/Italien) ebenso wie Mario Zelic, Toni Kovacevic (beide früher Friedrichshafen) oder Tomislav Coskovic (Istanbul). Vor einer Woche haben die Kroaten gegen Deutschland in Teil eins der Qualifikation mit 0:3 (21:25, 20:25, 19:25) verloren. Deutschlands Bilanz gegen Kroatien (inklusive DDR) ist ausgeglichen: In acht Spielen gab es vier Siege und vier Niederlagen.