Das Neckarabschwimmen war eine Doppel-Jubiläumsfeier
Mehr als 100 Feuerwehr- und DLRG-Taucher sind gestern mit Fackeln durch den Neckar zwischen Campingplatz und Neckarbrücke geschwommen. Die Tübinger Feuerwehrtaucher feierten damit ihr 40-jähriges, die Reutlinger ihr 20-jähriges Bestehen.
Tübingen. Die ersten Zuschauer hatten sich auf der Alleenbrücke bereits einen guten Platz gesichert, als die Taucher beim Campingplatz noch gar nicht losgeschwommen waren. Dort fiel um 17.10 der Startschuss. Knapp 20 Minuten später waren die ersten Fackeln zu sehen, die 117 Mitglieder der Feuerwehren aus Tübingen, Reutlingen, Stuttgart, Esslingen, Mengen und Heidelberg sowie der DLRG-Gruppen Tübingen und Neckar-Alb in den Händen hielten.
Eine Dreiviertelstunde trotzten Feuerwehr- und Rettungstaucher dem eiskalten Neckarwasser. In der Nähe der Eberhardsbrücke gingen sie an Land. Bild: Sommer
Mit Sirenengeheul, Rufen und Musik aus einer Anlage auf einem Floß schwammen die Taucher weiter bis vor die Neckarbrücke, wo um zehn vor sechs die ersten aus dem zwei Grad Celsius kalten Wasser stiegen. An einem Lagerfeuer konnten sich die Schwimmer mit einer Tasse Glühwein aufwärmen.
Das Neckarabschwimmen am 6. Januar findet seit 1973 statt – normalerweise tagsüber, heuer anlässlich des Jubiläums erstmals bei Dunkelheit und mit Fackeln. Bei der anschließenden Feier im Feuerwehrhaus in der Kelternstraße übergab Erster Bürgermeister Michael Lucke der Wehr einen neuen Gerätewagen, mit dem die Tauchergruppe ihre Geräte sowie sechs Aktive zu den Einsätzen transportieren kann. Das Fahrzeug ersetzt seinen Vorgänger von 1976. „Nach 34 Jahren ist der einfach nicht mehr gebrauchsfähig“, sagte Bernd Gugel, der Leiter der Tauchergruppe. Den alten Wagen hatte die Wehr noch mit Spenden finanziert und selbst ausgebaut.
Bis in die 1960er Jahre konnten die Tübinger Feuerwehrleute nur mit Stangen nach Ertrunkenen suchen. Nachdem sich in den 1960ern einige tödliche Unfälle in Neckar, Neckarkanal und Baggerseen ereignet hatten, beschlossen einige Aktive 1970, eine Tauchergruppe zu gründen.
Der Anfang war schwierig, da Tauchen damals noch eine recht exotische Sportart war, das Material entsprechende Qualitätsmängel hatte und schwer zu bekommen war. Auch einen Ausbildungsleitfaden für Feuerwehrtaucher gab es damals noch nicht. Zudem war das neue Aufgabengebiet auch innerhalb der Tübinger Feuerwehr umstritten. Einige Mitglieder waren der Meinung, die Wehr sollte bei ihrer „eigentlichen“ Aufgabe, dem Löschen, bleiben.
Anfangs machten die Tübinger Feuerwehrtaucher eine Ausbildung zum DLRG-Rettungstaucher. Erst 1979 führte die baden-württembergische Landesfeuerwehrschule einen speziellen Lehrgang ein. Heute hat die Tauchergruppe 17 ausgebildete Mitglieder, darunter zwei Frauen.
Durchschnittlich vier bis sechs Einsätze hat die Gruppe im Jahr. Zu ihren Aufgaben gehört die Rettung von Personen und Tieren aus dem Wasser, die Bergung von Leichen und die Suche nach vermissten Gegenständen, teilweise in Amtshilfe für die Polizei. 2009 hatten die Feuerwehrtaucher besonders viel zu tun. Acht Mal mussten sie ausrücken. Zwei Mal waren sie am Stauwehr an der Brückenstraße im Einsatz, wo sie zwei Personen aus dem Wasser retten konnten. „Einen kuriosen Einsatz hatten wir im Anlagensee“, sagte Bernd Gugel. Dort bargen seine Leute ein zwei Meter langes Modell-U-Boot.
Die Tübinger Feuerwehrtaucher seien bis heute etwas Besonderes, so Gugel. Kaum eine freiwillige Feuerwehr im Land hat eine Tauchergruppe, meist handelt es sich um Berufsfeuerwehren. In Reutlingen haben die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren der Stadtteile 1990 gemeinsam eine Tauchergruppe gegründet. Bei der Ausbildung, den Übungen und den Einsätzen arbeiten die Tübinger und die Reutlinger Taucher seither eng zusammen.