Boris Palmer macht Pause
Der OB geht in Elternurlaub
In Boris Palmers Wohnung läuft wieder der Kühlschrank. In seinem Junggesellen-Haushalt war das Elektrogerät angeblich abgeschaltet.
Franziska Brantner und Boris Palmer sind ein Paar. Bild: Metz
Montag Vormittag hat er einen stromsparenden neuen Kühlschrank gekauft („A++“), denn Boris Palmer lässt Junggesellen-Status und Französisches Viertel hinter sich und ist in eine Altbauwohnung umgezogen. Jetzt wohnt er „nahe zum Bahnhof und nahe zum Rathaus“.
Das hat vor allem mit Franziska Brantner zu tun, mit der Tübingens 37-jähriger OB jetzt Tisch und Bett teilen will – jedenfalls wenn Zeit dafür ist. Die 30-jährige Südbadenerin – geboren in Lörrach, Schule in Neuenburg, Abitur in Freiburg – war bislang viel unterwegs: Politik- und Ökonomiestudium in Paris, Oxford und New York, Promotion in Mannheim.
Und mobil wird sie bleiben müssen: Im Sommer wurde sie – auf der Liste der Grünen – ins Europäische Parlament gewählt, das bekanntlich zwischen Straßburg und Brüssel pendelt. Die Abgeordnete, die sich selbst als „pragmatisch“ bezeichnet, hat Büros in Freiburg und Ludwigshafen. In Tübingen wird sie einstweilen Zweitwohnungssteuer bezahlen.
Wie das Paar am Montag einer überschaubaren Journalisten-Runde erzählte, kreuzten sich seine Wege erstmals 2005 bei einer Parteiveranstaltung. Aber erst 2009 hätten sie „zusammengefunden“ und im gemeinsamen Sommerurlaub – Radeln in den Alpen, dann französischer Atlantik – „beschlossen, eine Familie zu gründen“. Das blieb nicht folgenlos: Im Mai erwarten sie ein Kind.
„Wir werden eine Familie sein, die gar nicht geht“, sagte Palmer, „beide berufstätig, beide 16-Stunden-Tag und kein Auto“ und strahlte dabei mit seiner Frau um die Wette. Die Mutter in spe will ihre Abgeordnetentätigkeit nur kurz unterbrechen. Nach gemeinsamen Sommerferien will der Kindsvater – voraussichtlich im September und Oktober – in Vollzeit und programmfüllend seinen elterlichen Pflichten nachkommen.
Keine Frage, dass auch einem Oberbürgermeister diese Berufspause zusteht, selbst wenn der Tübinger Rathaus-Chef der erste sein sollte. „Ein guter OB kann auch zwei Monate weg sein“, sagte Boris Palmer sehr entschieden, „nur ein schlechter muss jeden Tag hinterherkehren“.
Eckhard Ströbel